Wohlen

Angenagte Äste und umgekippte Bäume: Die Biber kommen zurück in die Bünz

An mindestens zwei Stellen des Bünzufers zwischen Waltenschwil und Wohlen sind Biberspuren zu erkennen.

An mindestens zwei Stellen des Bünzufers zwischen Waltenschwil und Wohlen sind Biberspuren zu erkennen.

In der Schweiz wurden die Biber einst ausgerottet, mittlerweile erholen sie sich wieder langsam. In Wohlen wurde einer in der Bünz gesichtet.

Naturfreunden, die regelmässig der Bünz entlang spazieren, sind die Spuren des Bibers vielleicht schon aufgefallen. Am Ufer entlang sieht man vereinzelt angenagte Äste und umgekippte Bäume. Eigentlich sollte dies nichts Aussergewöhnliches sein, da die Biber in der Schweiz einheimisch sind. Der Bestand ist aber lange nicht mehr so gross, wie er es war. Der Grund dafür liegt zurück in der Vergangenheit.

Der Biber wurde in der Schweiz ausgerottet

Marianne Rutishauser, Projektleiterin der Aktion Biber & Co. Reusstal von Pro Natura, erklärt: «Im 19. Jahrhundert hat man die Tiere in der Schweiz komplett ausgerottet. Den Bibergeildrüsen der Biber wurden heilende Kräfte zugesprochen und aus dem Fell Hüte hergestellt.

Ausserdem konnte man sein Fleisch zur Fastenzeit essen, da er aufgrund seines schuppigen Schwanzes als Fisch galt.» Erst in den 60ern sei wieder versucht worden, den Biber in der Schweiz zu etablieren. Dazu wurden Biber ausgesetzt, die sich in der Natur niederlassen sollten. Trotz Erfolg ist der Biber aber hierzulande immer noch eine bedrohte Art.

Inzwischen sind die Nager immerhin wieder häufiger anzutreffen, auch wenn dies ein wenig länger gedauert hat. Bevorzugt halten sie sich in grossen Flüssen auf oder in deren Nebenzweigen. Grosse Flüsse eignen sich am besten, da der Biber dort kein Wasser stauen muss.

Schlecht vernetzte Gewässer werden dagegen eher gemieden. Mit diesen Lebensbedingungen, die ein Biber braucht, ist es auch nicht erstaunlich, dass einer in der Bünz zwischen Wohlen und Waltenschwil gesichtet wurde.

Biber nisten sich wieder in der Bünz ein

«Wahrscheinlich handelt es sich bei dem Biber, der in Wohlen auftauchte, um einen, aus einem bekannten Revier», sagt Marianne Rutishauser. «In der gesamten unteren Bünz wurden während der Biberzählung 2018 ganze drei Familienreviere gefunden.»

Drunter sei auch eines im Raum Waltenschwil/Bünzen. Der Verdacht liege also nahe, dass es sich um ein Tier von dort handle. Rutishauser sagt: «Manchmal gehen Biber auch auf Erkundungstouren und hinterlassen dabei einzelne Nagespuren. Das Revier eines Bibers kann von 500 Metern Wasserlinie bis zu zwei Kilometer Wasserlinie ziehen.»

Biber fördern die Biodiversität ihres Reviers

Neben dem, dass die Tiere niedlich sind und dem einen oder anderen Spaziergänger den Tag versüssen, können sie ausserdem sehr förderlich für die Biodiversität eines Ökosystems sein. «Durch Biberdämme entstehen in Bächen oftmals kleine Teiche, dort kann es zu einem Boom von Grasfröschen und Erdkröten kommen, die feuchte Gebiete lieben. Durch die Nager entstehen auch neue Totholzstrukturen, die für viele Arten den optimalen Lebensraum bieten», erzählt die Projektleiterin.

Vereinzelt können die Nagetiere aber auch Probleme verursachen. «Manchmal stören sich Anwohner an den gefällten Bäumen. Biber ernähren sich aber bevorzugt von der Rinde von Weichhölzern. Diese sind an den Biber angepasst und können schnell wieder ausschlagen», so Rutishauser.

Die Biber können auch Landwirten ein Dorn im Auge sein. Marianne Rutishauser sagt: «Manchmal befindet sich ein Biberbau zu nahe an einem landwirtschaftlichen Betrieb. Dann kann es vorkommen, dass durch das Stauen Flächen vernässt werden.» In Wohlen sollte dies aber kein Problem darstellen.

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