Muri
Auf dem Papier steht das Schulhaus schon: «Wir sind einen Schritt voraus»

Eine Machbarkeitsstudie von Studienabsolventen zeigt die Möglichkeiten auf und spart der Gemeinde viel Geld.

Eddy Schambron
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Heinz Fischlin, Leiter Bau und Planung Muri, zeigt, wo das neue Unterstufenschulhaus der Gemeinde Muri hinkommen wird – in unmittelbare Nähe des Kindergartens Dorf. Eddy Schambron

Heinz Fischlin, Leiter Bau und Planung Muri, zeigt, wo das neue Unterstufenschulhaus der Gemeinde Muri hinkommen wird – in unmittelbare Nähe des Kindergartens Dorf. Eddy Schambron

Eddy Schambron

Muri wird in einigen Jahren ein neues Schulhaus bauen müssen. Jetzt liegen Machbarkeitsstudien für ein solches im Dorf auf dem Tisch. Sie kostet der Gemeinde gerade einmal eine Diplomreise für 35 studierte Techniker HF der IBZ Schulen Aarau, schafft aber eine hervorragende Grundlage für die spätere Realisierung der Schulanlage. Möglich wurde das, weil der Leiter Bau und Planung, Heinz Fischlin, in seiner Freizeit seit 25 Jahren als Dozent Studierende der IBZ Schulen unterrichtet. «Anstatt eine theoretische Diplomarbeit zu verlangen, stellten wir eine konkrete, realistische Aufgabe – eben die Machbarkeitsstudie für die Schaffung von Schulraum in Muri», sagt Fischlin. Die Resultate sind so gut – «die besten, die ich in den letzten 25 Jahren gesehen habe» –, dass die IBZ Schulen für Technik, Informatik und Wirtschaft ihre Abschlussarbeiten in dieser Form mit anderen Gemeinden weitermachen.

Bis ins Detail

Die Studierenden haben mit ihren Diplomarbeiten niemandem Arbeit und Verdienst weggenommen. Aber sie haben der Gemeinde sozusagen für ein Trinkgeld einen Vorsprung für die Schulraumplanung verschafft. «Bisher haben wir immer nur reagiert, haben erweitert oder angebaut. Jetzt sind wir der zu erwartenden Entwicklung einen Schritt voraus.»

Die Aufgabe beinhaltete nichts weniger als eine Machbarkeitsstudie für einen Neubau Schulhaus Dorf mit einer Einfachturnhalle auf Stufe Baugesuch mit Grundrissen und Schnitten sowie einfachen Visualisierungen. Energienachweise, Umgebungs- und Bepflanzungsplan gehörten genauso dazu wie Spiel- und Parkplatzlösungen. Der Technische Bericht hatte von der Planung bis zur Inbetriebnahme respektive Abgabe des fertigen Werks an den Bauherrn alle Details zu enthalten. Es galt zudem, einen Kostenvoranschlag sowie ein vollständiges Unterhaltskonzept für den Bauherrn zu erstellen und ein grobes Terminprogramm von der Planung bis zur Inbetriebnahme der neuen Anlage zu erfassen. «Die Studien bieten jetzt eine hervorragende Grundlage für die Architektensubmission», freut sich Heinz Fischlin. Die Kosten für ein Schulhaus mit sechs bis acht Zimmern sowie Nebenräumen, Spielplatz und Umgebungsgestaltung liegen ungefähr bei zehn Millionen Franken.

Sehr hohes Niveau

Die Diplomanden haben für ihre Abschlussarbeiten zwischen 300 und 350 Stunden aufgewendet, weiss Fischlin. Die Arbeiten wurden von der Arbeitsgruppe Schulraumplanung, der Schulpflege und Vertretern des Gemeinderates bewertet und daraus je ein Siegerprojekt für ein Schulhaus mit sechs oder acht Zimmern beziehungsweise vier oder sechs Zimmern erkoren. Alle Diplomarbeiten liegen elektronisch vor, diese Daten stehen zur Nutzung jedoch nur der Gemeinde Muri zu. «Eine Machbarkeitsstudie dieser Art schlägt sonst mit 120 000 bis 180 000 Franken zu Buche», macht Fischlin klar. Die Gemeinde Muri kosten die Resultate gerade einmal 20 000 Franken für eine Abschluss- und Studienreise der Diplomklasse Bau SS 2016 nach Berlin. Was Fischlin aber mindestens ebenso freut, ist die Tatsache, dass die Arbeiten auf einem sehr hohen Niveau liegen. «Vielleicht liegt es daran, dass die Studierenden ein konkretes Anliegen zur Bearbeitung erhalten haben, das früher oder später zur Umsetzung gelangt.» Jedenfalls hat sich diese Möglichkeit bei den Gemeinden herumgesprochen. «Die Schule hat bereits mehrere Anfragen, als Nächstes ist Burgdorf dran mit einem Hochbau in der Altstadt.»

Die IBZ Schulen für Technik, Informatik und Wirtschaft bieten berufsbegleitende Studiengänge im technischen Bereich an und sind an acht Standorten in der Schweiz vertreten. Insgesamt
77 Diplomanden – Absolventen aus den Bereichen Bau- und Gebäudetechnik, Betriebstechnik, Logistik, Maschinenbau sowie Informatik – stellten kürzlich in Aarau ihre Diplomarbeiten vor, darunter auch das neue Schulhaus Muri.