«Kinder sind laut, zappelig und meistens schmutzig – sie haben keine Ahnung, was wirklich wichtig ist.» Es ist die skrupellose Tante Esther, die spricht. Dass sie unrecht hat, beweisen die zwölf Kinder und Jugendlichen der Bühnenstürmer Bünzen: Konzentriert und mit viel Eifer präsentierte die Jugendtheatergruppe am Sonntagnachmittag ihr neues Stück «Herr der Diebe».

Märchenhaft und nachdenklich

«Wir wollten eine Geschichte, die nicht nur für Kinder ist», begründete Leiterin Luisa Schwitter die Wahl des Stücks. Mit dem Kinderbuch-Welterfolg von Cornelia Funke hat sich die Theatergruppe für ein märchenhaftes und zugleich nachdenkliches Werk entschieden: Die Kinderbande um Scipio, dem Herrn der Diebe, wohnt in einem alten Kino in Venedig und bringt sich mit Diebstählen über die Runden. Dazu gehören auch die Brüder Prosper und Bo, die vor ihrer bösartigen Tante Esther geflohen sind. Als Scipio einen wertvollen Flügel stehlen soll, wittern die Kinder das grosse Geld. Doch plötzlich ist nicht nur ein Detektiv hinter Prosper und Bo her, sondern Scipio entpuppt sich auch noch als reiches Herrensöhnchen. Und dann entdeckt die Bande das sagenumwobene Karussell, auf dem Erwachsene zu Kindern und Kinder zu Erwachsenen werden.

Überzeugende Jungschauspieler

«Wir mussten den Text anpassen», erzählte Leiterin Schwitter. Funkes Original zählt rund 400 Seiten. Auch die Drehbuchfassung musste gekürzt werden.

Dem Stück tat dies keinen Abbruch: Die Handlung bleibt verständlich, die Geschichte spannend. Doch waren es vor allem die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler, die dem Theater Dynamik verliehen: Glaubhaft und mit viel Charme hauchten sie ihren Figuren Leben ein. So überzeugten beispielsweise Gabriel Roos (Scipio) und Severin Römer (Prosper) als aufrichtige Jungs im Zwiespalt von Verantwortung und Schalk. Da das Stück nicht eindeutig in Haupt- und Nebenfiguren unterteilt war, hatte jeder Bühnencharakter seine Wichtigkeit und alle Spieler waren häufig zu sehen.

Mühe bereitete der Gruppe hingegen der Bühnenumbau: Das Verschieben der Elemente wirkte umständlich und so zog sich der Wechsel der Kulissen in die Länge.

Viel Spracharbeit nötig

Hinter dem Projekt stehen das Leiterteam Luisa und Alina Schwitter, Ramona Kleiner und Cyrill Schelker, der selbst in einer Rolle auf der Bühne zu sehen war. «Seit Februar proben wir», sagte Luisa Schwitter und zeigte damit auf, wie gross der Aufwand hinter dem Theater ist. «Nebst Regiearbeit war viel Spracharbeit nötig», so Schwitter.

Besonders erfrischend sind die Szenen, in denen sich Ernst und Situationskomik vermischen: Beispielsweise als die Kinder in Signoras Villa einbrechen und diese plötzlich im Nachthemd und mit Schrotflinte vor ihnen steht. Oder als Bo mit seiner herzlosen Tante zum Mittagessen muss und kurzerhand das Tischtuch vom Tisch reisst. Und schliesslich wie Scipio beschliesst, auf das magische Karussell zu steigen – um ein Erwachsener zu werden.

Weitere Aufführungen: Samstag, 8. Dezember, um 19 Uhr und Sonntag, 9. Dezember, um 15 Uhr in der Mehrzweckhalle Bünzen. Eintritt frei, Kollekte