Affäre in Wohlen

Angeklagter Ammann: Walter Dubler pocht auf Unschulds-Vermutung

Der angeklagte Gemeindeammann von Wohlen, Walter Dubler, ist am Montagabend im Einwohnerrat aufgetreten und beklagte sich über eine angebliche Vorverurteilung. Bei der Untersuchung wolle er mit dem Regierungsrat kooperieren.

Rücktritt, Amtsenthebung oder Suspendierung – das fordern die Wohler Parteien mit Blick auf den angeklagten Gemeindeammann Walter Dubler. Die CVP hält in einer Mitteilung fest, man könne nicht akzeptieren, «dass sich der Gemeindeammann anscheinend persönliche Vorteile verschafft hat».

Ausserdem sei der Vertrauensverlust in die politischen Institutionen bei der breiten Bevölkerung «in höchstem Masse schädlich». Auch die SP stellt fest: «Es herrscht derzeit Stillstand, das Vertrauen zwischen den politischen Akteuren ist angekratzt und wichtige Geschäfte drohen zu scheitern.»

«Eine weitgehende Vorverurteilung meiner Person»: Am Montagabend verliest Walter Dubler diese Erklärung.

Walter Dubler verliest die Erklärung

Die FDP teilte bereits im September mit, aus ihrer Sicht sei «die persönliche Integrität des Gemeindeammanns durch seine unentschuldbaren Handlungen zerstört».

SVP: «Belastung des Systems»

Der angeklagte Ammann sass am Montagabend am Gemeinderatstisch, als sich der Wohler Einwohnerrat zur Budgetsitzung traf. Gleich zu Beginn musste sich Dubler noch mehr Kritik anhören. Die SVP dankte dem Gemeinderat in einer Fraktionserklärung «ausdrücklich für den richtigen Entscheid», beim Regierungsrat die Suspendierung des Gemeindeammanns zu beantragen.

«Die Belastung des politischen Systems unserer Gemeinde durch den Fall Dubler muss ein Ende haben», hielt Urs Stäger fest. Die SVP wünsche und hoffe, «dass sich die aktuelle Situation zum Wohl unserer Gemeinde rasch klärt».

Gemeinderat will Dubler suspendieren

9.10.2015: Wohler Gemeinderat will Ammann Walter Dubler suspendieren

Dubler hörte dem Sprecher mit verschränkten Armen, steinerner Miene und zusammengekniffenen Augen zu. Dann erhob sich der Ammann und verlas eine persönliche Erklärung. «In den vergangenen Tagen hat in den Medien und auf der politischen Ebene eine weitgehende Vorverurteilung meiner Person stattgefunden», sagte Dubler mit hörbar bewegter Stimme.

Er werde als Schuldiger an den Pranger gestellt, ohne dass die Vorwürfe gegen ihn kritisch hinterfragt oder überprüft würden. «Bis zur rechtskräftigen Feststellung des Gegenteils gilt jedermann als unschuldig», hielt Dubler weiter fest. Er erwarte, dass dieser Grundsatz der Unschuldsvermutung auch ihm gegenüber respektiert werde.

Dubler kündigte an, er werde bei der laufenden Administrativuntersuchung «uneingeschränkt mit dem Regierungsrat kooperieren und alle gewünschten Unterlagen und Informationen vorlegen».

8.10.2015:  Aargauer Staatsanwaltschaft klagt Wohler Gemeindeammann Walter Dubler offiziell an

8.10.2015: Aargauer Staatsanwaltschaft klagt Wohler Gemeindeammann Walter Dubler offiziell an

Als langjähriger Ammann von Wohlen sei er sich der politischen Tragweite der aktuellen Situation bewusst. «Insbesondere nehme ich den Antrag des Gemeinderats an den Regierungsrat ernst», sagte Dubler mit Blick auf die beantragte Suspendierung.

Weiter stellte Dubler in Aussicht, er werde beim Regierungsrat dazu Stellung nehmen und seinen Standpunkt darlegen. «Auf diesem Weg kann und wird die Angelegenheit geklärt werden», gab sich Dubler überzeugt. Dies benötige eine gewisse Zeit, er werde sich aber dafür einsetzen, «dass dies so rasch wie möglich geschehen kann».

Regierung tagt am Mittwoch

Der Fall ist inzwischen in diversen Medien ein Thema. «Blick.ch» bezeichnete Dubler am Montag als «unverschämtesten Politiker der Schweiz» und spekulierte, dieser habe es «so übel getrieben, dass er wohl am Mittwoch abgesetzt wird». Tatsache ist: Am Mittwoch findet eine Sitzung des Regierungsrats statt. Dass aber dann schon eine Entscheidung im Fall Dubler getroffen wird, scheint sehr unwahrscheinlich.

Wohl sagt Regierungssprecher Peter Buri, man wolle möglichst rasch über den Antrag befinden. Allerdings müssen auch die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sein: Der Rechtsdienst des Regierungsrats benötigt Einsicht in die Akten, insbesondere in die Anklageschrift, zudem muss Dubler das rechtliche Gehör gewährt werden.

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