Per 31. Oktober hat der Vorstand des Kinder- und Erwachsenenschutzdienstes Bezirk Bremgarten KESD das Arbeitsverhältnis mit Geschäftsführer Ignaz Heim im gegenseitigen Einverständnis aufgelöst. Das hat im Herbst hohe Wellen geworfen. Am Mittwoch hat der KESD-Vorstand die Verbandsgemeinden an einer nicht öffentlichen Veranstaltung über die Angelegenheit sowie das weitere Vorgehen informiert. KESD-Präsident Arsène Perroud im Interview mit Toni Widmer zur Vergangenheit und Zukunft der Organisation

Arsène Perroud, wie lautet Ihr Fazit zur Informationsveranstaltung?

Seit der Auflösung des Arbeitsverhältnisses mit Ignaz Heim standen verschiedene Vorwürfe an den Vorstand im Raum. Diese Vorwürfe haben wir versucht zu entkräften und alle offenen Fragen beantwortet, soweit das unter dem Aspekt des Persönlichkeitsschutzes möglich war.

Sind Sie mit dem Verlauf des Abends zufrieden?

Der Vorstand hatte im Herbst eine Entscheidung zu treffen. Es liegt in der Natur der Sache, dass mit dieser Entscheidung nicht alle zufrieden sind. Ich möchte dazu jedoch festhalten, dass der Vorstand sich bei allen seinen Entscheidungen an die geltenden Satzungen des Verbandes sowie an das Personalreglement gehalten hat. Man kann unterschiedlicher Meinung über unsere Vorgehen sein. Fest steht, dass der Vorstand seine Kompetenzen jederzeit gewahrt hat.

Der Vorstand hat allerdings seinen Entscheid schlecht kommuniziert.

Wie stets in solchen Situationen würde der KESD-Vorstand heute wohl gewisse Sachen anders machen. Ich bin allerdings nach wie vor der Meinung, wir haben zeitnah und richtig kommunziert. Und ich bin ebenfalls überzeugt, dass es richtig war, den Persönlichkeitsschutz hochzuhalten. Personelle Fragen gehören nicht an die Öffentlichkeit. Ich verstehe jedoch, dass die Verbandsgemeinden sofort mehr Informationen hätten haben wollen. Ich denke, heute würden wir früher zu einer Information einladen.

Ignaz Heim erhielt Bestnoten in allen Geschäftsberichten. Plötzlich war ein irreparabler Knatsch da. Hat der Vorstand seine Aufsichtspflicht nicht wahrgenommen?

Darüber haben wir im Vorstand sehr lange und sehr ausführlich diskutiert. Und wir haben uns gefragt, ob da das Milizsystem an seine Grenzen stösst. Als Milizpolitiker ist sicher im operativen Bereich eine gewisse Abhängigkeit von einer Geschäftsführung vorhanden, weil man sich auf die strategische Ebene konzentriert und vom eigentlichen Tagesgeschäft doch ziemlich weit weg ist. So gesehen lassen sich die Abläufe vielleicht erklären. Kommt dazu, dass innerhalb des KESD eine hohe Loyalität geherrscht und man Differenzen nicht gleich nach aussen getragen hat. Man hat versucht, diese selber zu lösen, was ja grundsätzlich auch nicht falsch ist.

Die unzufriedenen Mitarbeitenden hätten jederzeit die Möglichkeit gehabt, sich an den Vorstand zu wenden. Warum haben Sie es erst getan, als es zu spät gewesen ist?

Das haben wir uns auch gefragt. Offenbar hat man zu lange versucht, die Konflikte intern zu lösen und hat den Vorstand erst involviert, als das Vertrauen schon zerstört war.

Was macht der Vorstand, dass sich ein solcher Vorfall nicht wiederholen kann und er künftig früher von internen Problemen erfährt?

Es sind verschiedene Massnahmen geplant und zum Teil auch bereits umgesetzt. Verändern werden wir vor allem auch die Führungsstruktur im Hinblick auf die neue Geschäftsführung. Diese Anpassungen wurden auch, aber nicht nur wegen dieser Sache angepasst. Organisations-, Struktur- und Reglementsanpassungen wären ohnehin nötig gewesen.

Wie läuft der Kinder- und Erwachsenenschutzdienst im Moment?

Die Mandatsführungen erfolgen professionell und mit einem hohen Engagement von allen Mitarbeitenden. Ich darf sagen: «Der KESD läuft sehr gut.»

Wenn ich bei den Verbandsgemeinden nachfrage, wird mir dann Ihre Aussage bestätigt?

Ich gehe davon aus. Die Mandatsführungen waren an der Informationsveranstaltung kein Thema, die Rückmeldungen aus den Gemeinden sind ebenso positiv wie jene von unserer Aufsichtsbehörde, dem Bezirksgericht.

Wie geht es jetzt weiter?

In erster Priorität werden wir Sorge dazu tragen, dass das Kerngeschäft reibungslos weiterläuft. Dann erfolgt die öffentliche Ausschreibung der neuen Geschäftsführung. Sie basiert auf einem neuen Pflichtenheft. Anders als bisher beinhaltet die Stelle nicht mehr nur die Geschäftsführung des KESD, sondern zu rund 50% Prozent auch noch die Führung von Mandaten.