Rottenschwil
Auf Freileitungsmast: AEW baut Plattform für Storchennester

Auf den Freileitungsmasten der AEW nisten Störche. Damit sowohl die Vögel als auch die Stromleitungen sicher sind, hat das Unternehmen am Dienstag spezielle Plattformen angebracht. Die Gesellschaft Storch Schweiz ist begeistert.

Andrea Weibel
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In luftiger Höhe von 25 Metern wird das Nest neu platziert.
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Die AEW Energie AG versetzt ein Storchennest, damit die Störche sicher brüten können, ohne das Stromnetz zu beschädigen.
AEW versetzt Storchennest in Rottenschwil

In luftiger Höhe von 25 Metern wird das Nest neu platziert.

Andrea Weibel

Die Aktion ist in der ganzen Schweiz einzigartig: Früh morgens klettern zwei Mitarbeiter der AEW Energie AG auf einen 25 Meter hohen Freileitungsmast und bauen ein Storchennest so um, dass sowohl die Störche als auch das Stromnetz geschützt werden können.

Das kostet die AEW rund 4000 Franken pro Nest. «An allen anderen Orten in der Schweiz werden die Nester an solch kritischen Orten einfach entfernt», sagt «Storchenmutter» Margrith Enggist, Regionsleiterin Zentralschweiz der Gesellschaft Storch Schweiz.

«Dass ein Elektrizitätswerk eigens Plattformen für die Störche baut und diese kostenlos anbringt, ist ein unglaublich wertvoller Dienst für die Tiere.» Für die AEW hingegen sei dies selbstverständlich.

«Im Freiamt gehören die Störche ins Landschaftsbild. Da ist es klar, dass wir sie nicht einfach vertreiben, wenn sie sich einen unserer Masten als Nistplatz aussuchen», hält Josef Füglistaler, Leiter Regional-Center Bremgarten der AEW, nicht ohne Stolz fest.

Es ist die vierte Plattform, die die AEW montiert, die anderen drei stehen in Boswil und ebenfalls in Rottenschwil.

Selbst gebaute Plattform

Aufgrund ihres hohen Sicherheitsbedürfnisses suchen sich Störche gern den höchsten Ort einer Landschaft als Nistplatz aus. Wild Plattformen auf die Freileitungsmasten zu montieren, würde dennoch nichts bringen, erklärt Enggist.

«Die Störche suchen sich selber ihre Neststandorte. Ihnen ist es vollkommen egal, wo wir sie haben möchten.» Darum wurde auch in Rottenschwil erst eine Plattform angebracht, nachdem ein Storchenpaar mit dem Nestbau begonnen hatte.

Dazu setzte Silvio Beyeli, Projektleiter Storch bei der AEW, die 16- und 50-Kilovolt-Leitungen ausser Betrieb, sodass die Netzelektriker Marius Käppeli und Daniel Furrer gefahrlos via Highstepp-System den Betonmast erklimmen konnten.

Oben brachten die beiden eine von der AEW und Storch Schweiz entwickelte feuerverzinkte Stahlplattform an, die auf der Unterseite ein Gittergeflecht aufweist. «Dies sorgt dafür, dass die Exkremente der Vögel runterfallen können. Sonst sammelt sich der Salpeter auf dem Betonmast und ätzt sich durch die Oberfläche», erklärt Füglistaler.

Ein Teil des Nistmaterials wird auf die Plattform gelegt. «Die Störche müssen ihr Nest schon selber bauen, aber durch die Duftstoffe an den Ästen erkennen sie es als ihres wieder», beschreibt Enggist.

Nest wiegt bis zu einer Tonne

Auch in Unterlunkhofen wurde gestern eine Nistplattform errichtet. «Dort war aber der Bauer, auf dessen Grund ein neues Storchennest auf dem Freileitungsmast gebaut wurde, nicht damit einverstanden, dass wir eine Plattform anbringen», so Füglistaler.

«Immer wieder fällt Nistmaterial zu Boden, das passt nicht jedem.» Deshalb wurde das Nest abgebaut und einen Mast weiter wieder angebracht. «Das sollte eigentlich kein Problem sein», hofft Enggist.

Auf dem Mast, auf dem die Störche nicht willkommen sind, wurde ein grauer Metallball angebracht, auf dem das Nisten unmöglich ist. «Das machen wir auch bei Masten, auf denen ein Storchennest gefährlich sein könnte. Beispielsweise, wenn darunter direkt ein Weg verläuft, denn solche Nester können bis zu einer Tonne schwer werden», so Füglistaler.