Nach der allseitigen Betroffenheit über den Reaktor-GAU in Fukushima ist die AKW-Katastrophe inzwischen nicht nur geografisch wieder in weite Ferne gerückt. «Die Welt dreht sich immer schneller; wir nehmen tragische Ereignisse zur Kenntnis und vergessen sie wieder», sagte Moderator Matthias Hüppi. Und: «Nicht zuletzt die anstehenden Nationalratswahlen haben Fukushima aus unserem Blickwinkel verdrängt.»

Hüppi, bekannt als Sportmoderator des Schweizer Fernsehens, richtete seine Worte an über 150 Schülerinnen und Schüler der Kreisschule Mutschellen, die sich zur Podiumsdiskussion eingefunden hatten. Theres Lepori (CVP), Bettina Ochsner (FDP), Andreas Glarner (SVP), Irene Kälin (Grüne) und Rosmarie Groux (SP) sowie die Jungparteien (die JSVP fehlte) diskutierten vor versammelter Schülerschaft über aktuelle Themenbereiche in der nationalen Energiepolitik. «Heute könnt ihr Demokratie direkt mitverfolgen», sagte Schulleiter Ueli Zulauf. Er möchte die Schüler für ihre spätere Verantwortung als stimmberechtigte Bürger sensibilisieren: «Ich hoffe, ihr geht in wenigen Jahren an die Urne.»

Schüler melden sich zu Wort

Zum Kernthema avancierte die Frage nach der Zukunft der Atomenergie. Die Diskussion war geprägt vom Schatten, den die Geschehnisse in Japan auch auf westliche Nationen werfen. «Wo steht Fukushima auf der politischen Agenda?», fragte Hüppi die Politiker. SVP-Grossrat Andreas Glarner setzte sich gleich zu Beginn in die Nesseln: «Fukushima war doch bloss ein Medienhype», meinte er und hatte damit die Buh-Rufer auf seiner Seite. «Herr Glarner», antortete Sascha Winterberg von der JCVP prompt, «erzählen Sie doch nicht einen solchen Seich.»

Neben den Politikern kamen auch die Schüler zu Wort «Wie würdet ihr Energie sparen?», fragte Hüppi die Jugendlichen. Die Antworten reichten vom Verzicht auf elektrische Zahnbürsten bis zu nicht notwendigen Tumblern. Die Schüler scheuten sich nicht, mit den Parlamentariern direkt zu kommunizieren. Schulleiter Zulauf zeigte sich zufrieden.

Manche Antworten aus dem jungen Publikum quittierten die Grossräte aber nur mit müdem Kopfschütteln. «Den Grünen den Strom abstellen» war eine solche, oder «was in
Fukushima passiert ist, ist passiert, Hauptsache nicht bei uns». Da half auch Hüppis seufzendes «ja, dieses Thema ist komplex» nichts mehr.

Atomkraft spaltet die Meinungen

Bekanntlich spaltet die Frage, ob neue Atomkraftwerke nötig sind, die Parteienlandschaft. Die Fronten sind verhärtet, dagegen vermochte auch die kollegiale Vorstellungsrunde als Aufwärmübung nichts auszurichten. «Jetzt könnt ihr Politik erleben, wie sie im TV zu sehen ist», hatte Zulauf zu Beginn gesagt.

Mit einem «Arena»-Schlagabtausch konnte sich die Diskussion zwar nicht messen, doch vor allem Glarner brachte einige scharfe Voten an. «Wenn man die AKW abschaltet, dann haben am Ende nicht mal mehr die Spitäler genügend Strom. Da kann man sich ja gleich verabschieden», meinte er.

Zu einem gemeinsamen Schluss kamen die Politiker erwartungsgemäss nicht. Während Juso-Mitglied Fabian Höhener auf die langfristigen Gefahren des Atommülls hinwies, stellte das rechte Lager die AKW als unverzichtbare Energieproduzenten hin. Irène Kälin, Grossrätin der Grünen, wandte sich direkt an die Schülerinnen und Schüler: «Rund um uns sind erneuerbare Energien vorhanden. Wir können und müssen diese nutzen, um eine nachhaltige Energiepolitik führen zu können.»