Aristau/Muri
Das Murimoos bleibt ein Verein: Streit um neue Rechtsform hat nun Folgen

Der gemeinnützige Verein Murimoos werken und wohnen hätte in eine Aktiengesellschaft, eine Stiftung und einen Förderverein umgewandelt werden sollen. Doch dagegen formierte sich im vergangenen Herbst Widerstand. Nun lehnten die Vereinsmitglieder die Rechtsformänderung tatsächlich ab. Der Vorstand muss von vorne beginnen.

Andrea Weibel
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Das Murimoos kann seine Rechtsform nun doch nicht ändern.

Das Murimoos kann seine Rechtsform nun doch nicht ändern.

zvg

Schon seit Jahren ist der Vorstand des Vereins Murimoos werken und wohnen daran, sich für die Zukunft besser zu rüsten. Unter anderem fanden die Verantwortlichen, dass eine Rechtsformänderung sich für eine so grosse soziale Institution lohnen würde. Ein Verein sei nicht mehr angemessen, man wollte ihn in eine gemeinnützige Aktiengesellschaft, eine Stiftung und einen Förderverein umwandeln.

Kurz und knapp: Daraus wird nun nichts. Es hatte sich im vergangenen Jahr Widerstand gegen diese Änderung gebildet, dazu aufgerufen hat die Interessengemeinschaft (IG) Zukunft Murimoos. Eigentlich wäre die Rechtsformänderung bereits in einer schriftlichen ausserordentlichen Abstimmung angenommen gewesen. Doch um auf Nummer sicher zu gehen, liess der Vorstand diese wiederholen. Die IG schlief nicht, sondern mobilisierte noch mehr Leute.

«Der Entscheid ist überraschend und enttäuscht uns»

Am 9. März wurde die Generalversammlung des Vereins erneut schriftlich durchgeführt. «Der Vorstand wollte es mit diesem Vorgehen möglichst vielen Mitgliedern ermöglichen, an der Abstimmung teilzunehmen – auch solchen, die zum Schutz vor Covid-19 oder aus geografischen oder terminlichen Gründen nicht an einer Präsenz-Veranstaltung hätten teilnehmen können», heisst es in der Pressemitteilung.

Jetzt liegt das notariell beglaubigte Resultat vor. Es war eine böse Überraschung für den Vorstand: Die Auflösung des Vereins wurde abgelehnt, der Antrag auf Rückweisung angenommen. In der Mitteilung dazu wird seitens des Vorstands festgehalten: «Damit kann der Vorstand die Rechtsformänderung, die auf einer sorgfältigen Analyse beruht und in Zusammenarbeit mit dem Kanton als wichtigstem Vertragspartner ausgearbeitet wurde, so nicht umsetzen.»

Wahlen im Vorstand des Murimoos

Sowohl die Entlastung des Vorstandes, die Abnahme der Jahresrechnung als auch die Genehmigung des Jahresberichtes wurden von den Stimmberechtigten gutgeheissen. Die bisherigen Vorstandsmitglieder, die wieder kandidierten, wurden in ihrem Amt bestätigt. Gino Fiorentin wurde zum neuen Präsidenten und Pia-Cristina Zimmermann neu in den Vorstand gewählt. Zimmermann wird den durch den Rücktritt von Heidi Schmid freigewordenen Sitz übernehmen und kümmert sich um das Ressort Betreuen und Wohnen.

Der neu gewählte Präsident Gino Fiorentin sagt: «Der Entscheid ist überraschend und enttäuscht uns. Er stellt die Arbeit von mehreren Jahren in Frage. Wir sind überzeugt, dass eine Rechtsformänderung der richtige Schritt gewesen wäre, um den anstehenden Herausforderungen zu begegnen und Murimoos für die Zukunft gut aufzustellen.» Doch hätten die Mitglieder entschieden, «das gilt es zu akzeptieren. Wir sind nun gefordert, das Beste aus diesem Entscheid zu machen».

Der neu zusammengesetzte Vorstand werde das Abstimmungsergebnis analysieren und die nächsten Schritte angehen. «Die fundierte Aufarbeitung, für die auch Gespräche mit den verschiedenen Anspruchsgruppen nötig sein werden, wird einige Zeit in Anspruch nehmen.»

Bei all dem dürfe nicht vergessen werden, was der Kernauftrag der Institution sei: «Klientinnen und Klienten sollen hier ein sicheres Zuhause mit sinnstiftenden und modernen Arbeitsplätzen finden. Dabei sollen sie von einer adäquaten Betreuung profitieren können, damit sie ihr Leben möglichst selbstbestimmt führen können.»

Genaue Zahlen werden noch nicht herausgegeben

Die IG Zukunft Murimoos hingegen bricht auf Anfrage der AZ nicht in Jubel aus. «Natürlich freuen wir uns, dass der Antrag nicht angenommen wurde», sagt IG-Gründungsmitglied Astrid Gebert. «Aber wir sind nun auch gespannt darauf, wie es weitergeht. Wir hoffen, dass wir uns nun endlich mit dem Vorstand an einen Tisch setzen können, um unsere Anliegen zu besprechen. Dazu wären wir nach wie vor gerne bereit, denn uns liegt das Murimoos sehr am Herzen.»

Beide Seiten sagen, sie verstehen nicht, was die Gegenseite vorhat, beide sehen sich im Recht. Gebert moniert: «Was mich bei der Info, die an alle Vereinsmitglieder des Murimoos herausgegangen ist, aber bereits wieder traurig macht, ist, dass keinerlei Zahlen und genaue Wahlresultate bekannt gegeben worden sind. Dabei wäre Transparenz gerade jetzt so wichtig.»

Auf Anfrage, ob die Zahlen noch bekannt gegeben werden, schrieb Fiorentin: «Gemäss unseren Statuten muss vorrangig das Protokoll der GV durch den Vorstand genehmigt werden.» Der Vorstand wird über die Bücher gehen und zu gegebener Zeit wieder informieren.