Wohlen
Auch die Politik kann einfach verständlich und spannend sein

In Wohlen stellten Schüler der kantonalen Schule für Berufsbildung (KSB) den Grossratskandidaten aus der Region intelligente und kritische Fragen.

Andrea Weibel
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Schüler der kantonalen Schule für Berufsbildung stellten den Grossratskandidaten intelligente und kritische Fragen
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Genc Berisha, 15, Neuenhof «Ich habe bei dem Podium viel über die verschiedenen Parteien gelernt, das war recht spannend. Ich kann noch nicht wählen, aber wenn ich es könnte, würde ich Thomas Leitch (SP) wählen. Mir ist es wichtig, dass die Politiker auch Verständnis für andere Kulturen haben, und das hat er.»
Martin Mancina, 15, Neuenhof «Ich dachte, das Podiumsgespräch der Politiker werde viel langweiliger, dabei war es recht spannend. Ich kann leider noch nicht wählen, aber ich hätte Thomas Leitch (SP) und Monika Küng (Grüne) gewählt. Sobald ich 18 bin, werde ich aber sicher auch wählen gehen.»
Andrea Serratore, 18, Dottikon «Ich gehe nicht wählen. Ich habe die ganze Wahl-Debatte gar nicht verfolgt. Erst seit wir in der Schule über Politik sprechen, weiss ich von den Grossratswahlen. Jetzt bin ich schon interessiert. Spannend ist vor allem, welche Partei sich für was einsetzt.»
Baris Isik, 19, Neuenhof «Gestern habe ich meine Post aufgemacht, in der die Wahlpapiere drin waren. Ich habe das ganze Zeug gleich ins Altpapier geworfen. Ich war einfach zu faul, das alles durch-zulesen. Und wenn ich es nicht lese, dann kann ich mir ja keine Meinung bilden.»
Eduardo Fracassi, 19, Lenzburg «Ich weiss noch nicht, ob ich wählen gehen werde. Wahrscheinlich eher nicht. Ich verfolge die Politik nicht so stark, habe aber zu gewissen Themen meine eigene Meinung. Dass das Schweizer Militär zum Beispiel neue Kampfjets anschaffen möchte, finde ich absolut überflüssig.»
Amata Laotaye, 18, Wohlen «Vor einer Woche bin ich wählen gegangen. Ich habe mich für die SP entschieden. Die sind meiner Meinung nach am ausländerfreundlichsten. Mein Cousin hat mich davon überzeugt, meine Chance zu nutzen und wählen zu gehen. Ab jetzt werde ich wahrscheinlich immer wählen.»

Schüler der kantonalen Schule für Berufsbildung stellten den Grossratskandidaten intelligente und kritische Fragen

(LIS)

«Ich dachte immer, Politik sei langweilig», sagte Martin Mancina (15), der die kantonale Schule für Berufsbildung (ksb) in Wohlen besucht, nach der Podiumsdiskussion am Donnerstag. Genauso dachten viele seiner Schulkameraden. Um das zu ändern, organisiert die Schule seit 2008 jährlich ein Politpodium, um den Schülern live zeigen zu können, dass sie da vollkommen falsch liegen.

Diesmal diskutierten fünf Grossratskandidaten aus der Region verschiedene Themen, die auch den Schülern sicht- und hörbar am Herzen lagen, darunter den Atomausstieg und die Asylproblematik.

Politik für Anfänger

«Es war etwas knapp, die Schüler hatten am Montag einen Crashkurs in Politik, viele kennen sich da noch nicht so aus», sagte Oliver Hofmann, Teamleiter der ksb. «Darum habe ich die Podiumsteilnehmer gebeten, sich möglichst einfach auszudrücken.» Das schafften diese gut, sodass die rund 100 Schülerinnen und Schüler gespannt dem Schlagabtausch insbesondere zwischen Milly Stöckli (SVP) und deren «Lieblingsgegner» Thomas Leitch (SP) zuschauten.

AZ-Autor Hans Fahrländer führte im Eilzugstempo durch die Streitthemen, denn die Schülerinnen und Schüler sollten genügend Zeit für Fragen haben. «Herr Leitch, was halten Sie von Sprüchen wie ‹Sehen Sie schwarz für den Aargau?› auf den SVP-Wahlplakaten», wollte ein Schüler mit dunkler Hautfarbe wissen. «Das ist ganz einfach, ich finde sie unter jedem Hund», antwortete der SP-Vertreter aus Wohlen.

Stöckli schlichtete: «Jeder Bezirk wirbt für sich, im Bezirk Muri würden wir nie solche Plakate aufhängen.» Als sie anfügte, die Kollegen der SVP Bezirk Bremgarten brächten die Probleme mit den Plakaten auf den Punkt, erntete sie Buhrufe.

Lehrstellensuche nicht einfach

Weiter wollte ein Schüler mit Migrationshintergrund wissen, weshalb die SVP alle Ausländer in einen Topf werfe. «Das tun wir nicht», so Stöckli. «Wir sind auf gut ausgebildete ausländische Arbeitskräfte angewiesen und bieten echten Flüchtlingen auch Hand zur Integration.» Hier griff Monika Küng (Grüne) ein: «Die SVP hat verdammt viel Geld, um verdammt viel Werbung zu machen, um Fremdenhass zu schüren.» Das bestätigte ein Schüler: «Genau das ist es, was es uns nicht kriminellen Migranten so schwer macht, eine Lehrstelle zu finden.

Lehrmeister lesen unsere nicht-schweizerischen Namen und werfen die Bewerbung in den Abfalleimer.» Milly Stöckli riet den Jugendlichen, dass sie eben zeigen müssten, dass die Vorurteile nicht stimmen. Doch das sei sicherlich nicht immer leicht.

Cannabis interessierte die Schüler

Weitere Fragen aus dem Plenum betrafen die Legalisierung von Cannabis. Leitch und Küng sprachen sich für eine Legalisierung unter Berücksichtigung des Jugendschutzes aus. Felix Jenni (GLP) fand, dass eine Legalisierung Probleme lösen könnt, Cannabis aber dennoch als Einsteigerdroge gelte. Dem stimmte auch Corina Roeleven (CVP) zu. Lucia Ambühl (FDP) schloss sich mit ihrem «Ja» dem linken Lager an. Milly Stöckli erklärte ihr «Nein» damit, dass Cannabis einen länger «bedusle» als ein paar Gläser Alkohol. «Obwohl die gesundheitlichen Schäden bei beiden gleich schlimm sind», räumte sie ein.