Der Murianer Gemeinderat hatte dazu eingeladen, um die allgemeine Stimmung zum Thema zu erfahren. Jetzt wird er die Erkenntnis aus dem Anlass prüfen und entscheiden, ob und wo entsprechende Massnahmen über das Budget oder über eine eigene Vorlage umgesetzt werden. Im Budget 2018 ist dafür ein Betrag von 162 000 Franken vorgesehen. «Unabhängig davon, ob es Tempo-30-Zonen über das Budget oder über eine eigene Vorlage gibt, hat die Bevölkerung in jedem Fall die Möglichkeit, dazu Stellung zu nehmen und allenfalls Einwendungen zu machen», betont Vizepräsidentin Milly Stöckli, Präsidentin der Fachkommission Energie, Umwelt und Mobilität.

Seit zehn Jahren ein Thema

Das Thema 30 ist in Muri nicht neu, wie Stöckli sich erinnerte. 2006 gingen an der Einwohnergemeindeversammlung «die Wogen hoch», als der Gemeinderat die flächendeckende Einführung von Tempo 30 in Muri vorschlug. Später kam es dann doch punktuell und auf Wunsch der Anwohner in gewissen Gebieten zu Tempo 30. So zeigte sich ein zweijähriger Versuch beim Schulhaus Badweiher als erfolgreich: Die Automobilisten halten Tempo 30 so gut ein, dass auf den Bau von verkehrsbremsenden Hindernissen verzichtet werden kann.

Der Ruf nach Tempo 30 ist auch jetzt wieder aus verschiedenen Quartieren im Raum. Die Fachkommission Energie, Umwelt und Mobilität schlug deshalb dem Gemeinderat vor, Tempo 30 in den Quartieren einzuführen, allerdings gewisse Sammelstrassen davon auszuschliessen. Die Gemeindeversammlung von 2006 noch im Hinterkopf, beschloss der Gemeinderat, die Bevölkerung in die Entscheidungsfindung einzubeziehen. «Das hat es in Muri wahrscheinlich noch nie gegeben, dies mit einem solchen Workshop zu tun», sagte Stöckli.

Neun Strassen

«Es geht darum, die Stimmung zu erfahren, einen Eindruck zu gewinnen», unterstrich Verkehrsplaner Oscar Merlo von der Teamverkehr Zug AG; er hatte schon bisher die Tempo-30-Diskussion in Muri begleitet. Die Teilnehmenden am Workshop konnten sich zu kritischen Strassen – Bach-, Kirchenfeld-, Kirchbühl-, Vorderwey-, Spital-, Egg-, Klosterhof-, Grindelstrasse sowie Wiliweg – Gedanken machen und auch das Bauchgefühl über die Einführung von Tempo 30 zum Ausdruck bringen.

Muss die Strasse verschiedenen Nutzungen gerecht werden? Fühlt man sich als Fussgängerin und Fussgänger auf dieser Strasse unsicher? Wird die gefahrene Geschwindigkeit als zu hoch empfunden? Das waren etwa Kriterien, die konkret diskutiert wurden.

Keine zusätzlichen Probleme

Bei vier Strassen erachteten die Workshop-Teilnehmer die Einführung von Tempo 30 als gut machbar, bei den anderen gingen die Meinungen auseinander. Beispiel Spitalstrasse: Würde hier Tempo 30 eingeführt, würden korrekt fahrende Autos von den Velofahrern überholt, was zu gefährlichen Situationen kommen kann. «Zu schnell fahrende Velofahrer könnten auch bei Kontrollen nicht gebüsst werden, weil die Velo-Tachos gar nicht geeicht sind», mahnt Stöckli. «Wir wollen keine zusätzlichen Probleme schaffen.»

Sie ist mit ihrer Fachkommission beim Dauerthema Verkehr sehr gefordert. «Es ist schwierig, alle Begehrlichkeiten auf einen Nenner zu bringen», stellt sie fest. Besonders stört sie sich daran, wenn sich Verkehrsteilnehmende gegeneinander ausspielen. «Jeder Autofahrer ist auch einmal Fussgänger oder Velofahrer, und umgekehrt.»