Muri
Auf dem katholischen Kirchendach wird kein Solarstrom produziert

Die Kirchenpflege verschiebt Photovoltaik-Projekt auf unbestimmte Zeit, weil die Rahmenbedingungen schlecht sind. Damit wird auf dem Dach der katholischen Pfarrkirche St. Goar in Muri kein Solarstrom produziert.

Eddy Schambron
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Das Dach der Kirche St. Goar wäre ideal ausgerichtet, aber die Photovoltaikanlage kommt vorerst nicht. ES

Das Dach der Kirche St. Goar wäre ideal ausgerichtet, aber die Photovoltaikanlage kommt vorerst nicht. ES

In naher und vielleicht auch in ferner Zukunft wird auf dem Dach der katholischen Pfarrkirche St. Goar in Muri kein Solarstrom produziert.

Fehlende Beiträge aus der Kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) und mangelnde Unterstützung durch Bund und Kanton haben die Kirchenpflege dazu bewogen, die vor einem knappen Jahr mit viel Enthusiasmus lancierte Idee auf die lange Bank zu schieben. Dabei stehen die Kirchgemeindemitglieder ziemlich geschlossen hinter dem Vorhaben.

Gegen Solaranlagen auf historischen Gebäuden

Für Reto Nussbaumer, Aargauer Denkmalpfleger, ist klar: Das Erscheinungsbild von historischen Gebäuden darf nicht mit Solaranlagen beeinträchtigt werden. «Das Kulturgesetz sieht vor, dass die historischen Gebäude in ihrer Authentizität und in ihrer Substanz erhalten werden müssen. Dabei handelt es sich aber um weniger als ein halbes Prozent aller Bauten im Aargau», sagte er in einem Interview in der Aargauer Zeitung am 30. August 2011. Auch ein Dorfbild habe einen hohen Wert an Identität, bedeute Heimat. «Das historische Ortsbild einer Gemeinde ist auch ein Standortfaktor.» Es gebe einen genügenden Bestand an Haus- und Hallendächern, wo man Solaranlagen bauen könne. Gegen den Vorwurf, der Aargau verhindere Solaranlagen, statt sie zu fördern, wehrte er sich: «Sowohl meine Kollegen vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt als auch die Denkmalpflege haben schon einer Vielzahl von Anlagen zugestimmt.» (es)

95 Prozent dafür

«Aufgeschoben ist nicht aufgehoben», tröstet sich Kirchenpflegepräsident Thomas Suter. Er wird an der Kirchgemeindeversammlung vom 19.November darüber informieren müssen, dass es auch grundsätzliche Widerstände gegen Fotovoltaikanlagen auf Kirchendächern gibt.

Dabei war der Start durchaus vielversprechend: Eine Umfrage zur Solaranlage auf dem Kirchendach, die der Seelsorgeverband Muri-Aristau-Beinwil an der Gewerbeausstellung Muri im letzten Jahr gestartet hatte, zeigte 95 Prozent befürwortende und nur 5 Prozent ablehnenden Antworten.

Dieses Verhältnis war beim Beschluss der Kirchgemeindeversammlung, das Projekt weiter zu verfolgen, genau gleich: 95 Versammlungsteilnehmer stimmten zu, fünf waren dagegen.

Mit der Photovoltaikanlage auf dem Süddach der nicht denkmalgeschützten Kirche könnten jährlich 50000 Kilowattstunden Strom produziert werden, was dem Verbrauch von rund 15 haushalten entspricht. Die Solarpanels wären, so wurde versprochen, aus der Entfernung kaum sichtbar, weil sie matt und von Rand zu Rand auf dem Dach installiert würden.

Aber Solaranlagen auf Kirchendächern sind umstritten. An einer Baufachtagung der Aargauer Landeskirchen in Rupperswil zeigte sich auch der kantonale Denkmalpfleger Reto Nussbaumer ablehnend. Solaranlagen gehörten nicht auf Kirchendächer, sondern in die Industriezone oder auf Nachbarsgebäude, die sich dafür eignen.

Die Aargauer Landeskirchen, überzeugt davon, einen Beitrag zur Energieeinsparung leisten zu müssen, setzen deshalb verstärkt auf eine Senkung des Energieverbrauchs in ihren Kirchen und Gebäuden.

Die römisch-katholische Landeskirche unterstützt beispielsweise Pfarreien und Kirchgemeinden dabei, über direkte oder indirekte Massnahmen Energie zu sparen. «Selbstverständlich steht das Einsparen von Energie auch bei uns an erster Stelle», führt Suter aus.

«Wenn es bei unseren Immobilien zu baulichen Veränderungen kommt, werden auch energetische Optimierungen vorgenommen.» Die Stromproduktion auf dem Kirchendach wäre aber seiner Ansicht nach ebenso ein zeitgemässer Beitrag an die Energiewende.