Eggenwil
Asiat macht die Eschen krank: «Ich nehme an, dass rund 90 Prozent absterben werden»

Ein eingeschleppter Pilz befällt Bäume und macht diese zum Sicherheitsrisiko. Der Revierförster Urs Huber sieht schwarz, denn im Wald im Gebiet Kelleramt und Zufikon musste er bereits 200 kranke Eschen abholzen.

Nora Güdemann
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Im kleinen Waldstück beim Junenbach wurden alle 20 kranken Eschen abgeholzt.

Im kleinen Waldstück beim Junenbach wurden alle 20 kranken Eschen abgeholzt.

Nora Güdemann

«Ich nehme an, dass rund 90 Prozent der Eschen absterben werden», sagt Revierförster Urs Huber und lässt seinen Blick über das kleine Waldstück am Eggenwiler Junenbach schweifen. Auch hier werden in diesen Tagen 20 Bäume gefällt, die vom asiatischen Pilz der Eschenwelke (siehe Box) befallen sind.

Eschentriebsterben: Der Pilz, der nur die europäischen Eschen befällt

Das Eschentriebsterben oder auch Eschenwelke genannt, ist eine schwere Baumkrankheit, die in der Schweiz das erste Mal 2008 entdeckt wurde. Verursacht wird sie durch einen aus Ostasien eingeschleppten Pilz (Hymenoscyphus fraxineus). Der Pilz befällt zuerst die Blätter der Esche, und es entwickeln sich braun bis orangefarbene Rindennekrosen, die schlussendlich zum Absterben der Triebe und des ganzen Baumes führen.

Der Pilz wurde wahrscheinlich Mitte der 1990er-Jahre mit Pflanzenmaterial nach Europa eingeschleppt. In Asien besiedelt H. fraxineus als harmloser Blattpilz die dort heimischen Eschenarten. Nur den europäischen Eschen fügt der Pilz erheblichen Schaden zu. Massnahmen gegen das Eschentriebsterben sind noch nicht bekannt. Auch verbreitet sich die Krankheit so schnell, dass die Existenz der Esche als wertvolle Baumart und grosser Bestandteil europäischer Wälder bedroht ist. (ngü)

Huber ist zuständig für rund 560 Hektaren Wald im Gebiet Kelleramt und Zufikon und erzählt, dass dort mehr als 200 kranke Eschen bereits abgeholzt werden mussten. «Ausländische Krankheitserreger, Pilze, Tiere und Pflanzen stellen uns immer wieder vor eine neue Herausforderung.»

Hohes Risiko durch fallende Äste

Vor sechs Jahren stellte der Förster fest, dass das Eschentriebsterben in den Freiämter Wäldern Einzug gehalten hat. Es sei nur noch eine Frage der Zeit gewesen, bis die sonst elastischen Triebe und Äste der Esche hart und morsch werden. «Vor allem in diesem Waldstück ist die Gefahr, die von den kranken Bäumen ausgeht, hoch», sagt Huber.

Rechts neben dem Junenbach liegt der Eggenwiler Friedhof, über dem die Eschen ihre inzwischen instabilen Zweige ausgebreitet haben. Und auf der linken Seite verläuft ein Pfad, der vor allem von Schulkindern rege genutzt wird. «Die Eschen sind zwar schön, gross und gehören zum Bild des Quartiers. Aber das Risiko, sie stehen zu lassen, darf man nicht eingehen. Jederzeit könnte ein Ast herunterfallen.»

Um die Gefahr einzudämmen, führt Revierförster Huber einen Sicherheitsholzschlag durch. Doch das Holzen im Junenbach-Tobel stellt sich als schwierig heraus. Um die umstehenden Bäume und Pflanzen durch das Fallen der Eschen nicht zu gefährden, muss Huber zuerst die Fallrichtung bestimmen. «Damit der Wald auch nicht aussieht wie ein Schlachtfeld, gehen wir nach dem Prinzip der geräumten Schlagräumung vor.» Das bedeute, dass Kleingeäst zuvor abgeholzt und verräumt werde.

Die Natur findet einen Weg

Die vom Pilz befallenen Eschen zeigen neben dem morschen Holz ein weiteres Krankheitsbild auf: «Die Kronen sind total ausgedünnt, da die Zweige absterben. Der Baum probiert dennoch, den Pilz zu bekämpfen, und bildet sogenannte Angsttriebe, die kerzengerade nach oben wachsen.»

Massnahmen, mit denen man die Weiterverbreitung des Pilzes eindämmen könnte, gibt es noch keine. «Eine Möglichkeit wäre, das Laub einzusammeln. Aber das ist im Wald schwierig, und wir wollen keine Biomasse entfernen.» Auch ein Teil der abgeholzten Eschen im Wald Junenbach-Tobel wird dort liegen gelassen – in einem Naturwald darf nur wenig eingegriffen werden.

Und trotz den eher düsteren Prognosen, die Huber den Eschen prophezeit, sieht er nicht schwarz: «Es gibt immer Bäume, die resistent sind oder genetisch fortgeschritten. Und diese werden überleben.» Die Natur fände immer einen Weg, wie sie sich regulieren und neu aufbauen könne. «Dort, wo vorhin noch die Esche stand, hat nun ein kleiner Ahornbaum mehr Licht und Platz, um zu wachsen.»