Hufschmids sind eine besondere Familie. Die acht Geschwister wuchsen auf dem elterlichen Bauernhof in Nesselnbach auf. Allein 2018 hat die Aargauer Zeitung über Bruno Hufschmid berichtet, der den Mount Everest bezwungen hat, über Guido Hufschmid, der im kommenden Frühling das Schweizer Team als Trainer an die Special Olympics in Abu Dhabi begleiten darf. Und im vergangenen Herbst haben Guido und Martin Hufschmid gemeinsam eine alte Brücke samt Klosterfrauen mit Stumpen, einem Motorrad, Elvis und Marylin und mehreren Raben als Schmuck mitten auf den Kreisel bei Tägerig gestellt. Und das sind nur einige Beispiele. Ob sie nun im Rampenlicht stehen wollen oder nicht, mit ihren ausgefallenen Ideen und einem gewissen Eigensinn schaffen sie es immer wieder, genau dort zu landen.

Manchmal einfach, indem sie anderen eine Freude machen oder versuchen, zu helfen. So wie Martin Hufschmid, der zusammen mit seiner Partnerin Anna Stöcklin vor vier Jahren das «Pot au feu» eröffnet hat, einen hübschen dreieckigen Ausstellungsraum mitten im Fischbach-Gösliker Industriegebiet, wo Kunstschaffende, «die wir gern haben», ihre Werke ausstellen können, wie Stöcklin mit einem Lächeln sagt. Hufschmid ergänzt: «Es ist schön, dort und auch in unseren Kursen können wir manchmal ein bisschen Geburtshelfer spielen bei Künstlern, die noch gar nicht wissen, welches Potenzial in ihnen steckt.»

Er liebt seinen Job

Nun stellt der Hausherr für einmal selber aus. Vom 24. November bis 2. Dezember sind im «Pot» verschiedene seiner Werke zu sehen und natürlich auch zu kaufen, die er von 1988 bis heute aus den unterschiedlichsten Materialien gefertigt hat. Denn Martin Hufschmids Kunst hat in keiner Schublade oder Kunstkategorie Platz. Darum findet er grundsätzlich auch das Wort Künstler unnötig.

Martin Hufschmid kann sich mit allen Materialien anfreunden. Und er liebt seine Arbeit. Tatsächlich hat sich der heute 64-jährige gelernte Maschinenschlosser vor etwa 30 Jahren selbstständig gemacht. Zu wie viel Prozent er für die Martin Hufschmid GmbH, Werkstatt für Metallgestaltung, arbeitet, die lediglich einen Steinwurf von seinem leuchtend blauen Daheim und dem orangen «Pot au feu» entfernt ist, kann er gar nicht sagen. «Es gibt Zeiten, da bin ich mehrere Wochen beispielsweise mit der Revision der Maschinen in der Kompostieranlage meines Bruders beschäftigt, dann organisiere ich wieder mehrere Tage lang eine Ausstellung oder gebe Holzkurse. Und sehr häufig fertige ich ja auch Metallsockel und dergleichen für die Werke anderer Kunstschaffender an. Das geht alles ineinander über. Und genau so gefällt es mir», sagt er lächelnd und blättert in einem seiner unzähligen Ausstellungskataloge auf dem selbst gebauten Tisch.

«Ich mache das anders»

Als er sich damals selbstständig gemacht hat, war Martin Hufschmid verheiratet und hatte drei kleine Kinder. «Am Wochenende habe ich sie oft mit in die Werkstatt genommen, wo wir an irgendetwas gebastelt haben. Das hat uns allen sehr gefallen.» Schon immer hatte in ihm eine künstlerische Ader geschlummert. Als die Kinder dann älter waren, konnte er diese immer mehr ausleben.

Als erstes besuchte er einen Kunstkurs in Zürich, bei dem es um Zeichnen, Malen und Druckgrafiken ging. Bald schon eröffnete er mit Freunden aus dem Kurs für ein Jahr eine kleine Galerie in Zürich. So kam er immer mehr mit der Kunstszene in Kontakt. In Kursen und daheim wagte er sich von seinem Grundstoff, dem Metall, über Holz zu Stein vor. In einem dieser Kurse zur Steinbearbeitung lernte er seine heutige Partnerin Anna Stöcklin kennen. Sie erinnert sich: «Martin hatte damals schon seinen ganz eigenen Kopf. Sein Motto ist ja noch heute: ‹Ich mache das anders.› Anfangs fand ich es lustig, denn er musste wirklich jeden Anfängerfehler einmal gemacht haben, jede mögliche Bruchstelle ist bei seinen Steinen gebrochen. Aber dadurch hat er so viel gelernt, dass er uns andere schon bald überflügelt hat.» So könne es gut sein, dass er einen Stein auf eine Art behaue, wie es ein Steinbildhauer nie tun würde. «Dafür erhält er auch ein Resultat, wie es sonst keiner erhalten würde», freut sich Stöcklin und lächelt ihn stolz und liebevoll an.

Hufschmid blickt durch die grosse Fensterfront im Wohnzimmer über die Industrie bis zur Reuss hinunter und sagt: «Wenn ich schon aus meinem Leben erzähle, muss ich auch mein Vorbild erwähnen.» Der Fahrwanger Martin Ruf sei nicht nur Zeichnungslehrer gewesen, sondern auch begeisterter Künstler und einfach ein lieber Mensch. «Er hat mir nach seinem Tod all sein Werkzeug hinterlassen.»

Zu allem die passende Idee

Seine Bilder, Fotos und vor allem seine Skulpturen gehen vom Abstrakten bis zum Figürlichen. Was allen gleich ist: Sie haben eine Geschichte. Und wenn es nur die ist, dass Hufschmid beim Znüni ein Apfelringli anschaut und findet: «Hä, da hed äno e schöni Form.» So entstand eine ganze Serie Apfelringli aus verschiedenen Materialien, auf denen man teilweise sogar sitzen kann. Eine andere Geschichte: Für die Schule Wohlenschwil sollte er Kunst am Bau gestalten. «Ich bat die Lehrpersonen der unteren Klassen um Schülerzeichnungen und bildete diese als grosse Metallskulpturen ab.» Er findet sehr wohl Gefallen an abstrakter Kunst, aber zu einer Schule, sagt er, gehört etwas, das auch den Kleinen Freude macht.

Auch Handgepäck war ein Thema, das Martin Hufschmid lange begleitet hat. Dabei entstammte die Idee einem einzigen, symbolträchtigen Gegenstand: dem Portemonnaie seines Vaters. «Ich weiss noch, als er gestorben war, hat es meine Mutter auf die Kommode gelegt und sich manchmal daran festgehalten. Er hatte es immer bei sich gehabt. Und es hatte eine so schöne Form, dass ich es irgendwann aus Stein gehauen habe.» Wenn Anna Stöcklin heute ihre Tasche sucht, muss sie aufpassen, dass sie nicht plötzlich nach einer aus Stein greift, so echt hängen sie von den Kleiderhaken.