Genauso übersichtlich und geordnet wie die neu gestalteten Abstimmungsbüchlein zu den beiden Gemeindeversammlungen, präsentierte Bremgartens Stadtammann, Raymond Tellenbach, am Mittwochabend die verschiedenen Traktanden der Ortsbürger- und der Einwohnergemeindeversammlung vom 5. und 14. Juni. Ebenso informierte er im Anschluss über die Legislaturziele des Stadtrats: «Wir haben keine!» und über die Neuorganisation der Verwaltung (siehe Kasten). Die zum Informationsanlass eingeladenen Vertreter von Parteien und Presse folgten den Ausführungen Tellenbachs mit Interesse, denn die Stadt hat ein paar grosse Projekte vor sich. Ein riesiger Brocken ist dabei die Sanierung von Strassen und Werkleitungen in der Unterstadt (AZ vom 28. April). Dafür sollen die Einwohner einen Baukredit über acht Millionen Franken gutheissen.

Die zweite Grossunternehmung ist der künftige Kiesabbau und die Wiederauffüllung auf den Gebieten Rauestei-Galgehölzli und Rüsshalde, wofür die Einwohnergemeinde zuerst einem Dienstbarkeitsvertrag mit der Firma Heinrich Müller, Kieswerk & maschinelle Erdarbeiten, Stetten, zustimmen muss. Gleichzeitig bedarf es eines Ja der Ortsbürgergemeinde zur Beteiligung an den Sanierungskosten der Gemeindedeponie Rauestei-Galgehölzli. Denn nur, wenn die ehemalige Deponie saniert ist, kann der Kies aus der Parzelle der Einwohnergemeinde und anschliessend auch derjenige aus der dahinterliegenden Parzelle der Ortsbürgergemeinde (Rüsshalde) professionell abgebaut werden.

Moränenkies ist die Zukunft

Das gemäss kantonalem Richtplan als Kiesabbauzone definierte Gebiet, das zum Ortsteil Hermetschwil-Staffeln gehört und sich zwischen Bremgarten und Waltenschwil, über dem Restaurant Waldheim in den Wald hinein erstreckt, weist eine sogenannte Abbaumächtigkeit von gut 40 Metern auf. Das bedeutet, dass beim Kiesabbau pro Quadratmeter Boden ein Volumen von 40 Kubikmetern gewonnen wird. «Damit gehört diese Kiesgrube zu den grössten im Aargau», bestätigt Geschäftsführer Heinrich Müller auf Anfrage. Sein Unternehmen ist darauf spezialisiert, Kiesvorkommen wie solche im Rauestei-Galgehölzli aufzubereiten. «In diesem Gebiet hat der Kies einen Tonanteil von etwa 20 Prozent», erklärt Müller. «Wir haben eine Technologie entwickelt, die es uns ermöglicht, den Kies vor Ort auszuwaschen und den Ton direkt wieder zurück in den Boden zu geben. Diesem sogenannten Moränenkies gehört die Zukunft.»

Bevor der Kies abgebaut und auch im übertragenen Sinne zu Kies gemacht werden kann, sind aber noch einige rechtliche Schritte notwendig, wie Stadtammann Tellenbach in seinen Ausführungen noch betonte. Beide Versammlungen müssen dem jeweiligen Traktandum zustimmen. Dann erst kann die Planung weitergehen. Nach der Prüfung durch den Kanton muss die Gemeinde eine Umzonung zustimmen und dann erfolgt die Projekteingabe mit Auflagefrist und der dazugehörigen Einsprachemöglichkeit. «Auch wenns rund läuft», so Tellenbach, «wird der Spatenstich wohl nicht vor 2021 stattfinden. Wenn die Bremgarter allerdings ja sagen zu ihrem neuen Kieswerk, dann dürfen sie in den folgenden 20 bis 30 Jahren mit Eingängen in die Gemeindekasse von rund 2,5 Mio. Franken rechnen.

Info-Veranstaltung zum Kiesabbau Rauestei-Galgehölzli am Montag, 28. Mai, 19 Uhr, im Gemeindesaal Hermetschwil-Staffeln. Der Anlass ist öffentlich.