Wohlen

Auf vielen Ebenen aktiv: Edi Brunner tritt aus dem Einwohnerrat zurück und bald ins Rentenalter ein

Edi Brunner tritt aus dem Einwohnerrat zurück und geht auf Motorradreise.

Edi Brunner tritt aus dem Einwohnerrat zurück und geht auf Motorradreise.

Nach dem Ende seiner zweijährigen Präsidentschaft im Wohler Einwohnerrat, verabschiedet sich der SVP-Politiker aus dem Gemeindeparlament. Was er danach vorhat, erzählt er hier.

Am 17. Juli 2020 feiert Edi Brunner seinen 65. Geburtstag. Dann geht’s los auf die grosse Motorradreise. Über Danzig, wo Gattin Lucy geboren ist und das Wohler Ehepaar seit einigen Jahren ein kleines Ferienhäuschen besitzt, geht es auf der 1100er-Goldwing zum finnischen Meerbusen und dann durch die baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland.

Drei Monate sind dafür eingeplant. Und auch das Ziel der Töffreise von 2021 steht schon fest: «Ich habe zu meinem 50. Geburtstag die Route 66 in den USA befahren. Mit 66 will ich diese Reise wiederholen, dann aber meine Frau mitnehmen.»

Über 20 Jahre Feuerwehr, 35 Jahre Schiedsrichter

Edi Brunner, geborener Appenzell-Ausserhödler, gelernter Elektromonteur und noch bis im Juli 2021 als Beleuchtungstechniker in der Zürcher Firma Otto Fischer tätig, war in seinem Leben auch neben dem Beruf immer sehr aktiv.

Über 20 Jahre hat er in Wohlen Feuerwehrdienst geleistet, 35 Jahre lang war er Fussballschiedsrichter und zuletzt Schiedsrichter-Betreuer beim Aargauischen Fussballverband. Auch politisch hat er sich schon in jungen Jahren engagiert.

Seit zehn Jahren ist Edi Brunner im Wohler Einwohnerrat, zwischenzeitlich gehörte er für zwei Jahre auch der SVP-Fraktion im Aargauer Grossen Rat an, und seit Januar 2018 und noch bis am 31. Dezember 2019 ist er als Einwohnerratspräsident der politisch höchste Wohler.

Auch dort geht er in Rente. Seine letzte Sitzung in dieser Funktion leitet er am Montag, 9. Dezember. Oder vielleicht auch einen Tag später: «Es geht ums Budget und es ist gut möglich, dass wir zu diesem in Wohlen stets brisanten Thema einen zweiten Abend beraten müssen», erklärt er.

«Es chunt scho guet», hat Brunner vor zwei Jahren in einem Interview zum Amtsantritt gesagt. Und, ist es gut gekommen? «Ja, ich glaube, das darf ich so feststellen», sagt er. Und schiebt dann schmunzelnd nach: «Man hat mir ja auch stets viel Verständnis entgegengebracht und über meine gelegentlichen Fehler und Versprecher mit Humor hinweggesehen.»

Kleine Fehler, die öfter zu lachen gaben

Die Fehler, die der abtretende Einwohnerratspräsident anspricht, waren weniger administrativer Natur. Den Sitzungsablauf hat er meist souverän im Griff gehabt. Auch dank der guten Unterstützung vom Ratsbüro, wie er ausdrücklich betont: «Auf die Verwaltung habe ich mich stets absolut verlassen können, dafür bin ich sehr dankbar.»

Doch dann lacht er: «Es cheibe Züg ist halt mein Namensgedächtnis. Da habe ich den einen oder anderen Bock geschossen.» Nicht immer sei er selber daran Schuld gewesen: «Da hat sich einmal Stefanie Dietrich zu Wort gemeldet. Ich habe sie erst übersehen, mein Vizepräsident, ihr Vater Meinrad Meyer, hat mich dann gestüpft und gesagt: ‹Stefanie Meyer will auch etwas sagen.›. Das habe ich natürlich so übernommen. Entsprechend erbost hat Stefanie auf meinen Versprecher reagiert, und im Saal gab es ein grosses Gelächter.»

Deutlich bessere Kultur im Einwohnerrat als früher

Die Atmosphäre im Einwohnerrat, erklärt Brunner, sei auch sonst recht entspannt gewesen: «Im Gegensatz zu früher, als es viele unnötige persönliche Angriffe gab, ist die Gesprächskultur heute deutlich besser. Man diskutiert gelegentlich hart, aber vorwiegend auf sachlicher Ebene.»

Das sei ganz in seinem Sinn: «Die Schweiz ist zu dem geworden, was sie heute ist, weil die verschiedenen Parteien stets den guten Kompromiss gesucht und gefunden haben.» Er sei zwar Mitglied der SVP und vertrete auch überwiegend deren Gedankengut. Doch: «Auch die SP – beispielsweise – hat viel für unser Land geleistet. Ohne sie gäbe es wohl weder AHV noch Invalidenversicherung.»

Wie es in Wohlen üblich ist, tritt Edi Brunner nach seiner Amtszeit als Präsident auch aus dem Einwohnerrat zurück. Politisch will er dennoch aktiv bleiben: «Die Entwicklung von Wohlen liegt mir am Herzen, ich werde weiter mitdiskutieren. Aber die Zukunft im Rat gehört den Jungen, nicht den Sesselklebern.»

Wo sieht er die Schwerpunkte der aktuellen Wohler Politik? «Ganz sicher in der Schulraumplanung. Da muss es endlich vorwärtsgehen. Der laufende Prozess dauert viel zu lange. Aber vielleicht bin ich daran nicht unschuldig», sagt er in leiser Selbstkritik. Es gäbe viel zu tun in Wohlen, insbesondere bei der Infrastruktur, die auf Vordermann gebracht werden müsse.

Doch insgesamt sei die Gemeinde «guet zwäg». Mühe hat er aber mit der seiner Ansicht nach zunehmenden Kriminalität, insbesondere dem Drogenhandel. Den hohen Ausländeranteil hingegen nimmt er mit einem Schulterzucken hin: «Der ist in einer Zentrumsgemeinde wohl einfach gegeben.»

Töff, Briefmarken und das Bezirksgericht Bremgarten

Edi Brunner geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Den Ratsbetrieb werde er vermissen, aber er freue sich auch darauf, dass er künftig wieder etwas mehr Zeit zum Töfffahren habe, als in den vergangenen zwei Jahren. Und für das Sammeln von und Handeln mit Briefmarken, seinem zweiten grossen Hobby.

Auch Laienrichter am Bezirksgericht Bremgarten wird Edi Brunner vorderhand bleiben: «Wir haben verschiedene Fälle und Charaktere zu beurteilen und können, wo es angebracht ist, auch einmal für einen Menschen Verständnis zeigen und Milde walten lassen, der ohne böse Absicht in eine dumme Sache hineingerutscht ist. Bezirksrichter zu sein ist ein Amt, das mir als Menschenfreund sehr entspricht.»

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