Muri

Auf dem Vormarsch: Ein Biber geniesst das Bad in der Bünz

© zvg / Erich Probst

Laut Zählungen rücken die Biber immer weiter ins Freiamt vor – so wie dieser.

Es war letzten Sonntag, als Erich Probst, der ehemalige Geschäftsleiter von Muri, mit seinem Husky spazieren ging. «Als wir bei der ARA entlang gingen, blieb mein Hund auf einmal stehen und schaute zur Bünz. Im Wasser bewegte sich etwas. Ich dachte, es sei ein Fisch.» Doch als er erkannte, was da wirklich seelenruhig in der Bünz planschte, zückte er sofort sein Handy, um es zu fotografieren. «Es war ein Biber. Er lag auf dem Rücken im Wasser, als wollte er sich uns präsentieren», beschreibt Probst lachend. «Danach spazierte er ans Ufer ins Gebüsch und begann, an einem Chnebel zu nagen. Er liess sich durch uns überhaupt nicht stören.» In den Tagen darauf schaute Probst immer wieder nach, doch die schöne Begegnung mit dem herzigen Wildtier blieb bisher einmalig. «Der will wohl auch nicht alleine sein und ist auf der Suche nach einem Partner weitergezogen, könnte ich mir vorstellen.»

Erich Probst traf beim Spazieren an der Bünz in Muri einen Biber an: «Er schien sich richtig zu präsentieren.» zvg/Erich Probst

Erich Probst traf beim Spazieren an der Bünz in Muri einen Biber an: «Er schien sich richtig zu präsentieren.» zvg/Erich Probst

Ausbreitung im Südaargau

So weit oben in der Bünz sind Biber selten. Doch das könnte sich ändern. Auf Anfrage verweist Thomas Stucki, Leiter der Sektion Jagd und Fischerei beim Kanton, auf die neuesten kantonalen Zählungen und Auswertungen von Biberspuren. Diese werden in der aktuellen Ausgabe des Magazins Umwelt Aargau vorgestellt. Im ganzen Kanton wurden 2018 113 Biberreviere gezählt. Im Vergleich zur letzten Zählung 2013 sind das 36 Reviere mehr. Drei dieser neuen Reviere liegen an der Bünz: bei Möriken-Wildegg, Dottikon und Bünzen. Das sei kein Zufall: «Die Zunahme erfolgte vorwiegend in der südlichen Kantonshälfte, besonders an der Reuss», wird im Bericht festgehalten. Dort wurden total elf (2013: acht) Biberfamilien und neun (fünf) Einzeltiere beziehungsweise Paare ohne Nachwuchs gezählt. Grund dafür, dass sich die Biber vor allem im Süden ausbreiten, «dürfte in der Aussetzungsgeschichte liegen. Die Wiederbesiedlung nach den Aussetzungen vor über fünfzig Jahren erfolgte vom Norden her über Rhein und Aare. Im Süden besteht offenbar immer noch ein gewisses Ausbreitungspotenzial mit geeigneten Lebensräumen, die noch nicht vom Biber besiedelt sind.» Auffallend sei die Besiedlung von sehr kleinen Gewässern und Weihern – wie der Bünz.

Biber gewöhnen sich schnell

So können sich also nicht nur Erich Probst und sein neugieriger Husky, sondern auch alle anderen Biberfreunde freuen, denn vielleicht nimmt die Population des bedrohten Nagers im Freiamt bald noch weiter zu. Doch nicht jeder freut sich über die Biber. Vor allem an kleineren Gewässern, wo das genutzte Kulturland nahe am Gewässer liegt, könne es zu Konflikten kommen. Hier schreibt der Kanton schön und doch deutlich: «Die Biber können sich mit vielem arrangieren und auf Veränderungen gut reagieren. Wir Menschen brauchen mehr Zeit, um uns wieder an lange abwesende Tiere und ihr Verhalten zu gewöhnen.» In Konfliktsituationen sollten vor allem gemeinsame Lösungen gesucht werden.

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