Analyse
Die Frauen sind im Freiamt die grossen Siegerinnen – die SVP muss bei den Gemeinderatswahlen hartes Brot essen

Bei den Wahlen in die Freiämter Exekutiven am Sonntag haben speziell die Frauen gepunktet. Ihr Sitzanteil in den Gemeinderäten hat um mehr als 25 Prozent zugelegt. Während auch die GLP Sitze erobert, geht die SVP vor allem in den Kampfwahlen als Verliererin aus dem Rennen. Die Analyse.

Marc Ribolla
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Vor ziemlich genau einem Jahr, im Oktober 2020, hatten die Freiämter Frauen nach den Grossratswahlen wenig zu lachen. Nur noch 4 der 23 Sitze der Bezirke Bremgarten und Muri sind seither in Aarau noch in Frauenhand. Der Frauenanteil sank damals um drei Sitze und wurde fast halbiert.

Ein Jahr später und eine politische Ebene tiefer sieht die Lage nun komplett anders aus. Auch wenn Gemeindewahlen ein sehr lokales Thema sind, zeigte sich am Sonntag bei den Gesamterneuerungswahlen in die Gemeinderäte, dass die Frauen im Freiamt politisch wieder deutlich mehr mitbestimmen können.

In nicht weniger als 13 der 41 Gemeinden der Region sitzen in der kommenden Amtsperiode 2022/25 mehr Frauen im Gemeinderat als bisher. Ihr Nettoanteil ist von 44 auf 56 Plätze gestiegen – oder um rund 27 Prozent. Einzig in Sins und Abtwil (jeweils minus 1 Sitz) verringerte sich der Frauenanteil gegenüber den letzten Wahlen von vor vier Jahren.

Carolynn Handschin-Tanner ist neu im Gemeinderat Muri.

Carolynn Handschin-Tanner ist neu im Gemeinderat Muri.

Melanie Burgener

In Rottenschwil bilden die Frauen hingegen mit drei Sitzen neu sogar die Mehrheit im Rat. Bemerkenswert ist auch Jonen. In der Kellerämter Gemeinde setzten sich in der Kampfwahl die beiden Kandidatinnen Doris Haas und Julia Huber gegen drei männliche Mitbewerber durch und erhöhen die Frauenquote um einen Schlag um zwei Sitze. Nur in fünf Gemeinden (Hägglingen, Uezwil, Unterlunkhofen, Besenbüren und Geltwil) sind keine Frauen in der Exekutive vertreten. Das gilt auch noch für Abtwil, dort ist allerdings noch ein Sitz vakant.

Drei langjährige Räte aus dem Amt gewählt

Was des einen Freud ist des anderen Leid. Einen besonders schwarzen Sonntag erlebten vier amtierende Gemeinderäte, die vom Stimmvolk abgewählt worden sind. Auffallend dabei: Bei Hegglin (SP, Villmergen), Huwiler (Die Mitte, Wohlen) und Schmid (SVP, Merenschwand) handelt es sich um Räte, die alle zwischen 15 und 27 Jahre im Amt sind. Die Stimmberechtigten wollten eine Veränderung im Gremium, was ihnen nicht vorgeworfen werden kann.

Etwas anders liegt der Fall beim vierten Abgewählten, dem Arner Roland Basler. Der Parteilose wurde erst im Februar 2020 in einer Ersatzwahl (damals als einziger Kandidat) gewählt und machte damals 255 Stimmen. Nun hat er zwar 311 Stimmen totalisiert, was ihm aber dennoch nicht reichte. Weshalb Arni ihn nicht mehr als Gemeinderat möchte, ist unklar. Einen Fauxpas hat sich Basler in der nur sehr kurzen Amtsdauer keinen geleistet.

GLP von null auf vier – SVP kann nicht zusätzlich punkten

Für einen kleinen bemerkenswerten parteipolitischen Umbruch sorgte die GLP, die zu den Aufsteigern der Wahlen gehört. Vor vier Jahren lag ihre Zahl der Gemeinderatssitze noch bei: null. Seit Sonntag sind es deren vier.

Patrik Luther (GLP) ist neu Gemeinderat in Rudolfstetten.

Patrik Luther (GLP) ist neu Gemeinderat in Rudolfstetten.

zvg

Dazu zählt Muris Gemeindepräsident Hans-Peter Budmiger, der im Laufe dieser Amtsperiode in die Partei eintrat. Andererseits eroberten die Grünliberalen mit Petra Oggenfuss Feldgrill (Berikon), Patrik Luther (Rudolfstetten) und Ramon Winterberg (Sarmenstorf) drei zusätzliche Mandate. Auch in Bremgarten (Schmid) und Merenschwand (Schär) erzielte die GLP achtbare Resultate und verpasste die Wahl nur knapp.

Einen schwierigen Stand hatte hingegen die SVP. Sie konnte mit Ausnahme des Merenschwanders Daniel Schmid zwar ihre bisherigen Sitze in den Gemeinderäten halten, vermochte aber ansonsten nicht zuzulegen. In praktisch allen Gemeinden, in denen es zu Kampfwahlen kam, vermochte die SVP mit ihren neuen Kandidatinnen und Kandidaten nicht zu punkten.

Sie war fast überall ohne Aussicht auf einen zusätzlichen Wahlerfolg, sei es in Wohlen mit Einwohner- und Grossrat Roland Büchi, in Bremgarten mit Ortsparteipräsident Claudio Müller oder in Sarmenstorf mit Marc Taeschler, um nur einige Namen zu nennen.

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