ÖV-Netz
Auch nach mehreren Jahren noch immer schlecht eingebunden: Die S25 – das unerwünschte Stiefkind

Kein Anschluss: Die S-Bahn-Linie zwischen Muri und Brugg ist auch nach vier Jahren noch schlecht ins Freiämter ÖV-Netz eingebunden.

Pascal Bruhin
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Die S-Bahn-Linie 25 von Muri nach Brugg ist im Freiämter ÖV-Netz nie richtig angekommen – direkte Busanschlüsse sind fast überall nicht gegeben.

Die S-Bahn-Linie 25 von Muri nach Brugg ist im Freiämter ÖV-Netz nie richtig angekommen – direkte Busanschlüsse sind fast überall nicht gegeben.

Pascal Bruhin

Zum Fahrplanwechsel 2016/17 wurde sie mit viel Pomp und Furore eingeweiht, die S-Bahn-Linie 25 zwischen Muri und Brugg. Die neue Verbindung sollte das Freiamt näher an das Bildungszentrum Brugg-Windisch bringen. Nach vier Jahren macht sich jedoch Ernüchterung breit. Wer mit dem öffentlichen Verkehr aus dem Freiamt nach Brugg reisen will, muss lange Wartezeiten in Kauf nehmen.

Direkte Busanschlüsse sind an keinem der Bahnhöfe Muri, Wohlen, Dottikon-Dintikon und Hendschiken gewährleistet, in Boswil-Bünzen hält die S25 erst gar nicht und auch Anschluss an Aargau Verkehr (ehemals BDWM) in Wohlen gibt es nicht. Wartezeiten von einer halben Stunde oder mehr sind die Regel, wie in Wohlen, wo die S25 um xx.50 ankommt, gleichzeitig aber Postauto-Linien und die S17 losfahren. Die nächsten Busse fahren xx.20 oder gar eine volle Stunde später.

Hägglinger Gemeinderat fände Anpassung möglich und nötig

Am Bahnhof Dottikon-Dintikon zeigt sich die Situation noch abstruser: Die S25 fährt dort xx.46 ein. Eine Minute davor fahren aber die Busse der Linie 346 nach Hägglingen oder Dintikon-Villmergen los. Wer also von Brugg nach Hägglingen reist, wartet 59 Minuten am Bahnhof Dottikon (respektive 29 Minuten in den Stosszeiten mit Zusatzbussen) oder wählt den Reiseweg über Lenzburg.

Für den Hägglinger Gemeinderat Peter Wyss ist die Situation unbefriedigend: «Für uns ist die Anbindung von der S25 stossend. Der Umstand, dass Hägglingen die Endstation der Linie 346 ist, würde es möglich machen, die S25 abzuwarten.»

Bereits 2018 hat er das Anliegen, das aus der Bevölkerung kam, an die Postauto AG herangetragen. Er setzte sich dafür ein, dass zumindest zu den Stosszeiten eine direkte Verbindung zur S25 gewährleistet ist. Bislang ohne Erfolg. Postauto monierte damals, dass sich damit die Fahrzeit für Reisende nach Lenzburg und Aarau verlängern würde. «Es geht dabei um drei Minuten», sagt Wyss.

«Es ist eine leidige Sache», sagt auch Fredy Zobrist, Präsident der Kommission ÖV Freiamt. Jahr für Jahr setzt sich die Kommission im Regionalplanungsverband für eine Verbesserung der Anschlusssituation der S25 ein. «Das Problem ist, dass das Bussystem auf die S26 angepasst ist», sagt er.

Vorgeschlagen hat die Kommission etwa einen Halbstundentakt. Dafür bräuchte es aber die Schlaufe in Mägenwil sowie den Halbstundentakt der S11 ­(Zürich–Aarau), hiess es. Der Halbstundentakt der S11 wird mit dem Fahrplanwechsel im Dezember eingeführt, die Schlaufe in Mägenwil ist im Bau. Für die S25 änderte sich nichts.

Kanton sagt, Anpassungen bei Bus und Bahn seien nicht möglich

Jürg Bitterli, Projektleiter öffentlicher Verkehr beim kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt, macht wenig Hoffnung, dass sich die Einbettung der S25 bald ändern wird. Durch die von der S26, der S42 und dem Güterverkehr stark frequentierten Bahntrassen zwischen Lenzburg und Rotkreuz sei eine Fahrplananpassung der S25 nicht möglich. Auch die Busanbindungen könne man nicht ändern, der Kanton hätte das umfassend geprüft.

«Die S25 war keine Wunschlinie», sagt er. Eingeführt wurde die S25 im Jahr 2016, um den Halbstundentakt zwischen Brugg und dem Birrfeld aufrechtzuerhalten. Da die Linie S23 aufgrund des erhöhten Verkehrsaufkommens auf der Heitersberglinie nur noch stündlich verkehren konnte.

Dass die Linie bis ins Freiamt verlängert wurde, war ein Angebot der SBB, um mit Umstieg in Hendschiken eine Verbindung nach Lenzburg zu bieten. Der Kanton klärte damals ab, wie weit ins Freiamt die S25 fahren könnte. Die SBB sicherten eine Verbindung bis nach Muri zu, aber ohne Halt in Boswil-Bünzen. Bereits jetzt ist die Wendung in Muri mit drei Minuten sehr knapp bemessen.

Umstieg in Othmarsingen mit Anschluss nach Zürich

«Mittelfristig soll sich die Situation verbessern», sagt Bitterli. Geplant ist, dass die S25 nicht mehr durchgängig von Muri nach Brugg fährt, sondern die ­Linie in Othmarsingen gebrochen wird. So wäre auch ein Anschluss an die S11 gegeben.

Dazu müsse allerdings erst in Othmarsingen ein Stellwerk erneuert werden. Wann dies der Fall sein wird, ist unklar. Mit dem Fahrplanwechsel 2020/21 ändert sich für die S25 nichts. Bis auf weiteres werden Pendler aus den Freiämter Dörfern also weiterhin umständlich von und nach Brugg reisen. «Wer auf den ÖV angewiesen ist, wohnt nicht in einem Dorf wie Hägglingen», meint Bitterli und rät: «Oder man fährt mit dem Velo zum Bahnhof.»

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