Seit zehn Jahren ist Andreas Glarner schon Gemeindeammann in Oberwil-Lieli. In dieser Zeit hat er alles getan, damit sein Dorf keine Flüchtlinge aufnehmen muss: Er liess unter anderem baufällige Häuser abreissen und die Gemeinde kaufte sich mit einer Ersatzabgabe an den Kanton von der Aufnahmepflicht frei.

Überraschend hat die Gemeindeversammlung von Ende November entschieden, dass Oberwil-Lieli künftig Asylbewerber aufnehmen soll. Glarner empfindet dies nicht als Niederlage, wie er im «TalkTäglich» bei Tele M1 sagte. «Es kamen viele Gegner und einige Befürworter unserer Politik an die Versammlung, wer zu Hause blieb oder sich der Stimme enthielt, hat den Kürzeren gezogen.»

Der Gemeinderat habe sich diesem Volksentscheid – gegen den eine Beschwerde hängig ist und das Referendum ergriffen wurde – zu fügen. «Bis jetzt gab es nie Widerstand im Dorf, ich durfte davon ausgehen, dass meine Politik getragen wird. Wenn nun eine Mehrheit will, dass wir Asylbewerber aufnehmen, dann werden wir das auch tun.»

Andreas Glarner über den Asylstreit von Oberwil-Lieli

Andreas Glarner über den Asylstreit von Oberwil-Lieli: Sehen Sie hier die ganze Sendung "TalkTäglich" vom Dienstagabend.

Glarner, der sich im Nachhinein betont locker gab, hatte aber vor der «Gmeind» mit einem anonymen Flugblatt versucht, Asylgegner zu mobilisieren. Von az-Chefredaktor und Moderator Christian Dorer darauf angesprochen, wehrte er sich. «Das Flugblatt zu machen, war ein Entscheid der lokalen SVP, ich habe es mit der Parteipräsidentin gestaltet, drucken und der Dorfzeitung beilegen lassen.»

Glarner sagte aber, heute würde er das Flugblatt nicht mehr mit «Bürgerliche Kräfte Oberwil-Lieli» unterzeichnen, sondern SVP darauf schreiben. Dennoch ist er überzeugt, dass es in seinem Dorf eine schweigende Mehrheit gebe, die keine Asylbewerber wolle.

«Gemeinderat ist nicht korrupt»

Den Antrag, Flüchtlinge aufzunehmen, hatte die 24-jährige Studentin Johanna Gündel gestellt. Später sagte sie, in Oberwil-Lieli würden Reiche bevorzugt, der Gemeinderat nehme es in solchen Fällen mit den Vorschriften nicht so genau.

Glarner stellte dies im TV-Studio energisch in Abrede. «Die Behauptung, dass wir eine Bananenrepublik sind und der Gemeinderat korrupt ist, können wir uns von niemandem bieten lassen.»

Andreas Glarner kreiert anonyme Flugblätter

Ammann Andreas Glarner kreierte anonyme Flugblätter vor der Gmeind (11.12.2015)

Deshalb habe der Gemeinderat Gündel aufgefordert, ihre Aussagen zu belegen oder zu widerrufen – sonst droht ihr eine Anzeige. Ihre Antwort steht aus, Glarner gab sich aber versöhnlich: «Es kommt bei jungen Leuten vor, dass sie sich weit aus dem Fenster lehnen. Wir wollen das nicht hochkochen, sondern ihr eine Brücke bauen, damit sie aus der Sache herauskommt.»

Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird diese Auseinandersetzung beigelegt sein, bevor geklärt ist, ob Flüchtlinge in Oberwil-Lieli aufgenommen werden.

Glarner betonte, er habe nichts mit dem Referendum dagegen zu tun. «Dahinter stehen Privatpersonen, bürgerliche Kräfte im wahrsten Sinn des Wortes.» Glarner wiederholte, er sei bereit, Asylbewerber aufzunehmen: «Das sind acht Stück, mein Gott, das ist doch kein Problem – aber wir senden ein völlig falsches Signal.»