Serie (2)

Auf dem Wasser durch den Aargau: «Yvonne» macht die Bootsfahrt gefährlich

Yvonne macht aus dem Paddeln ein Wildwasser-Rafting

Yvonne macht aus dem Paddeln ein Wildwasser-Rafting

Die reissende Reuss verhindert aus Sicherheitsgründen eine Weiterfahrt.

Auf der Strecke von Bremgarten flussabwärts werde ich immer heftiger durchgeschüttelt. Es regnet und ich versuche, auf der schnell fliessenden Reuss einigermassen elegant zu surfen, was aber nur teilweise gelingt. Der Bug meines Packrafts hebt und senkt sich zuweilen völlig überraschend. Hin und wieder drückt eine Welle das Boot in die Seitenlage, lässt Wasser ins Innere schwappen, was mich bis auf die Haut durchnässt. Zeit, Angst zu entwickeln, bleibt nicht, weil unablässig Korrekturen mit dem Paddel notwendig sind.

Was in der Innerschweiz als starker Regen aus dem Tief «Yvonne» niederging, rauscht jetzt hier durch das Bett der Reuss und erfordert volle Konzentration. Irgendwo zwischen Eggenwil und Fischbach-Göslikon steuere ich Land an und beschliesse, zu übernachten. Mit der Zeit hört der Regen auf, die Sonne zeigt sich. Es wird eine ruhige, trockene Nacht in der Hängematte.

Am Morgen wecken mich die Vögel früh mit einem betörenden Konzert. Ich stehe auf und begebe mich an den Fluss. Die Reuss ist über Nacht nochmals angeschwollen. Mit einem Fussmarsch zwei Kilometer flussabwärts erkunde ich die Lage. Und komme zum Schluss: Da gehe ich nicht rein. Eigentlich fühle ich mich ziemlich sicher in meinem Boot, trage eine Schwimmweste und habe keine Angst vor Wasser. Aber jetzt scheint mir eine Weiterfahrt auf dem ziemlich reissenden Fluss mit dem Schlauchboot zu gefährlich.

Retter setzen auf Prävention

Von einer Weiterfahrt hätte mich auch Philipp Binaghi abgehalten. «Uns stehen die Haare zu Berge, wenn wir an einem heissen Sommertag den Böötlifahrern zusehen», sagt der Sprecher der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG), die auf ihrer Website zahlreiche Informationen, Verhaltensregeln und Tipps für Wasserratten bereithält. Die SLRG setzt auf Prävention: «Wir möchten, dass die Menschen einen guten und gesunden Umgang mit dem Wasser und ihren Spass haben.» Deshalb propagiert sie «Mit Sicherheit mehr Wasserspass». Auf einer Packliste für den Gummiboot-Ausflug stehen unter anderem Ersatzpaddel, Schwimmwesten für alle Insassen, genügend Wasser, Sonnenschutz und Erste-Hilfe-Set. Aber kein Bier. «65 Prozent aller Wasserunfälle sind auf Alkohol zurückzuführen», weiss Binaghi aus entsprechenden Erhebungen.

Nur seetüchtige Schiffe

Bei mir wäre jetzt kein Bier im Spiel, würde ich lospaddeln in der ungestümen Reuss. Aber Leichtsinn. Also baue ich die Hängematte ab, verpacke all mein Zeug wieder in die wasserdichten Säcke und konsultiere die Wetterprognose. Sie sieht nicht gut aus, und ich beschliesse, dem Wanderweg entlang der Reuss zu folgen, der sehr schön angelegt ist. Ich treffe auf eine der grünen Tafeln des Reussuferschutzgebietes. «Die Reuss ist über weite Strecken ein gefährlicher Fluss mit unzähligen Einzelsteinen, Untiefen und einer unberechenbaren Strömung», steht da.

«Verwenden Sie nur seetüchtige Schiffe mit sicherer und funktionstüchtigen Ruder- und Steuereinrichtungen. Strand-, Schlauch und ähnliche kleine Vergnügungsgeräte sind ungeeignet.» Im Gnadenthal sehe ich einen Wasserfahrer, der das raue Wasser sucht. Der Mann sitzt jedoch in einem richtigen Kanu, ist inklusive Helm komplett ausgerüstet und offensichtlich in der Lage, die Situation zu beherrschen.

Im schlimmsten Fall allein

Unfälle mit Gummibooten und Stand-up-Paddlern haben sich mit dem Aufkommen dieser Freizeitvergnügen vermehrt. Mit einfachen und einprägsamen Verhaltensregeln will die SLRG Wasserbegeisterte für den richtigen Umgang mit dem nassen Element sensibilisieren. Im Zentrum stehen die sechs Baderegeln, welche durch Fluss-, Eis- und Tauchregeln ergänzt werden. Man kann sich in den freien Gewässern nicht, wie in der Badi, darauf verlassen, dass im schlimmsten Fall eine Rettungsschwimmerin oder ein Rettungsschwimmer zugegen ist und einen aus dem Wasser zieht. «In Bern an der Aare hat die Stadt mit der SLRG eine Aufsicht organisiert, auch Luzern ist auf uns zugekommen, um auf der Aufschütte diese zusätzliche Absicherung zu gewährleisten», sagt Binaghi. «Im Aargau ist mir nichts bekannt».

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