Wohlen
Arabisch-evangelische Kirche: «Wir sind auch ein Integrationsprojekt»

Seit Sonntag ist die schweizweit zweite arabisch-evangelische Kirche der reformierten Kirche Wohlen angegliedert. Der Pfarrer, Ekramy Awed, will mit seinem Projekt Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammen bringen.

Toni Widmer
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Pfarrer Ekramy Awed hat in Wohlen eine arabische Kirchgemeinde gegründet.

Pfarrer Ekramy Awed hat in Wohlen eine arabische Kirchgemeinde gegründet.

Toni Widmer

Ekramy Awed ist Pfarrer aus Überzeugung und Leidenschaft. Vorderhand jedoch nur ehrenamtlich. Seinen Lebensunterhalt verdient der 42-jährige Ägypter mit Schweizer Pass als Arabisch-Lehrer an der Uni Bern, der Volkshochschule und der Migros-Klubschule.

Obwohl er sehr gut Deutsch spricht, hält Awed seine Predigten in arabischer Sprache. Seit zwei Jahren tut er das in der evangelisch-arabischen Kirchgemeinde in Bern, am Sonntag feierte er seinen ersten Gottesdienst in der reformierten Kirche in Wohlen. Hier hat er die zweite evangelisch-arabische Kirchgemeinde in der Schweiz ins Leben gerufen, weitere Projekte sind in Planung.

Die Kirche als Vermittlerin

Warum gründet Ekramy Awed eine Kirche in der Kirche, weshalb predigt er in einem deutschsprachigen Land nicht auf Deutsch? «Ich sehe mein Engagement vor allem auch als Integrationsprojekt», sagt er. Sein Ziel sei es, die Gesellschaften über die Kirche zu verbinden. «Es gibt viele Asylbewerber in der Schweiz, die nur arabisch sprechen. Ihnen will ich über die kirchliche Lehre, die gemeinsamen Gottesdienste sowie über verschiedene Veranstaltungen dabei helfen, sich in der Schweiz zurechtzufinden.»

Das Bedürfnis nach Hilfe ist da. «Vorerst geht es darum, dass die Leute ihren Kulturschock überwinden. Sie müssen lernen, wie das Leben hier funktioniert, wie sie sich in der Gesellschaft bewegen müssen, damit sie nicht anecken», sagt Ekramy Awed und erzählt ein Beispiel: «Ein Asylbewerber hat einem Kleinkind aus dem Tram geholfen. Der Vater des Buben hat das aber alles andere als gerne gesehen und ihn zusammengestaucht. Ich habe dem Asylbewerber erklärt, warum Schweizer gelegentlich so reagieren und, dass er das nächste Mal zuerst fragen soll, ob seine Hilfe erwünscht ist.»

Menschen verbinden

Neben solchen und ähnlichen Ratschlägen für den Alltag hilft der Pfarrer auch bei der Wohnungs- und Stellensuche, berät Flüchtlinge beim Spitalbesuch oder besorgt Übersetzungen. Für Ekramy Awed gehört das zur Seelsorge. Seine ehrenamtliche Tätigkeit bringt ihn jedoch gelegentlich an die Leistungsgrenze, weil es, wie er sagt «sehr sehr viel zu tun gibt».

Mit seinem Projekt will Ekramy Awed auch Menschen verbinden. Geplant sind gemeinsame Gottesdienste mit der angestammten reformierten Kirchgemeinde in Wohlen. Der Pfarrer will die Menschen aus den verschiedenen Kulturen aber nicht nur in der Kirche, sondern auch mit gesellschaftlichen Aktivitäten miteinander in Kontakt bringen, so etwa einem gemeinsamen Essen nach den Gottesdiensten.

Ekramy Awed hat sich in seiner Heimat zum Lehrer ausbilden lassen. Die Liebe zu einer Schweizerin, mit der er mittlerweile verheiratet ist und einen bald fünf Jahre alten Sohn hat, führte ihn nach Bern. Dort arbeitete er vorerst als «Mädchen für alles» in der Gastronomie und später als Arabisch-Lehrer. Seine theologische Ausbildung hat er im Fernstudium nebenher gemacht. 2013 durfte er in Bern seine Ordination feiern.