Wenn ein höchst motiviertes und erfolgreiches Musikkorps wie die Brass Band Musikgesellschaft Oberrüti (MGO) sich Knall auf Fall von seinem bewährten Dirigenten verabschieden, aufgrund von Ausfällen in den eigenen Reihen diverse Instrumente neu- respektive umbesetzen und schliesslich noch ein ganzes Vereinsjahr organisieren muss, dann steht die Musikantenwelt doch ziemlich auf dem Kopf.

Aber die Oberrüter wären nicht die Oberrüter, wenn sie vor solchen Herausforderungen kapitulieren würden. Nachdem Daniel Haus, ihr langjähriger Dirigent, kurz vor dem Kantonalen Musikfest in Laufenburg «Forfait erklären musste», wie es MGO-Präsident Andreas Fankhauser in der Medienkonferenz während der Konzertpause ausdrückte, machte sich die Band auf die Suche nach Projektdirigenten, die mit ihr die noch bevorstehenden Konzerte meistern würden.

Zapfenstreich ist Auftakt

Der erste Grosserfolg gelang unter der Leitung von Michael Bach, als die MGO am Kantonalen zum vierten Mal in Folge den ersten Platz in der ersten Stärkeklasse Brass Band erspielte. Den zweiten Grosserfolg erreichten die Oberfreiämter Musikanten am Sonntagabend, als die MGO das erste von insgesamt drei Jahreskonzerten in der voll besetzten Mehrzweckhalle Oberrüti spielte. Am Dirigentenpult stand diesmal der aus Dietwil stammende Peter Stadelmann. Er hat mit den 33 Bläsern und Perkussionisten der Band in gerade mal 13 Proben und einem Probewochenende ein Programm einstudiert, das sich nicht nur hören, sondern auch sehen lassen konnte.

Den besonderen Umständen des Vereinsjahres 2018 trug die Musikkommission mit dem Motto «z’onderobsi» Rechnung. Sie liessen das Konzert mit dem Ende, dem Zapfenstreich, beginnen. Durch das Programm führte kein Conférencier, sondern eine Powerpointpräsentation, welche die thematische Auswahl der Stücke für die Zuschauer in Worten und Bildern nachvollziehbar machte. Mit der kopfüber hängenden Fledermaus von Johann Strauss bewies die MGO dann gleich, wie verdient der erste Platz in Laufenburg war. Jedes Register kam auf seine Rechnung. Der Operettenkönig lässt keinen Musikanten ungeschoren davonkommen, vom Es-Cornet bis zum B-Bass. Sie meisterten die leicht klingenden und schwer zu spielenden Melodien virtuos, wenn auch mit etwas harter Dynamik. Bis zum Ende des Konzerts und mit dem virtuos-vielschichtigen «Where Eagles Sing» von Brass-Komponist Paul Lovatt-Cooper zeigte das Korps mit Hühnerhauteffekt, wie breit sein dynamisches Spektrum tatsächlich ist.

Stillsitzen fällt schwer

Wenn sich die Begleitung in «The Ludlows» am kommenden Freitag und Samstag noch etwas zurücknimmt, dann können die wunderschönen Soli von Flügelhorn (Devin Niederberger), Cornet (Pascal Meier), Euphonium (Ueli Weingartner) und Es-Horn (Markus Nietlispach) ihren vollen Zauber entfalten. Es bleiben noch genug Gelegenheiten, um die strahlenden Tutti und mächtigen Fortissimi des Programms auszuspielen. Wenn dazu dann noch vier golden gewandete Tänzerinnen aus dem Damenturnverein Oberrüti, zu den Klängen von «Y.M.C.A.» die Bühne rocken, dann fällt das Stillsitzen schwer.

Das Motto dieses Jahreskonzertes erlaubt absolut einen Stilmix, bei dem Hip-Hop, Operette, Film- und Marschmusik, Pop und jüdisches Volkslied aufeinandertreffen. Nicht jedes Arrangement ist gleich geglückt. Aber die Spielfreude und die Lust am Unterhalten, die sind den Musikanten anzumerken und die springen unwiderstehlich aufs Publikum über.