Tägerig

Auf dem Weg zum höchsten Steuerfuss im Kanton

Auch im zweiten Anlauf beantragt der Gemeinderat Tägerig 127 Prozent, um von Ergänzungsbeiträgen zu profitieren.

Auch im zweiten Anlauf beantragt der Gemeinderat Tägerig 127 Prozent, um von Ergänzungsbeiträgen zu profitieren.

Auch im zweiten Anlauf beantragt der Gemeinderat Tägerig 127 Prozent, um von Ergänzungsbeiträgen zu profitieren.

Nach der Gemeindeversammlung vom vergangenen November zeigte sich der Gemeinderat von Tägerig ein wenig ratlos. Soll er das Nein der Gemeindeversammlung zum Budget 2020 als Sparauftrag verstehen oder ist die Mehrheit dagegen, dass Tägerig den Steuerfuss von 122 auf 127 erhöht und damit das Gegenteil von Geltwil wird? Die Gemeinde mit den höchsten Steuern im Kanton. Diesen Titel würde das Dorf im Reusstal in diesem Jahr mit der Gemeinde Schlossrued teilen.

Diese Woche veröffentlichte der Gemeinderat von Tägerig das revidierte Budget. Die Dokumente zeigen, dass der Gemeinderat die Rückweisung als Sparauftrag verstanden hat. Auch an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung vom Donnerstag, 27. Februar, beantragt der Gemeinderat einen Steuerfuss von 127 Prozent. Die Absicht dahinter ist klar: Mit dieser Erhöhung des Steuerfusses hätte die derzeit finanzschwache Gemeinde Anrecht auf Ergänzungsbeiträgen vom Kanton in der Höhe von 117000 Franken.

«Tägerig hat im kantonalen Vergleich eine stark unterdurchschnittliche Pro-Kopf-Steuerkraft», begründet der Gemeinderat in der Aufgaben- und Finanzplanung 2020 bis 2026. «Dank der Anhebung des Steuersatzes, den Ergänzungsbeiträgen sowie der (allerdings jährlich sinkenden) Auflösung der Aufwertungsreserven zeigt das Gesamtergebnis ab dem Jahr 2020 Ertragsüberschüsse.» Der Gemeinderat betont, dass man trotz der angespannten Finanzlage nicht auf die sinnvolle Weiterentwicklung des Dorfes verzichten möchte und der Unterhalt der Anlagen in Tä­gerig nicht zu kurz kommen soll. Der Gemeinderat versichert: «Es soll gespart werden, wo es möglich und sinnvoll ist.»

Gespart soll auch bei den Vereinen werden

Im Vergleich zum ersten Entwurf des Budgets 2020 schlägt der Gemeinderat folgende Sparmassnahmen vor: Die Bundesfeier soll für dieses Jahr gestrichen werden – wie bereits der Neujahrs-Apéro. Verzichtet soll zudem auf den Teuerungsausgleich bei den Monatslöhnen beim Verwaltungspersonal werden. In den Unterhalt der Strassen sollen nur 41900 Franken statt 63200 Franken investiert werden. Ebenfalls sind Einsparungen von 27500 Franken beim Unterhalt der Schulanlagen geplant, indem etwa die Glasscheiben noch nicht ersetzt werden. Und was viele in Tä­gerig sicherlich schmerzen wird: Die Gemeinde will Vereinsbeiträge um die Hälfte kürzen.

Wie dem revidierten Budget zu entnehmen ist, würde etwa der Musikverein in diesem Jahr nur 3550 Franken statt 7100 Franken erhalten. Der Schützenverein müsste auf 700 Franken verzichten, die Jugendsportförderung auf 500 Franken, die Samariter auf 200 Franken und der Natur- und Vogelschutzverein auf 650 Franken. Auch die Leistungen ans Altersheim würden gekürzt: Der Seniorenausflug müsste mit 2800 Franken weniger auskommen, für Geschenke an Jubilare würden noch 500 statt 1000 Franken zur Verfügung stehen.

In der Endabrechnung spart die Gemeinde 75010 Franken im Vergleich zum ersten Entwurf. Es wäre noch mehr gewesen, wenn in der Zwischenzeit nicht noch zusätzlicher Mehraufwand dazugekommen wäre. So musste die Gemeinde etwa im Bereich Sozialhilfe weitere 60000 Franken budgetieren.

Der Gemeinderat weist auf eine Schwierigkeit beim Sparen hin: «Viele Kosten sind durch den Gemeinderat Tägerig gar nicht beeinflussbar, da sie durch übergeordnetes Recht oder aufgrund des aktuellen Finanz- und Lastenausgleiches vom Kanton bestellt und von der Gemeinde bezahlt werden müssen.»

Autor

Fabio Vonarburg

Fabio Vonarburg

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