Wohlen
Asylunterkunft: Wohlen fordert 24-Stunden-Bewachung und Zutrittskontrollen

80 Asylsuchende wird der Kanton in der Zivilschutzanlage der Kanti Wohlen unterbringen. Die Gemeinde hat der Notlösung zugestimmt, stellt aber Forderungen. Die SVP ist nicht glücklich über den Entscheid.

Toni Widmer und Dominic Kobelt
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«Man sollte das Thema rational beurteilen und nicht billige Polemik mit den Ängsten der Bevölkerung treiben», sagt Vizeammann Paul Huwiler zur laufenden Asyldebatte in Wohlen. Wie zu erwarten war, wird gegen die bevorstehende Einquartierung von 80 Asylbewerbern in der Zivilschutzunterkunft der Kanti Wohlen vor allem von der SVP Kritik laut.

Der Gemeinderat, erläutert Huwiler, sei vor einer Woche über das Vorhaben des kantonalen Sozialdienstes informiert und um einen Grundsatzentscheid gebeten worden: «Wir haben im Sinne einer Notlösung zugestimmt. Es gibt in diesem Bereich ein Problem und das muss gelöst werden. Dazu wollen wir Hand bieten. Selbstverständlich unter gewissen Voraussetzungen», sagt der Vizeammann.

Wohlen fordert vom Kanton ein verbindliches Sicherheitskonzept mit Bewachung und Betreuung rund um die Uhr ohne Belastung der Regionalpolizei sowie rigorose Zutrittskontrollen. «Es geht hier jedoch nicht um einen Dauerzustand», erklärt Paul Huwiler, «sondern um die Bewältigung eines Notstandes. Der Kanton hat uns versprochen, dass diese Unterkunft sofort wieder aufgehoben wird, sobald Alternativen für die Unterbringung der Asylbewerber vorhanden sind.»

Der Vizeammann appelliert auch dazu, die Verhältnismässigkeit zu wahren: «Mit den zusätzlichen 80 Leuten, die in die Zivilschutzanlage der Kanti kommen sollen, würden rund 150 Asylbewerber in der Gemeinde leben. Das ist ein Prozent der Wohnbevölkerung.»

SVP ist nicht happy

Wenig begeistert zeigt sich SVP-Einwohnerrat Jean-Pierre Gallati. In Wohlen seien bereits über 60 Asylsuchende untergebracht, das Quorum werde seit langem erfüllt. Anders gesagt: «Die SVP Wohlen ist nicht happy über die Unterbringung von neu zusätzlichen 80 Asylbewerbern», sagte Gallati gegenüber dem Regionaljournal SRF. Ob die SVP etwas gegen die Asylunterkunft unternehmen will, lässt Gallati offen.

Balz Bruder vom Departement Gesundheit und Soziales zeigt sich dankbar, dass die Gemeinde Wohlen Hand bietet. «Das ist kein Lippenbekenntnis, wir sind auf die Zusammenarbeit angewiesen. Das Unterbringungsproblem wird sich in naher Zukunft kaum entspannen.»

Bei den Rahmenbedingungen, die noch auszuarbeiten seien, gehe es einerseits darum, wie die Nutzungsdauer festgelegt wird, andererseits um das Sicherheitskonzept. «Das wird mit der Regionalpolizei angeschaut, die Zutrittskontrolle und die Überwachung der Anlage wird aber ein privater Sicherheitsdienst übernehmen.»

Sicher ist auch, dass es sich um eine temporäre Lösung handelt. Die Zivilschutzanlage der Kanti wird als erste Anlage geschlossen, sobald genügend Unterbringungsplätze zur Verfügung stehen. Deshalb hat Franz Widmer, Rektor der Kantonsschule Wohlen, auch kaum Bedenken. «Wichtig ist, dass die Leute 24 Stunden betreut sind. Die Asylbewerber können nicht immer in der unterirdischen Anlage sitzen.» Zwischen Asylunterkunft und Kantonsschule herrsche aber eine strikte Trennung.