Der Säger Martin Köchli schaut genau hin und gibt dem Sägeblatt in der historischen Wyssebacher Sagi bei Boswil nur den minimalsten Vorschub. Für die Vorführungen zum Schweizer Mühlentag hat er einen sicher 100-jährigen, mächtigen Nussbaumstamm auf das mit Wasserkraft angetriebene Sägewerk gelegt. «Viele Nussbäume hat es 1956 verrissen», weiss er aus Erzählungen. 

Damals, am 28. Januar, lag die Temperatur bei 8 Grad und die Bäume waren bereits im Saft. An Lichtmess, am 2. Februar am Morgen, zeigte das Thermometer minus 29 Grad. Das hatte Auswirkungen im Holz, die erst beim Sägen zum Vorschein kommen können. «Dieser Baum stand in Meisterschwanden am See, vielleicht war es da milder», hofft er und beobachtet das Sägeblatt genau.

Nationales Kulturgut

Die Wyssebacher Sagi ist ein Kulturgut von nationaler Bedeutung und steht unter Denkmalschutz. Ihre Geschichte reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück. Anlagen wie sie hatten über Jahrhunderte eine wichtige Bedeutung für die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Lebendigkeit des ländlichen Raumes. Mit lokalen Ressourcen lokale Bedürfnisse abzudecken war in Zeiten beschränkter Mobilität eine schon fast überlebenswichtige Strategie.

So sind noch in den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts in den Buchhaltungen der Betreiberfamilie bis zu 120 Kunden aufgeführt, welche die Dienste der Sagi als Schnittholzkäufer in Anspruch nahmen oder als Kunden, die eigenes Holz im Lohn verarbeiten liessen.

Wassermenge klar geregelt

Der Wasserbezug, welcher über einen Kanal auf das mächtige Wasserrad fliesst und damit die Säge antreibt, ist begrenzt auf 20 Sekundenliter. «1935 erkämpfte sich mein Vater einen Obergerichtsentscheid, dass er für die Wassermühle und das Sägewerk den ganzen Bach nutzen darf», weiss Köchli. Schon damals machten die Fischer der Sägereibesitzerfamilie das Wasser streitig.

Heute ist längst klar geregelt, wie viel Restwassermenge im Teich oberhalb der Sagi verbleiben muss. «Im Normalfall könnte man zweimal drei Stunden pro Tag sägen», sagt Köchli. Auch heute noch sägt er im Auftrag, die Sagi ist also nicht bloss ein Museum.

Die Säge gehört dem Verein Wyssebacher Sagi, der gut 100 Mitglieder zählt. «Wir sind gut aufgestellt», sagt Präsident Robert Häfner. Vor 20 Jahren ging es darum, die Sägerei zu retten, wieder in Betrieb zu setzen und in die Zukunft zu führen. «Jetzt sind wir etabliert, was zwar schön ist, aber die Gefahr beinhaltet, träge zu werden.»

Vorführungen, wie am Mühlentag, sind gute Gelegenheiten, die Leute auf das historische Werk und auch den Verein aufmerksam zu machen. «Die Leute sind jeweils begeistert von der Technik, die schon damals beeindruckend.»