Analyse
Asylsuchende in der Gops Muri: Wir wollen kein zweites Bettwil

150 Asylsuchende sollen in der Geschützten Operationsstelle (Gops) Mitte Oktober in Muri untergebracht werden. Die Analyse von Eddy Schambron, Redaktor Freiamt.

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Bettwil ist heute noch, vier Jahre nach dem Versuch, Asylsuchende in der Militäranlage unterzubringen, als Beispiel in Erinnerung, wie man sich politische Auseinandersetzungen nicht wünscht – mangelnde und ungeschickte Kommunikation durch Bund und Kanton einerseits, unverhältnismässige Kundgebungen und Proteste andererseits. Gehört hat man damals nur die Lauten. Viele, die die Unterbringung sachlicher beurteilten, blieben stumm. Vielleicht hat man daraus im Zusammenhang mit der geplanten Unterbringung von 150 Asylsuchenden in der Geschützten Operationsstelle (Gops) Mitte Oktober in Muri etwas gelernt.

Es ist angesichts des Elends der Flüchtlinge, darunter viele Frauen und Kinder, beschämend, wenn die SVP Bezirk Muri in ihrer «Petition gegen die Unterbringung von 150 bis 200 Asylbewerbern in der Gops Spital Muri» den Gemeinderat auffordert, «alle rechtlichen und politischen Möglichkeiten» zu ergreifen, um die Einquartierung der Asylbewerber zu verhindern. Das riecht nach «Bettwil». Genauso wie der Satz, dass man Verständnis habe, «dass Asylbewerber irgendwo untergebracht werden müssen», dies aber nicht «in diesem Umfang zulasten einzelner Gemeinden» gehen dürfe.

Private Personen stehen hin

Jetzt gibt es Menschen im Freiamt, die nicht schweigen, sondern bei dieser noch nie da gewesenen Notlage öffentlich an die Menschlichkeit und Solidarität appellieren. Es sind im Bezirk Muri bisher allerdings nicht die Christlichdemokraten, nicht die Freisinnigen und nicht die Sozialdemokraten, nicht einmal die offiziellen kirchlichen Organisationen – es sind private Personen. Sie tun dies nicht nur in den sozialen Medien, sondern auch in selbst bezahlten Inseraten in der Lokalpresse.

Im «Amtlichen Anzeiger» und im «Freiämter» machen gegen 100 namentlich genannte Unterzeichnerinnen und Unterzeichner einen «Aufruf zur Gelassenheit». In diesem Aufruf heisst es: «Angesichts der Notsituation möchten wir den 150 bis 200 Flüchtlingen gegenüber offen sein. Wie vorgesehen sollen sie vorübergehend in der Gops des Spitals Muri untergebracht werden. Wir unterstützen den Gemeinderat in seinen Bemühungen um pragmatische und menschenwürdige Lösungen.» Und in der gleichen Ausgabe ist ein privates Inserat geschaltet, das man mit seiner Unterschrift versehen kann: «Wir unterstützen den Gemeinderat Muri in der schwierigen Aufgabe, Schutz suchenden Menschen beizustehen. Wir stellen uns entschieden gegen ein Klima der Angst und Abschottung.»

Es geht nicht darum, ein schwerwiegendes (europäisches) Problem kleinzureden. Aber: Was sind 150 Asylsuchende in der Gops Muri, wenn in Italien in drei Tagen 5000 Flüchtlinge stranden und versorgt werden müssen oder wenn im Wiener Bahnhof Flüchtlingszüge mit 1600 Menschen mit nichts als Hunger und Verzweiflung ankommen?

Es geht auch um politische Kultur

Es geht aber auch um politische Kultur und den Umgang mit einer Krise. In Österreichs Hauptstadt demonstrierten 20 000 Menschen für einen besseren Umgang mit Flüchtlingen. Das müssen wir Freiämterinnen und Freiämter nicht tun. Aber das, was man von uns erwarten darf: die «logistische Herausforderung», wie Regierungsrätin Susanne Hochuli gestern in der az sagte, mit Menschlichkeit, einer gewissen Gelassenheit und Verhältnismässigkeit anzunehmen und zu bewältigen.