Sozialdienst Wohlen
«Am schwersten trifft es Alleinerziehende» – Beraterin Anita Noll über Kurzarbeit und Arbeits­losigkeit

Anita Noll vom kirchlichen regionalen Sozialdienst Wohlen berät, wenn der Lohn nicht mehr reicht.

Nathalie Wolgensinger
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Hilft und berät Menschen in Notsituationen: Anita Noll vom kirchlich regionalen Sozialdienst.

Hilft und berät Menschen in Notsituationen: Anita Noll vom kirchlich regionalen Sozialdienst.

Nathalie Wolgensinger

Eine unerwartete Reparatur am Auto: Das ist oft der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. «Solche und ähnliche Fälle hatten wir oft in der vergangenen Zeit», bestätigt Anita Noll vom kirchlichen regionalen Sozialdienst Wohlen. Die Beratungsstelle der katholischen Kirchgemeinden wird von Caritas Aargau geführt und steht allen Hilfesuchenden offen. Seit Ausbruch der Coronapandemie hat sich die Nach­frage nach Hilfe akzentuiert. Wer vorher knapp kalkulieren musste, dem geht wegen Kurzarbeit oder Arbeits­losigkeit Ende des Monats das Geld aus. «Am schwersten trifft es Alleinerziehende und Menschen, die vorher in Kurzarbeit beschäftigt waren und nun ihre Arbeitsstelle verloren haben», so Noll. Ihnen stehe nun weniger Geld zur Verfügung bei gleichbleibenden Ausgaben, verdeutlicht sie die Situation.

Beim kirchlich regionalen Sozialdienst berät man, prüft das Budget und vermittelt an Beratungsstellen weiter. Seit ein grosser Teil der Ämter nur noch telefonisch erreichbar ist, wenden sich auch viele Personen mit Migrations­hintergrund an Noll und ihr Team. «Die Sprachkenntnisse reichen oft nicht, um sich am Telefon zu verständigen. Da können wir helfen», sagt sie. Belastend für ihre Klienten seien die immer wieder ändernden Coronaschutz­massnahmen von Bund und Kanton. Viele verstünden die Verordnungen nicht oder zu wenig. Dies trage zur Ermüdung der Menschen bei, beobachtet sie. Hilfe im Dickicht der Verordnungen brauchen auch Personen, die ihre Familie aus dem Heimatland nachziehen möchten. Die Herkunft ihrer Klienten habe sich durch Corona jedoch nicht verändert.

Rückläufige Nachfrage seit der zweiten Welle

Anita Noll stellt fest, dass die Nachfrage nach Beratung seit der zweiten Welle rückläufig ist. Diese Tendenz hält sie jedoch für einen Burgfrieden. Sobald die Restriktionen wieder gelockert würden, kämen auch die Anfragen für Beratungen wieder, ist sie überzeugt. Und was ist mit der unbezahlten Rechnung für das Auto, die das ganze Haushaltsbudget ins Wanken bringt? «Wenn es sich um eine sinnvolle und nachhaltige Investition handelt, sind wir bereit, die Ausgabe zu übernehmen», sagt sie und weist darauf hin, dass der Sozialdienst nicht regelmässig, sondern jeder Person nur einmal finanziell unter die Arme greife.