«Nein, dazu habe ich keinen Befehl gegeben. Diese Pressemitteilungen verfasst Gemeindeschreiberin Cornelia Hermann in eigener Kompetenz. Aber ich finde es sehr gut, wie sie das macht», sagt Andreas Glarner, Gemeindeammann von Oberwil- Lieli, auf Anfrage der az.

Es geht um die Publikation der Ergebnisse von Radarkontrollen der Regionalpolizei Bremgarten (Repol). Am 12. April hat sie in Oberwil-Lieli an der Berikonerstrasse in Fahrtrichtung Mutschellen, innerorts im 50 km/h-Bereich eine Radarkontrolle gemacht. Das in den Gemeindenachrichten von Oberwil-Lieli veröffentliche Ergebnis liest sich so: «Total wurden 127 Übertretungen festgestellt. Davon 100 mit Aargauer Kontrollschildern, 26 andere inländische Kontrollschilder und ein ausländisches Kontrollschild.»

Der Bericht über die Kontrolle vom 1. Mai an der Lielistrasse lautet wie folgt: «Insgesamt gab es zwei Übertretungen, wovon eine mit Aargauer Kontrollschild und eine mit anderem inländischen Kontrollschild».

Kein Ausländer, nur ein Glarner

Am 1. Mai hat die Repol in Oberwil-Lieli also keinen Ausländer erwischt, dafür den Gemeindeammann. Das steht nicht in den Gemeindenachrichten, Glarner hat es der az aber freimütig erzählt: «An jenem Tag war ich wieder mal zu schnell. Das kann passieren, wenn man so viel unterwegs ist wie ich und oft unter Termindruck.»

Warum meldet Oberwil-Lieli, wenn in ihrem Dorf Ausländer geblitzt werden, aber nicht, wenn es den Ammann im eigenen Dorf (wieder einmal) erwischt hat? Glarner lacht: «Die Regionalpolizei gibt der Gemeinden alle statistischen Daten über ihre durchgeführten Kontrollen bekannt, sofern diese öffentlich sind. Namen gehören nicht dazu, sie unterstehen dem Amtsgeheimnis. Zum Glück, sonst käme ich noch mehr in der Zeitung.» Nur Oberwil-Lieli veröffentlicht diese statistischen Angaben so detailliert. «Das hat bei uns Tradition und wurde schon vor meiner Zeit so gehandhabt», sagt Gemeindeschreiberin Cornelia Hermann. Sie erachte das als transparente Information für die Einwohnerschaft.

Genau das sagt auch der Ammann: «Ich finde, die Bevölkerung hat ein Recht darauf, das zu wissen.» Tatsächlich verfügen alle Gemeinden im Einzugsgebiet der Repol Bremgarten über diese Angaben. Auch sie könnten jeweils melden, wie viele Autos mit Aargauer Kontrollschildern, solchen aus anderen Kantonen oder aus dem Ausland in ihrem Dorf geblitzt worden sind. Aus den statistischen Angaben lässt sich aber nicht herauslesen, ob und mit welcher Geschwindigkeit – beispielsweise ein Glarner, Berner oder Zürcher – geblitzt worden ist.