Wahlen 2015

Wohler Kantischülerin appelliert an junge Wähler: «Geht an die Urne!»

Noemi Ganarin aus Wohlen ist der Star eines aussergewöhnlichen Werbespots

Noemi Ganarin aus Wohlen ist der Star eines aussergewöhnlichen Werbespots

Noemi Ganarin ist der Star eines aussergewöhnlichen Werbespots: Die 18-jährige Wohler Kantischülerin wirbt für eine höhere Wahlbeteiligung der Jungen. Im Interview mit der az sagt sie, warum die Jungen die Zukunft selber in die Hand nehmen sollten.

«Ich will, dass wir Jungen unsere Zukunft selber in die Hand nehmen», sagt die 18-jährige Wohler Kantischülerin Noemi Ganarin im Spot der Organisation Easyvote. Die Präsidentin des Jugendrats Wohlen erläutert, wieso es wichtig ist, dass auch die Jungen ihr Wahlrecht nutzen.

Fühlen Sie sich erwachsener, seit Sie abstimmen dürfen?

Noemi Ganarin: Erwachsener nicht, aber ich spüre eine grössere Verantwortung. Ich kann mehr beitragen und mehr beeinflussen.

Der Einfluss ist mit einer Stimme von Hundertausenden beschränkt.

Das mag sein. Aber wenn alle so denken, geht niemand an die Urne und der Einfluss des Einzelnen wird plötzlich gross. Ich persönlich wähle lieber und sage meine Meinung, anstatt mich im Nachhinein unzufrieden zu fühlen, und mir selber vorwerfen zu müssen, meine Chance nicht genutzt zu haben.

Weniger als die Hälfte der jungen Erwachsenen denken wie Sie. Nur 32 Prozent von ihnen gingen vor vier Jahren wählen. Welche Argumente hören Sie von ihren Klassenkameraden, warum sie aufs Wahlrecht verzichten?

Viele sagen, es mache keinen Unterschied, ob sie wählen oder nicht. Für andere ist es ein zu grosser Aufwand und zu kompliziert.

War es das auch für Sie?

Das dicke Couvert mit den vielen Broschüren schreckte auch mich ab. Die Materialschlacht ist nicht förderlich, um sich eine Meinung zu bilden. Vor allem dann, wenn es das erste Mal ist. Dafür braucht es Kampagnen wie EasyVote, die Erstwählern anschaulich erklären, wie es geht.

Sie sind eines der Aushängeschilder der Kampagne VoteNow von EasyVote, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Wahlbeteiligung von jungen Erwachsenen auf 35 Prozent zu erhöhen. Konnten Sie selber Gleichaltrige zum Wählen bringen?

Ja, voll. In meiner Klasse habe ich mit einigen gesprochen. Gerade heute habe ich einem Kollegen beim Ausfüllen der Wahlunterlagen geholfen. Wir sind nach dem Unterricht zusammen in die Bibliothek und er sagte: «Ich habe keine Ahnung, wie das geht.» Ich habe es ihm erklärt und er sah, dass es eigentlich simpel ist. Schon cool, wenn man sieht, dass der Einsatz etwas bringt.

Warum engagieren Sie sich dafür, dass mehr Junge wählen?

Wir sind noch länger hier als die über 60-Jährigen – das meine ich nicht böse. Doch wir stellen bereits heute die Weichen für unsere Zukunft. Besonders bei Wahlen finde ich eine hohe Beteiligung zentral. Die gewählten Nationalräte leiten die Geschicke der Schweiz für die nächsten vier Jahre. Wenn wir nicht wählen, ist die Gefahr gross, dass nur Politiker gewählt werden, die im Parlament die älteren Generationen vertreten, aber nicht die unsere. Und das geht dann gar nicht.

Sind Sie also der Meinung, dass Junge Junge wählen sollten?

Nein. Wenn jemand zum Beispiel 55 Jahre alt ist und meine Ansichten absolut vertritt, dann wähle ich ihn. Wichtig ist, dass der Kandidat sich für die Interessen der Jüngeren einsetzt, und nicht sein Alter. So wähle ich auch niemanden, nur weil er jung ist.

Ab wann ist man alt genug, um sich eine eigene politische Meinung zu bilden?

Es hängt davon ab, ob man sich für Politik interessiert und man bereit ist, sich damit auseinanderzusetzen. Ich kann keine Meinung haben, ohne mir jemals Gedanken darüber gemacht zu haben. Ich persönlich begann im Alter von 15 Jahren, mich mit politische Themen auseinanderzusetzen. Ich denke, es kommt darauf an, was einem von der Familie mitgegeben wird. Ich habe vier ältere Geschwister. Bei uns wurde schon immer rege diskutiert. Es gibt aber auch Leute in meinem Alter, die einfach Argumente nachplappern. Sich eine politische Meinung zu bilden, ist ein Lernprozess.

Hat es Sie genervt, dass Sie mit 15 Jahren schon eine politische Meinung hatten, aber noch nicht Ihren Senf dazu geben konnten?

Ja. Darum habe einfach versucht, auf alle anderen möglichen Arten mitzumischen. Zum Beispiel in der Diskussion am Familientisch. Ich wäre schon damals sehr gerne abstimmen gegangen.

Dann unterstützen Sie das Anliegen, dass Jugendliche zukünftig bereits ab 16 Jahren abstimmen dürfen?

Im Nachhinein finde ich es gut so, wie es ist. Ab 18 Jahren macht für mich Sinn. Zu diesem Zeitpunkt ist man volljährig und für sich selber verantwortlich. Erst dann sollte meine Meinung wirklich gelten. Sonst stimme ich über Gesetzesvorlagen ab oder entscheide, wer mich im Parlament vertritt, und gleichzeitig sind meine Eltern noch für mich verantwortlich. Das passt nicht zusammen.

Mit ihren 18 Jahren könnten Sie jetzt auch für ein politisches Amt kandidieren. Steht in vier Jahren Ihr Name auf einer Liste?

Eine Kandidatur für ein politisches Amt kann ich mir derzeit nicht vorstellen. Dafür müsste ich fast in einer Partei sein und ich bin kein Partei-Mensch. Doch wer weiss, vielleicht irgendwann, schliesslich gibt es alle vier Jahre Wahlen.

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