Schwere Körperverletzung
An Sinser Chilbi Festhelfer verprügelt – Obergericht erhöht Strafe

Das Aargauer Obergericht erhöht die Strafe gegen einen Mann, der an der Sinser Chilbi einen Festhelfer verletzt hat.

Jörg Meier
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Der Beschuldigte soll dem Festhilfer, der am Boden lag, getreten haben. (Symbolbild)

Der Beschuldigte soll dem Festhilfer, der am Boden lag, getreten haben. (Symbolbild)

Oliver Menge

An der Sinser Chilbi 2014 schlugen morgens um zwei Uhr ein Jugendlicher und ein junger Mann grundlos einen Festhelfer zusammen und traktierten ihn mit Fusstritten. Der Helfer erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma und verlor einen Zahn. Der jüngere Täter musste sich bereits vor zwei Jahren vor der Jugendanwaltschaft verantworten und war geständig; die angeordneten Massnahmen zeigen offensichtlich Wirkung: Er lebt vorderhand im Jugendheim und absolviert dort auch eine Lehre. Der ältere Täter, damals auch erst 20-jährig, aber mehrfach vorbestraft, wurde im Mai 2015 vom Bezirksgericht Muri wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt; für sechs Monate sollte er ins Gefängnis.

Die Version des Täters

Mit dem Urteil waren weder der Staatsanwalt noch der Beschuldigte einverstanden. Der Staatsanwalt verlangte ein höheres Strafmass, der Verteidiger bestritt die versuchte schwere Körperverletzung. So traf man sich fast drei Jahre nach der Schlägerei vor Obergericht wieder. Die doch relativ grosse zeitliche Distanz zur Tat brachte es mit sich, dass die unmittelbare Erinnerung an den genauen Tathergang bei Täter, Zeugen und Opfer offenbar schon einigermassen verblasst war, was dem Obergericht unter dem Vorsitz von Robert Fedier die Arbeit nicht erleichterte.

Mit minutiösen Befragungen versuchte das Obergericht, das Tatgeschehen vom 12. Oktober 2014 zu rekonstruieren. Der Beschuldigte beklagte sich, dass viel Falsches über seinen Anteil an der Schlägerei erzählt worden sei. Gemäss seiner Version war er in jener Nacht stark alkoholisiert. Keineswegs habe er den Festhelfer attackieren wollen. Er sei auch nicht wie eine Furie auf ihn losgestürmt; vielmehr sei er hinter seinem jüngeren Kollegen hergerannt, um diesen zu hindern, den Festhelfer niederzuschlagen. Leider sei er zu spät gekommen, der Mann sei bereits am Boden gelegen und habe sich schützend die Hände vors Gesicht gehalten. Doch plötzlich habe das Opfer ihn heftig zwischen die Beine getreten, erklärte der Beschuldigte, und da habe er halt mit dem Fuss, einmal, aber höchstens zweimal leicht gegen die Schulter des Opfers getreten.

Teilbedingte Strafe

Der inzwischen 23-jährige Beschuldigte wohnt bei seinen Eltern, hat keine Ausbildung, lebt zeitweise von der Sozialhilfe, kann jetzt aber ein Praktikum in einer Bäckerei beginnen. Seit der Schlägerei vor drei Jahren habe sein Mandant sich nichts zuschulden kommen lassen, sagte der Verteidiger. Das stimme nicht, konterte der Staatsanwalt und präsentierte einen Strafbefehl aus dem Kanton Zug, von dem der Verteidiger nichts wissen konnte, weil der Beschuldigte ihn nicht informiert hatte.

Das Obergericht kam einstimmig zum Schluss, dass der Tatbestand der versuchten vorsätzlichen schweren Körperverletzung erwiesen sei. Es erklärte die Aussagen der Zeugen im Gegensatz zu den Aussagen des Beschuldigten als glaubhaft. Entsprechend erhöhte das Obergericht das Strafmass von 18 auf 21 Monate Freiheitsstrafe; für 11 Monate wird der bedingte Strafvollzug gewährt; der Beschuldigte muss 10 Monate ins Gefängnis.