Wohlen
Artisten-WG verzaubert das Monti-Publikum

Der Circus Monti startet in Wohlen mit der «Villa Monti» in seine 34. Saison.

Christian Breitschmid
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Circus Monti
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Die Darbietung von Shannon Maguire und Philippe Renaud in und mit dem Cyr-Rad ist an Anmut, Poesie und Sinnlichkeit kaum mehr zu übertreffen.
Kraft, Körperspannung, Eleganz und Rhythmus prägen die Tanztrapeznummer von Renato Dias. Auch als Tänzer im Ensemble macht der flexible Artist eine gute Figur.
Wenn Veera Kaijanen in Ballettschuhen über das Hochseil tanzt, dann versteht man unmittelbar, warum ihre Disziplin «Seiltanz» heisst – das ist atemberaubend.
Der «Neuling» in der WG, Florian Vuille, will hoch hinaus. Sein Kampf mit Leiter und Trapez ist wunderbar komisch und artistisch äusserst hochstehend.

Circus Monti

Felix Wey

Artisten müssen mehr sein als Artisten, wenn sie den Ansprüchen eines Monti-Programms gewachsen sein wollen. Das machte «Villa Monti» bei der Premiere am Freitagabend einmal mehr deutlich. Das 34. Programm des Wohler Nationalcircus ist ein durchkomponiertes Gesamtkunstwerk, bei dem sich Artistik, Schauspiel, Musik und Tanz die Waage halten. Wieder ist es Familie Muntwyler gelungen, ein Ensemble unter ihrem Zelt zu vereinen, das perfekt zusammenspielt und die Ideen von Christian Vetsch (Konzept/Regie) und Sabine Schindler (Konzept/Choreografie) mit spürbarer Spielfreude und eleganter Präzision umsetzt.

Für die virtuose Inszenierung erhielt das Monti-Kreativteam denn auch Lob aus höchst berufenem Munde. Im Publikum sassen am Freitag keine Geringeren als Gunda und Masha Dimitri, Witwe und Tochter des unvergesslichen Clowns Dimitri, der mit Masha zusammen viermal für die Regie des Monti-Programms verantwortlich zeichnete. Masha, die 2007 noch einmal bei Monti Regie geführt hat, lobte nach der Premiere vor allem die Fantasie und den Ideenreichtum der Programmgestalter: «Es gibt unheimlich viel zu sehen in dieser Aufführung. Überall läuft etwas, man muss gut aufpassen, damit man alles mitbekommt.»

Neues Chapiteau zeigt alles

Dank des neuen Chapiteau kriegen die Zuschauer auch wirklich alles mit, denn kein Mast versperrt mehr den Blick auf das Geschehen in der Manege. Wobei diese, streng genommen, ein Wohnzimmer ist, in dem sich die Artisten-WG der «Villa Monti» tummelt. Die Schau beginnt, als ein neuer Untermieter (Florian Vuille) in die Villa einzieht. Der etwas linkische Clown bewundert mit grossen Kinderaugen, was in diesem Haus alles abgeht. Nachdem er sich mit seiner Leiter im Trapez verfangen und wieder davon gelöst hat, zeigt Renato Dias, was man mit einem Tanztrapez sonst noch alles anstellen kann. Nicht minder elegant und kraftvoll bewegen sich auch Schwungseilartistin Eve Diamond und Seiltänzerin Veera Kaijanen in luft’ger Höh’.

Noch höher hinauf springen die drei Schleuderbrettathleten des Teams Red Pants, vom Kostümbildnerinnen-Trio in ebendiese roten Hosen gesteckt und mit sportlichen Trikots versehen, auf denen fliegende Krawatten aufgedruckt sind. Auch hier wird wieder ersichtlich, mit wie viel Liebe zum Detail die Monti-Programme ausgearbeitet werden. Bühnenbild, Kostüme und Musik verweben sich da zu einem stimmungsvollen Ganzen, das den Zuschauer von einem Höhepunkt zum nächsten trägt. Oder auch rollt, wie in der wunderbar poetisch-sinnlichen Nummer von Shannon Maguire und Philippe Renaud im Cyr-Rad. Dazwischen lassen Willem McGowan und Mario Muntwyler die Keulen fliegen, Florian Jeannot brilliert im Handstand und auf dem Fahrrad, und Armelle Fouqueray, Ehefrau von Circusdirektor Johannes Muntwyler, verblüfft als leicht schusselige Freundin des Hauses die WG-Bewohner mit allerlei Zaubereien. Vor allem, wenn sie ihren Mann «auseinandernimmt».

Würden Sie in die «Villa Monti» einziehen wollen, und welches Artistenzimmer würde Sie am meisten reizen?

Arsène Perroud, Wohlen «Einziehen? Sofort! Denn da ist alles so bunt und unterhaltsam. Am liebsten ins Zimmer dieser Schleuderbrettakrobaten. Aber ich fürchte, ich wäre nicht lange da. Die würden mich gleich wieder rauswerfen.»
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Masha Dimitri, Ascona «Nein, wohnen tu ich dann doch lieber allein. Aber die Nummer mit der Leiter und dem Trapez, die fand ich schon sehr inspirierend. Es ist doch erstaunlich, was man mit diesen beiden Dingen alles anstellen kann.»
Aline Schläppy, Neuenburg «Ich würde gerne in die Villa einziehen und auf dem Sofa schlafen. Mir ist der Typ auf dem Velo sehr sympathisch, weil er immer wieder so lustig hinfällt. Ich kann das gut nachvollziehen. Ich bin selber sehr ungeschickt.»
Gunda Dimitri, Borgnone «Nein. Villa und Zirkus, das passt nicht zusammen. Aber wenn ich einen Platz wählen dürfte, dann wäre es sicher das Bänkchen da oben über der Manege. Von da aus hätte ich einen wunderbaren Überblick über alles.»
Roman Kuhn, Wohlen «Sicher würde ich da einziehen. Monti hat es immer geschafft, Poesie und Artistik so zu verknüpfen. Für mich hält der Clown in diesem Programm auf diese Weise und im Sinne Guido Muntwylers alles zusammen.»
Johannes Muntwyler, Wohlen «Ich wohne ja schon da! Und selbstverständlich würde ich mit der Zauberin mein Zimmer teilen – sonst bekäme ich mit meiner Frau dann rechte Lämpe ... Nein, im Ernst, ich bin sehr zufrieden mit und in dieser Villa!»

Arsène Perroud, Wohlen «Einziehen? Sofort! Denn da ist alles so bunt und unterhaltsam. Am liebsten ins Zimmer dieser Schleuderbrettakrobaten. Aber ich fürchte, ich wäre nicht lange da. Die würden mich gleich wieder rauswerfen.»

Christian Breitschmid