Reusstal
Auch gegen die Verlegung der Hochspannungsleitung unter die Erde regt sich Kritik

Die Leitung soll unter- und nicht oberirdisch geführt werden, so viele Stimmen. Das sehen nicht alle so: SVP-Grossrat Walter Stierli hat Bedenken bezüglich der Leitung unter der Erde.

Fabio Vonarburg
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Alle brauchen Strom, aber niemand will die Leitungen.

Alle brauchen Strom, aber niemand will die Leitungen.

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Die geplante Hochspannungsleitung zwischen Niederwil und Obfelden soll in den Boden. Noch selten trat das gesamte Reusstal so geeint auf wie in der Debatte um die Hochspannungsleitung. Die Region wehrt sich damit gegen den derzeitigen Plan des Bundes und des Stromnetzbetreibers Swissgrid, die vorsehen, den grössten Teil der 17,3 Kilometer langen 380-Kilovolt-Leitung oberirdisch zu führen. Vor zwei Wochen wurde bekannt, dass die Gegner der Freileitung einen wichtigen Unterstützer gewinnen konnten: Auch der Aargauer Regierungsrat spricht sich für eine unterirdische Leitung aus.

Problem nicht mit noch grösserem Problem lösen

Einem Reusstaler wird die ganze Diskussion aber zu unkritisch geführt. SVP-Grossrat Walter Stierli, Landwirt in Fischbach-Göslikon, hat Bedenken bezüglich einer Erdverkabelung und darum im Grossen Rat einen Vorstoss eingereicht. Seine Befürchtung fasst er im Gespräch wie folgt zusammen: «Man kann doch nicht ein Problem lösen, indem man ein noch grösseres verursacht.» Denn wenn die Erdverkabelung nach der SIA-Norm erstellt werde wie in Riniken, so sei dies mit erheblichen Nachteilen verbunden, schreibt der Politiker im Vorstoss.

«Wenn der ganze Kabelblock in Beton gegossen wird, braucht es für diese Strecke von 17,3km mindestens 50'000 Kubikmeter Beton.» Die Folge sei, dass das Regenwasser auf dieser Fläche nicht versickern und die Wurzeln der Pflanzen nicht mehr tief in den Boden eindringen könnten. «Weiter würde für diese Erstellungsart der Erdverkabelung während der Bauphase ein Trassee von rund 25 Meter Breite beansprucht.» In seinem Vorstoss stellt er dem Regierungsrat die Frage, ob ihm bewusst sei, wie viel Land im Zuge einer Erdverkabelung betoniert werde.

Er sei nicht grundsätzlich gegen eine Erdverkabelung, betont Walter Stierli, nur gegen die Unmengen Beton im Boden und den damit verbundenen massiven Abtransport von Erdmaterial. Der Grossrat schlägt zur Betonierung eine Alternative vor: Der vorhandene Aushub solle mit einer mobilen Anlage ausgesiebt werden, um dadurch die Kunststoffrohre im Boden und damit auch die 380-Kilovolt-Leitung vor Beschädigungen zu schützen. Doch hierfür gibt es eine Hürde: «Dazu müssen die Baunormen (SIA-Norm) entsprechend geändert werden», sagt Walter Stierli.