Artisten müssen mehr sein als Artisten, wenn sie den Ansprüchen eines Monti-Programms gewachsen sein wollen. Das machte «Villa Monti» bei der Premiere am Freitagabend einmal mehr deutlich. Das 34. Programm des Wohler Nationalcircus ist ein durchkomponiertes Gesamtkunstwerk, bei dem sich Artistik, Schauspiel, Musik und Tanz die Waage halten. Wieder ist es Familie Muntwyler gelungen, ein Ensemble unter ihrem Zelt zu vereinen, das perfekt zusammenspielt und die Ideen von Christian Vetsch (Konzept/Regie) und Sabine Schindler (Konzept/Choreografie) mit spürbarer Spielfreude und eleganter Präzision umsetzt.

Für die virtuose Inszenierung erhielt das Monti-Kreativteam denn auch Lob aus höchst berufenem Munde. Im Publikum sassen am Freitag keine Geringeren als Gunda und Masha Dimitri, Witwe und Tochter des unvergesslichen Clowns Dimitri, der mit Masha zusammen viermal für die Regie des Monti-Programms verantwortlich zeichnete. Masha, die 2007 noch einmal bei Monti Regie geführt hat, lobte nach der Premiere vor allem die Fantasie und den Ideenreichtum der Programmgestalter: «Es gibt unheimlich viel zu sehen in dieser Aufführung. Überall läuft etwas, man muss gut aufpassen, damit man alles mitbekommt.»

Neues Chapiteau zeigt alles

Dank des neuen Chapiteau kriegen die Zuschauer auch wirklich alles mit, denn kein Mast versperrt mehr den Blick auf das Geschehen in der Manege. Wobei diese, streng genommen, ein Wohnzimmer ist, in dem sich die Artisten-WG der «Villa Monti» tummelt. Die Schau beginnt, als ein neuer Untermieter (Florian Vuille) in die Villa einzieht. Der etwas linkische Clown bewundert mit grossen Kinderaugen, was in diesem Haus alles abgeht. Nachdem er sich mit seiner Leiter im Trapez verfangen und wieder davon gelöst hat, zeigt Renato Dias, was man mit einem Tanztrapez sonst noch alles anstellen kann. Nicht minder elegant und kraftvoll bewegen sich auch Schwungseilartistin Eve Diamond und Seiltänzerin Veera Kaijanen in luft’ger Höh’.

Noch höher hinauf springen die drei Schleuderbrettathleten des Teams Red Pants, vom Kostümbildnerinnen-Trio in ebendiese roten Hosen gesteckt und mit sportlichen Trikots versehen, auf denen fliegende Krawatten aufgedruckt sind. Auch hier wird wieder ersichtlich, mit wie viel Liebe zum Detail die Monti-Programme ausgearbeitet werden. Bühnenbild, Kostüme und Musik verweben sich da zu einem stimmungsvollen Ganzen, das den Zuschauer von einem Höhepunkt zum nächsten trägt. Oder auch rollt, wie in der wunderbar poetisch-sinnlichen Nummer von Shannon Maguire und Philippe Renaud im Cyr-Rad. Dazwischen lassen Willem McGowan und Mario Muntwyler die Keulen fliegen, Florian Jeannot brilliert im Handstand und auf dem Fahrrad, und Armelle Fouqueray, Ehefrau von Circusdirektor Johannes Muntwyler, verblüfft als leicht schusselige Freundin des Hauses die WG-Bewohner mit allerlei Zaubereien. Vor allem, wenn sie ihren Mann «auseinandernimmt».

Würden Sie in die «Villa Monti» einziehen wollen, und welches Artistenzimmer würde Sie am meisten reizen?