Stolz führt er durch sein Dorf – zeigt das Kirchlein, das auf einem Gupf mitten in der Skipiste thront, die beiden FünfSterne-Hotels, die einst Lungensanatorien waren, das kleine Strandbad am tief verschneiten See, die alten Häuser, die neuen Ferienchalets, die zahlreichen Bänkli in den sorgfältig geschaufelten Schneekuhlen, zeigt auf das mächtige Weisshorn und auf das doppelspitzige Erzhorn, das man – entsprechend stilisiert – im Gemeindewappen wieder findet.

Pascal Jenny (38) freut sich über das Staunen und das Interesse der Besucher an seinem Arosa. Sein Arosa, das er zwar nicht gerade mit eigenen Händen erbaut hat, mit dem er sich aber stark verbunden fühlt. Denn Arosa ist sein Lebensmittelpunkt und auch sein Beruf: Pascal Jenny ist Direktor von Tourismus Arosa.

Wie sein Ururgrossvater

Seit Jahrzehnten ist Arosa für viele Aargauer – vor allem aus Wohlen, Villmergen, Baden und Aarau – eine äusserst beliebte Feriendestination. «Aargauer Gäste lieben Arosa», bestätigt Pascal Jenny. «Sie bilden eine der grössten Gästegruppen, gefolgt von jenen aus Zürich, St. Gallen und Thurgau.»

Auch Pascal Jenny stammt aus dem Aargau. Und als Unterländer und Quereinsteiger wurde er in Arosa Tourismusdirektor – genauso wie im Jahre 1903 sein Ururgrossvater August. Aufgewachsen ist Pascal Jenny aber in Wohlen, da besuchte er Volks- und Kantonsschule, entdeckte seine Leidenschaft für den Sport. Eishockey war es am Anfang, «bei Klaus Heim im SSC Wohlen». Dass die erste Wahl auf Eishockey fiel, hatte mit Arosa zu tun. Familie Jenny verbrachte die Ferien jeweils in Arosa – in jenem Haus, das der Sohn von Kurdirektor August Jenny einst gebaut hatte. «Und dort schaute ich natürlich immer ganz fasziniert dem EHC Arosa zu», sagt Pascal Jenny. «Ich wuchs in einem sehr musischen Haus auf», blickt Pascal Jenny zurück. «Mein Vater ist Cello-Lehrer und Orgelbauer. So muss es für meine Eltern eine leise Enttäuschung gewesen sein, dass sich mein Bruder und ich dem Sport und nicht der Musik zuwandten.»

Im Wohler Schulsport fand Pascal Jenny zum Handball, einer Sportart, die er «sehr schnell, sehr intensiv» betrieb. Nach der Matur zügelte Pascal Jenny nach Aarau, studierte Betriebswirtschaft in Zürich und spielte Handball beim TV Suhr. «Damals musste man als Student noch nicht so viel in der Uni anwesend sein wie heute», schmunzelt Pascal Jenny. «Und weil es dem Handball noch besser ging, konnte ich mir mein Studium mit dem Sport finanzieren.» Weitere Stationen des Handballers waren die Kadetten Schaffhausen und GC Zürich sowie die Nationalmannschaft, mit der er als Höhepunkt der Karriere 2006 an der Europameisterschaft teilnahm.

Aus Hobby wurde Beruf

Nach Abschluss des Studiums machte Pascal Jenny erste berufliche Erfahrungen im Management der Verbandstofffirma IVF und der Firma Franke in Aarburg. Als Hobby gewissermassen gründete er mit einem Kollegen eine Firma, die «mobile Werbung» – Werbung auf Lastwagenplanen – verkaufte. «Wir haben mit grossen Transportunternehmen verhandelt und Verträge abgeschlossen und dabei sehr viel gelernt», erzählt Pascal Jenny. «Ulrich Giezendanner, beispielsweise, war uns bezüglich Verhandlungsgeschick doch einiges voraus…» Das Hobby mit der eigenen «Bude» wurde zum Beruf, bis sich Pascal Jenny an die nächste grosse Herausforderung wagte: Als Mitbegründer und Geschäftsführer des Schweizer Sportfernsehens.

Ende 2007 erhielt Pascal Jenny einen Anruf aus Arosa: Der damalige Tourismusdirektor Hans-Kaspar Schwarzenbach war am Draht und riet dem jungen Unterländer, sich für die demnächst frei werdende Stelle als Tourismusdirektor zu bewerben. «Ich war zu jener Zeit beruflich viel unterwegs», sagt Pascal Jenny. «Als ich meiner heutigen Frau Franziska, damals Kantonspolizistin in St. Gallen, von der Idee erzählte, sagte sie spontan: «Mach es, dann bist du wieder mehr daheim.» «Mach es!», sagte auch sein Grossvater, der früher Assistenzarzt in Arosa gewesen war.

In Arosa geheiratet

Pascal Jenny bewarb sich um die Stelle, nicht zuletzt darum, weil sich die Kreise von Familie Jenny und dem beliebten Ferienort in der Vergangenheit immer wieder überschnitten hatten. So lebte etwa Vater Felix während seiner ersten Kinderjahre in Arosa und Pascal Jenny selbst hatte sich schon als Bub vorgenommen, dereinst in der kleinen Bergkirche zu heiraten. Was er tatsächlich tat.

Dass das junge Paar, damals wohnhaft in St. Gallen, den Hochzeitstermin in Arosa schon vereinbart hatte, bevor die Tourismusstelle überhaupt zur Diskussion stand, hat dem Wahlgremium gewiss bei der Entscheidungsfindung geholfen: Pascal Jenny, der Spitzensportler, Betriebswirtschafter, Firmenbesitzer, Sportfernsehen-Gründer, der Unterländer mit verwurzelter Beziehung zu Arosa – wurde gewählt.

«Wegweisende Entscheidungen»

Heute ist Pascal Jennys Verbundenheit mit Arosa noch viel stärker als je zuvor. Er lebt glücklich mit seiner Frau und den beiden Kindern Nora (1½ Jahre) und Diego (3 Monate) im Dorf, arbeitet mit grossem Enthusiasmus für sein Arosa, kreiert neue Ideen, optimiert Traditionelles und am liebsten würde er auch auf politischer Ebene zugunsten des Wintersportortes aktiv werden. «Dort fallen die wegweisenden Entscheidungen», weiss Pascal Jenny. Aber auch ohne politisches Amt («das würde nicht überall gut ankommen») kann Pascal Jenny viel bewirken.

Die Verbindung der Skigebiete Arosa und Lenzerheide (225 Pistenkilometer) wurde bei der letzten Abstimmung gutgeheissen und für das Projekt «Bärenpark in Arosa» macht sich der Tourismusdirektor stark. «Nebst den bekannten Grossanlässen wie etwa dem Humor-Festival müssen wir neue, andere Anreize für Touristen bieten», ist Pascal Jenny überzeugt. «Wir müssen den Sommer wieder entdecken, Arosa für Junge attraktiver machen und uns als Ferienort für alle Generationen neu erfinden.» Die kreative Arbeit an der Gestaltung der Zukunft, zusammen mit seinem 25-köpfigen Team, macht Pascal Jenny sichtlich Spass. Er liebt die Herausforderung und er kann sich – als Manager und Betriebswirtschafter – realistische Ziele setzen und – als ehemaliger Spitzensportler – beharrlich und mit Ausdauer auf diese Ziele hinarbeiten.