Flexibel bleiben, den Aufwand nicht scheuen, zusammen eine starke Wirtschaftsregion Freiamt gestalten: Am 1. Netzwerk-Morgenkaffee in Sins, das mit rund 60 Personen sehr gut besucht war, kam zum Ausdruck, dass die Herausforderungen der Zukunft Gewerbetreibende, Industrielle und Dienstleister am besten gemeinsam meistern. «Der Franken bleibt im Freiamt» überschrieb der Regionalplanungsverband Oberes Freiamt die Veranstaltung, die zusammen mit der Industrievereinigung Muri sowie den Gewerbevereinen Muri und Sins auf die Beine gestellt wurde. Das Zusammenrücken der Region auf wirtschaftlicher Ebene scheint der Repla auch deshalb wichtig, um den starken Wirtschaftsregionen Zug, Zürich und Luzern die Stirn bieten zu können.

Im oberen Freiamt leben rund 35'000 Einwohnerinnen und Einwohner. 15'000 von ihnen verdienen ihr Einkommen in der Region, davon rund 1000 in der Landwirtschaft, 5000 in Industrie und Gewerbe sowie 8000 in Dienstleistungsunternehmen. Diese Arbeitsplätze sollen nicht nur erhalten, sondern ausgebaut werden. Dabei stehen sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer – Stichwort Digitalisierung – vor beachtlichen Umwälzungen und Herausforderungen, wie Bruno Sidler, Geschäftsführer der Repla Oberes Freiamt, ausführte. «Wir erreichen unsere Ziele besser, wenn wir uns gemeinsam auf den Weg machen und uns als starke Wirtschaftsregion Freiamt positionieren.» Das ist, neben der Interessenvertretung der Region gegenüber Kanton und Öffentlichkeit, auch eines der Hauptziele des Regionalplanungsverbandes: die ausgewogene und nachhaltige Entwicklung der Region. Aktive Vernetzung zwischen den verschiedenen Partnern sei dabei ein Schlüsselfaktor – und der Grund für das 1. Netzwerk-Morgenkaffee.

Chef von Flaschen

Marco und Andrea Staubli sind Chefs von einer Million Flaschen. «Aber vollen», wie Staubli, Inhaber der Staubli Getränke Muri/Sins, betonte. Es war 1972, als Vater Staubli mit 12 Artikeln nebenbei einen Getränkehandel aufzog. Das Geschäft entwickelte sich und die jetzigen Inhaber pflegen heute drei Standbeine: Verkaufsflächen, Belieferung von Gastronomen, Altersheimen usw. sowie die Festbelieferung für Events. Letzter Grossauftrag: das Kantonalturnfest in Muri. Diese Entwicklung war nur möglich, weil die Zeichen der Zeit erkannt wurden. «Es ist alles schnelllebig und kurzfristig geworden», berichtete Staubli aus seinem Alltag. Das Kaufverhalten der Kundschaft hat sich markant verändert und wird sich weiter verändern. Ein «riesiges Thema» sind heute die Bestellungen, die online eingehen. Allein kann das ein regionaler Getränkelieferant nicht bewältigen. Umgekehrt können Grossfirmen allein die damit verbundene Logistik nicht gewährleisten. Staubli hat sich deshalb der Online-Plattform «beer4you» von Feldschlösschen angeschlossen. Dort gehen die Bestellungen ein, 24 A-Depositäre in der ganzen Schweiz besorgen die schnelle Lieferung. «So ist allen gedient.»

Gefragter «Wohlfühleffekt»

Und es wird ein Trend bedient, der an anderen Orten bereits Alltag ist. In London beispielsweise liefert Heineken innerhalb von 20 Minuten bestellte Getränke aus, in New York sind 100 verschiedene Biere innerhalb einer Stunde erhältlich. «70 Prozent der Kundinnen und Kunden sind bereit, für den schnellen Service auch einen etwas höheren Preis zu bezahlen.» Von grossstädtischen Verhältnissen ist das Freiamt selbstverständlich sehr weit entfernt. Aber die Grundhaltung der Konsumentinnen und Konsumenten ist hierzulande nicht grundsätzlich anders und wird sich akzentuieren, zeigt sich Staubli überzeugt. Gleichzeitig erachtet er aber auch die attraktive Ladenfläche als wichtig und nicht als widersprüchlich. «In einem Laden kann der Inhaber die Leidenschaft für sein Produkt an die Kundschaft spürbar weitergeben, was einen sofortigen Mehrwert ermöglicht.» Entscheidend seien neben Leidenschaft und Beratung, die trotz Online-Präsenz geschätzt werde, die ansprechende Präsentation, der «Wohlfühleffekt» im Laden, und nicht zuletzt ein idealer Standort, konkret mit guter Zu- und Wegfahrt sowie genügend Parkplätzen. Staubli hat es jedenfalls nicht bereut, in Sins den Standort vom Dorf etwas ausserhalb ins Industriegebiet Nord verlegt zu haben.