Widen

Art on Kunststoff-Ice: Wie es sich auf der etwas anderen Eisbahn gleiten lässt

Die az-Praktikantin und ehemaligeEiskunstläuferin testet die Kunststoff-Eisbahn.

Wenn die Temperaturen sinken, beginnt für mich die schönste Zeit des Jahres. Als ehemalige Eiskunstläuferin kann ich es kaum erwarten, bis die ersten Eisbahnen öffnen. Doch Schlittschuhfahren auf Kunststoff? Genau das soll in Widen möglich sein. 2011 eröffnete auf dem Gelände der Burkertsmatt die erste Eiskunstlaufbahn auf dem Mutschellen. «Zuerst hatten wir Natureis, doch es war zu warm und das Eis schmolz weg», erklärt Georg Nafzger, Betriebsleiter des Sportzentrums Burkertsmatt. «So haben wir uns nach kostengünstigen Alternativen umgesehen und sind eher zufällig auf die Kunststoffmatten gestossen.»

Diese sind wetterunabhängig und auch ökologischer, da kein Strom zum Herunterkühlen gebraucht wird. «Die Matten haben eine Lebensdauer von 15 Jahren, und der Aufbau ist ebenfalls mit weniger Aufwand verbunden, denn die 15 mm dicken Matten werden wie ein Puzzle zusammengesetzt», erläutert Nafzger. «Der Kunststoff wird täglich mit Seife und einem ökologischen Emulgator gereinigt. So soll die Gleitfähigkeit verbessert werden. Allerdings sind die Kunststoffmatten nicht mit Natureis vergleichbar.» Davon möchte ich mir selbst ein Bild machen und so fahre ich nach Widen.

Kunststoff-Eisbahn Burkertsmatt ist wieder offen

Kunststoff-Eisbahn Burkertsmatt ist wieder offen

Keine nassen Hosen

Dort angekommen treffe ich Eismeister Rolf Hüsser. Er reinigt die Kunststoffmatten mit einer kleinen Maschine. Neugierig trete ich auf den Kunststoff und bin erstaunt, denn ich rutsche nicht. Der Belag erinnert mich an die Sportböden in Turnhallen. Wie soll man darauf eislaufen können? Neben dem 600 m2 grossen Feld stehen zwei Container. Der eine dient als Umkleidekabine, im anderen sind Kasse und Snackbar untergebracht. Im Innern des ersten Containers zeigt der Eismeister die Schlittschuhe. «Wir haben hier insgesamt 160 Paar neue Schuhe», erzählt er und zeigt auf rote Damenschlittschuhe- und schwarze Hockey-Skates. «Um auf dem Kunststoff gut gleiten zu können, benötigen sie beim Schliff einen anderen Radius als beim Eis.» In der Ecke des Containers steht eine Schleifmaschine. «Die Schuhe werden nach jedem Gebrauch geschliffen.»

Er gibt mir ein Paar der roten Schuhe und schon kurze Zeit später wage ich mich zum ersten Mal auf den Kunststoff. Wie gewohnt stosse ich mich mit einem Fuss ab, in der Erwartung auf dem Kunststoff wie auf normalem Eis zu gleiten. Fehlanzeige. «Die Kufen der Schlittschuhe müssen warm werden», erklärt Hüsser. «Das dauert etwa fünf Minuten.» Tatsächlich, schon nach wenigen Runden bremsen die Schuhe nicht mehr und ich gleite langsam über den Kunststoff. Zwar benötigt das Abstossen mehr Kraft und auch mein Gewicht muss ich nach vorne verlegen, doch Spass macht es allemal. In alter Gewohnheit versuche ich, mich schwungvoll aufs Rückwärtsfahren auszurichten. Und falle prompt auf meine Knie.

Glücklicherweise ist der Kunststoff weicher als Eis. «Ein weiterer Vorteil», rufe ich Hüsser zu, «die Hosen bleiben bei Stürzen trocken!» Lachend erklärt er: «Stimmt. Dadurch, dass das Gewicht eher vorne ist, fällt man nicht nach hinten, sondern kann den Fall mit den Händen abfedern.» Ich versuche es ein weiteres Mal, jetzt halte ich mich an der Bande fest. Doch der Plastik bremst mich aus.

Ich lasse die Kunststücke sein und schaue zwei kleinen Mädchen zu, die wackelig ihre ersten Versuche machen. Mit kleinen Schritten überqueren sie vorsichtig das Feld. Dass der Kunststoff nicht rutschig ist, kommt ihnen beim Lernen zugute. «Für Anfänger ist diese Anlage optimal», bestätigt auch Marcel Signer, Präsident des Vorstands der Burkertsmatt. «Eiskunstläufer kommen eher selten hierher, dafür aber Eishockey- und Eisstockspieler.» Das nötige Equipment wird zur Verfügung gestellt.

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