Vor zehn Jahren zog am Voräckerweg 5 in Arni, nur einen Steinwurf entfernt vom grossen Kreisel, die Alpha Bio Bäckerei & Bistro ein – und wieder aus. Anschliessend versuchte es ein neuer Pächter, mit französischen Leckereien im Glas und auf dem Teller. Auch er musste passen. Aus dem Bistro wurde ein Coiffeursalon mit Bar. Den Coiffeursalon gibt’s noch. Eine Wand trennt heute den Barbetrieb vom Salon.

Der Versuch, aus der Bar ein Eventlokal zu machen, scheiterte. Auch die Küche, die ursprünglich zum Bistro gehörte, wird, hinter einer weiteren Wand, von jemand anderem genutzt. Gut 30 Quadratmeter Gastraum sind geblieben, die 20 bis 25 Personen Platz bieten.

Jeden Anderen hätte die Geschichte seiner Vorgänger wohl eher abgeschreckt. Nicht so Peter Gerwig: «Wir betreiben diese Bar quasi als Hobby. Wir müssen nicht leben davon. Was am Ende des Monats übrig bleibt, darüber kann Svetlana verfügen.»

«Keiner geht gleich heim»

Eine faire Übereinkunft, denn Svetlana, seine Ehefrau und Mutter von Louisa, der gemeinsamen Tochter, war es auch, die die Idee hatte, diese Apéro-Bar zu eröffnen. Sie hat sie eingerichtet und sie ist diejenige, die jeden Tag frische Amuse-Gueules und gluschtige Plättli für ihre Gäste zubereitet.

Dazu kann man sich ein Glas Wein, Prosecco oder Bier, auch andere prickelnde Aperitifgetränke sowie klare und farbige Brausen oder einfach einen Kaffee genehmigen. «Wir kennen das aus dem Tessin», erzählt Gerwig, der als Einmannunternehmen Laborgeräte vertreibt und KMU, vor allem aus dem Bauhandwerk, berät. «Da geht am Feierabend keiner direkt nach Hause. Da trifft man sich nach der Arbeit erst in der Bar, trinkt einen Aperitif, knabbert noch etwas und schwatzt mit den Leuten, die auch noch da sind.»

Bis das in der Deutschschweiz ebenso dazugehört, müssen Gerwigs wohl noch etwas Überzeugungsarbeit leisten, aber der Anfang ist gemacht. «Wir haben schon vier Stammgäste aus dem Dorf», freut sich Gerwig, «und wenn nach dem Training die Damen- oder Herrenriege vorbeikommt, dann wissen die auch schon ganz genau, wo sie sitzen wollen.»

Viele, die in Arni wohnen und jeden Tag nach Zürich pendeln, gingen aber wie mit Scheuklappen an ihrer Bar vorbei, meint der 57-Jährige, der es sich zum Ziel gemacht hat, etwas zum gesellschaftlichen Austausch in Arni beizutragen. «Wir wollen die Menschen mit unserem Angebot aus dem Tunnel reissen», sagt er, «damit hier etwas frischer Wind in diese Gemeinde kommt.»

Zwei in ihrem Element

Man spürt, wie sehr der weit gereiste Kaufmann aus dem Säuliamt und die Geschichtslehrerin mit kubanisch-russischen Wurzeln in ihrem Element sind, wenn sie Gäste bewirten und sich mit ihnen unterhalten können. «Es macht uns einfach Freude», sagt Peter Gerwig, «erst, wenn das nicht mehr so wäre, hören wir auf.»

Vorerst geht es aber noch darum, ihr Angebot weiter zu erproben und auch den Vorlieben ihrer Gäste anzupassen. Während er noch den Webauftritt des «Chreisel» aufbaut und den Einkauf besorgt, tüftelt sie daheim an neuen Häppchen, die sie in der Bar dann mit einem erwartungsvollen «Enjoy! – geniessen Sie’s!» serviert. Tochter Louisa, 14, wird bald flügge sein. Da dürfen wohl auch ihre Eltern etwas abheben: Montag bis Mittwoch, von 17 bis 22 Uhr, sowie Donnerstag und Freitag, von 17 bis 24 Uhr, ist ihre Bar geöffnet.