Affäre in Wohlen
Anwalt vermutet: Dubler will Verfahren bis zur nächsten Wahl verzögern

Der angeklagte Wohler Ammann Walter Dubler sagt, er werde mit den Behörden zusammenarbeiten, um die Vorwürfe gegen ihn möglichst rasch zu klären. Rechtsanwalt Markus Leimbacher glaubt hingegen, dass Dubler das Verfahren verzögern will – auch aus finanziellen Gründen.

Fabian Hägler
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An der Einwohnerratssitzung vom 12. Oktober 2015 verliest der angeklagte Wohler Gemeindeammann Walter Dubler eine Stellungnahme.

An der Einwohnerratssitzung vom 12. Oktober 2015 verliest der angeklagte Wohler Gemeindeammann Walter Dubler eine Stellungnahme.

André Albrecht

Walter Dubler kündigte am Montag in einer persönlichen Erklärung im Einwohnerrat Wohlen an, er werde vollständig mit den Behörden kooperieren und vor Gericht seine Sicht der Dinge darlegen.

Auch in der laufenden Administrativuntersuchung des Regierungsrats, die zur Suspendierung oder Entlassung Dublers führen könnte, werde er alle verlangten Unterlagen liefern. Er versprach zudem, sich dafür einzusetzen, «dass die Angelegenheit möglichst rasch geklärt werden kann.»

Markus Leimbacher.

Markus Leimbacher.

Christoph Voellmy

Rechtsanwalt Markus Leimbacher, einst selber Gemeindeammann von Villigen, geht indes von einem längeren Verfahren aus. «Es gibt diverse Möglichkeiten, die Fristen für Stellungnahmen erstrecken zu lassen und Entscheide anzufechten», gibt er zu bedenken. Leimbacher rechnet damit, dass Dubler sich gerichtlich gegen eine Suspendierung oder Entlassung durch den Regierungsrat wehren wird.

«Eventuell plant er, das Verfahren bis zu den nächsten Wahlen im Herbst 2017 zu verzögern und dann nochmals anzutreten», vermutet Leimbacher. Dies hat auch einen finanziellen Hintergrund: Würde Dubler dann abgewählt, hätte er Anspruch auf eine Abgangsentschädigung in der Höhe eines Jahresgehalts.

Würde Dubler hingegen zurücktreten, bei den nächsten Wahlen nicht mehr kandidieren oder eine Entlassung durch den Regierungsrat akzeptieren, würde keine Entschädigung fällig. In diesen Fällen würde der heute 60-Jährige gemäss Leimbacher auch keinen Lohn mehr erhalten, sobald er als Gemeindeammann ersetzt ist.

Anders schätzt der Spezialist für Gemeinde- und öffentliches Arbeitsrecht die Folgen einer Suspendierung ein. «Dann würde Herr Dubler weiter Lohn erhalten», sagt Leimbacher. Dasselbe dürfte seiner Einschätzung nach gelten, wenn der Wohler Ammann eine Entlassung anfechten würde. «Einen solchen Fall hat es noch nie gegeben, aber ich gehe davon aus, dass ihm die Gemeinde bis zu einem rechtskräftigen Urteil weiter den Lohn zahlen müsste.»