Vor zwei Wochen hatte der Wohler SVP-Grossrat und Rechtsanwalt Jean-Pierre Gallati die Forderung abgelehnt, seine Vorwürfe gegen den Arzt Ingo Malm zurückzunehmen (wir berichteten, siehe Links).

Malms Anwalt hatte ihn aufgefordert, seine Aussagen (siehe Kasten rechts) bei der Redaktion des «Kassensturz» schriftlich zu widerrufen. Gallati antwortete damals: «Ich sehe keinen Grund, etwas zu widerrufen.»

Nun meldet sich Ingo Malm zu Wort. In einer Stellungnahme teilt er der az-Redaktion mit: «Im Anschluss an die erste ‹Kassensturz›-Sendung vom 25. Oktober 2011 hatte ich Herrn Gallati in meine Praxis eingeladen, um die Vorwürfe zu besprechen und ihm darzulegen, wie sich mein Fall in Wirklichkeit präsentiert.»

Malm legte Gallati den Fall dar

Dabei habe er Gallati aufgezeigt, «dass ein Wirtschaftlichkeitsverfahren der Santésuisse eine Routineuntersuchung ist und sich meine Schulden im tiefen fünfstelligen Bereich bewegen». Gallati hatte laut Malm seit dem 2. November des letzten Jahres «nachweislich Kenntnis davon, dass die in seiner Interpellation vorgebrachten Vorwürfe nicht stimmen».

Malm betont, trotz diesem Treffen und der «erfolgten Aufklärung und Offenlegung» habe Gallati daraufhin «wider besseres Wissen» erneut im «Kassensturz» Unwahrheiten verbreitet und die bisherigen Vorwürfe der Sendung «völlig zu Unrecht» zementiert. Der Deutsche hält seine Sicht der Dinge fest: «Ich wurde völlig grundlos und ohne objektive Anhaltspunkte als schlechter, fehlbarer Arzt dargestellt.»

Angriff auf Susanne Hochuli?

Gallatis Vorgehen lässt für Malm nur den Schluss zu, «dass er aus meinem Fall offensichtlich politisches Kapital schlagen will». So greife die SVP derzeit den Sitz von Regierungsrätin Susanne Hochuli (Grüne) an. Gallati komme es offensichtlich gelegen, den Fall des umstrittenen Arztes «unter dem Vorwand der Verteidigung meiner ehemaligen Angestellten für eigene Zwecke zu benutzen, um gegen die aktuelle Vorsteherin des Departements Gesundheit und Soziales vorgehen zu können». Malm schreibt, Gallatis Äusserungen in diesem Fall seien «vor diesem Hintergrund massgeblich zu relativieren».

Malm kritisiert auch, dass Gallati das Schreiben seines Anwalts an die az Aargauer Zeitung weitergegeben hat. Dies sei fragwürdig, sei doch klar gewesen, «dass die entsprechende Korrespondenz an Herrn Gallati und nicht an die Medien gerichtet war».

Dass der SVP-Politiker das Schreiben von Malms Anwalt nicht kommentiert habe, zeigt laut dem Arzt, «dass die gegen mich gerichteten Vorwürfe nicht stichhaltig sind». Im gegenteiligen Fall hätte Gallati nach Ansicht von Malm «zumindest versucht, die Ausführungen meines Anwalts inhaltlich zu widerlegen».

SVP-Politiker unterstützt Malm

Für Malm ist laut mehreren Stellungnahmen auf seiner Website klar, dass hinter der «Neidhetze» auf ihn einige Vertreter des Hausärztevereins Bremgarten-Mutschellen-Kelleramt stehen. Unterstützung erhält Malm in dieser Ansicht durch Gustav Roten aus Rudolfstetten, der zweimal als SVP-Kandidat für den Gemeinderat antrat.

Der Parteigenosse von Malm-Gegner Gallati schreibt der az: «Für mich wirkt störend, jedoch auch bezeichnend, dass diese Ärzte alles unternehmen, um Ingo Malm zu schädigen, gegen ihn intrigieren und keine Möglichkeit auslassen, ihn in Misskredit zu bringen.»

Weil Malm nicht bereit sei, «mit den Wölfen zu heulen, und innovative, aber auch fachliche Vorteile erarbeitet» habe, müsse der «ungeliebte Konkurrent dringend weg», meint Gustav Roten. Aus seiner Sicht zeigt die offenbar «unwillkommene Familienpraxis von Herrn Malm in vielen Dingen ganz krass die Schwächen, aber auch den Neid der anderen Praxen auf».