Bremgarten
Am Markt der Vielfalt fehlte es nicht an Authentizität

Natasha Hähni
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Kurt Fasnacht aus Küttingen und seine "Müllersfamilie"
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Die 5-jährige Céline aus Eggenwil kommt seit vier Jahren jedes Jahr und wird immer besser im Bogenschiessen.
Leute und Berufe am Markt der Vielfalt in Bremgarten
Leute und Berufe am Markt der Vielfalt in Bremgarten
Markt der Vielfalt
Märni, Marco, Jänu und Robin aus Basel waren schon an vielen Mittelaltermärkten.
Leute und Berufe am Markt der Vielfalt in Bremgarten
Der Bildhauer ist extra aus Lecce gekommen und arbeitet mit der Piedra Leccese, einem süditalienischen Sandstein.
Leute und Berufe am Markt der Vielfalt in Bremgarten
Leute und Berufe am Markt der Vielfalt in Bremgarten
Bernhard Gabert, Buchrestaurator

Kurt Fasnacht aus Küttingen und seine "Müllersfamilie"

Natasha Hähni

Der Geruch von frischem Gebäck, Äpfeln und Gewürz liegt in der Luft. Es ist sonnig, und in den Gassen des Reussstädtchens reiht sich ein Stand an den anderen. Ein ganz normaler Altstadtmarkt, wären da nicht die ganzen Magier, Gaukler und Ritter. Genau die machen den Markt der Vielfalt jedoch aus. Bereits zum 17. Mal versammeln sich Mittelalterfans und interessierte Besucher in Bremgarten. Hier werden Altstadt-, Antiquitäten- und Mittelaltermarkt mit einer Ausstellung historischer Handwerke verbunden.

Schon von Weitem war das Hämmern der Schmiede zu hören. Neben zwei Pferden fertigten sie vor leuchtenden Kinderaugen Hufeisen an. Ein Bildhauer, der nur für diesen Anlass aus Süditalien anreiste, meisselte Figuren in Sandstein und Müller Kurt Fasnacht demonstrierte an seinem Stand die traditionelle Müllerei. Die fand vor allem bei den ganz Kleinen Anklang. Ein Mädchen wollte gar nicht mehr aufhören, Korn zu mahlen. Zudem waren auch ein Buchrestaurator, ein Uhrmacher, ein Mostmacher und viele andere Handwerker dabei, um Interessierten ihre Arbeit zu demonstrieren.

Friedlich trotz Waffen

Während die Handwerker den oberen Teil der Altstadt besetzten, waren am Mittelaltermarkt auf dem Casino-Parkplatz Marktleute, Musiker und Künstler zu finden. Nebst authentischem Essen, das vor den Augen der Zuschauer zubereitet wurde, gab es unter anderem auch Schwerter, Kleider, Schmuck, Rüstungen und Bögen zu kaufen. Vor allem in den Verkaufszelten fühlt man sich ganz wie im Mittelalter. Im hinteren Teil eines Zeltes sassen vier Herren um einen Holztisch. Einer von ihnen verkleidet als Tempelritter. Für einen kurzen Moment hatte man das Gefühl, in eine unbekannte, alte Taverne eingetreten zu sein. Das damit verbundene, bange Gefühl, das man aus solchen Szenen in Filmen kennt, blieb dank einer herzlichen Begrüssung glücklicherweise aus.

Mindestens so authentisch wie die Kulisse, die Verkäufer, die Künstler und die Handwerker waren auch die Besucher. Evelyn Schmidt etwa war eine Mischung aus Magierin, Heilerin und Wikinger: «Mein Kostüm mag für das Mittelalter nicht zu 100 Prozent authentisch sein, für mich ist es das aber. So hätte ich im Mittelalter ausgesehen.»

Doch was fasziniert die Leute so sehr an diesem Markt? Jönu aus Basel fasst zusammen: «Am Markt der Vielfalt sind so viele Menschen, es hat so viele Waffen und es wird so viel Alkohol ausgeschenkt, trotzdem ist es vollkommen friedlich. Wo findet man das heutzutage noch?» Frieden – nicht gerade das Motto des Mittelalters. Diese Abweichung stört aber niemanden.