Bremgarten

Altstadtplanung war ein gutes Lehrstück – auch dank Antoine de Saint-Exupéry

Planer Peter Gruber (links) mit Fridolin Kurmann, Präsident der Schodolergesellschaft.

Planer Peter Gruber (links) mit Fridolin Kurmann, Präsident der Schodolergesellschaft.

Verkehrsplaner Peter Gruber blickt auf einen wegweisenden Zeitabschnitt des Städtchens Bremgarten zurück.

Die Gestaltung der weitgehend verkehrsfreien Altstadt von Bremgarten sei ein Ruhmesblatt für die gelebte Demokratie. Das stellte der Verkehrsplaner Peter Gruber (Aarburg) an der Generalversammlung der Schodolergesellschaft Bremgarten vom Wochenende fest. Gruber war vor bald 40 Jahren Fachberater der Stadt, als es darum ging, das Verkehrskonzept umzusetzen.

Als Glücksfall bezeichnet es Gruber, dass das Verkehrskonzept offen gestaltet wurde und somit auch nach der Umsetzung an die weitere Entwicklung angepasst werden konnte. Das Konzept sei nicht bloss auf die Altstadt beschränkt worden.

Die 17er-Kommission, ein hochkarätiges, aus verschiedenen Interessengruppen zusammengesetztes Gremium, habe manches «heisse Eisen» angefasst, sagt Gruber. Der Ortsbus zwischen Unterstadt und Altstadt wurde aber aus Kostengründen gestrichen.

Ein «Märlibuch» wird Wirklichkeit

Als eine Grundlage stand der 17er-Kommission ein Arbeitspapier zur Verfügung, das als Vision und sogar als «Märlibuch» in die Geschichte einging. Es malte die Zukunft der verkehrsarmen Altstadt in den schönsten Farben aus. Dennoch konnte es laut Gruber in weiten Teilen umgesetzt werden.

Die wichtigsten Streitpunkte, mit denen sich die Kommission vor bald 40 Jahren beschäftigte, waren die Parkierung für Bewohner und Kunden der Gewerbebetriebe, der Zubringerdienst oder Güterumschlag und die Frage, ob die Autos noch über die Holzbrücke und beim Restaurant Adler in die Altstadt fahren dürften. Die letzten beiden Anliegen wurden abgewiesen.

Die Kommission habe eine zweitägige Studienreise nach Rheinfelden und Süddeutschland unternommen. Mit neuen Erkenntnissen konnte sie neue Entscheide fällen: Selbst dem Postauto gewährte die Kommission keine Durchfahrt über die Holzbrücke. Dafür wurde später die BD-Haltestelle beim Obertor erstellt. Die Idee, eine Zufahrtsstrasse direkt ins Parkhaus Obertor zu führen, erwies sich als Luftschloss.

Optionen, auf die man reagieren kann

Die 17er-Kommission erledigte ihre Arbeit an vierzig Sitzungen. Die Mitglieder hätten hochgerechnet 1680 Arbeitsstunden geleistet, was 210 Arbeitstagen entsprochen habe, sagt Gruber. Die Verkehrsplanung habe notgedrungen den Zeitgeist reflektiert und sei an der Urne gutgeheissen worden.

«Nicht wir machen die Zukunft, sie kommt auf uns zu. Nicht finale Lösungen sind gefragt, sondern Optionen, mit denen man auf das, was sich anbahnt, reagieren kann», stellt Gruber fest. Das Altstadtkonzept sei laufend angepasst worden.

So habe man später die Begegnungszone eingeführt, die erst in den letzten zehn Jahren auf dem Radarschirm der Verkehrsplaner erschienen sei.

Altstädte sind «mehr als Erinnerungen»

Der Planergilde müsse bewusst sein, dass Altstädte «mehr als Erinnerung an vergangene Zeiten» seien, sondern beständige Zeugen «des weltlichen und geistlichen Lebens vieler früherer Generationen», erklärt Gruber. Es stehe fest, dass sich Altstädte zu entleeren drohten, die Häuser vermehrt in Wohnungen umgenutzt würden und – gerade auch in Bremgarten – Gaststätten geschlossen werden müssten.

Augenfällig sei auch, dass die Umfahrungsstrasse mehr und mehr überlastet sei. Die moderne Verkehrsplanung müsse über den Gartenhag blicken. Im planungsethischen Diskurs gebe es eine alles entscheidende Frage: «Wie erklär ich es meinem Enkel?»

Gruber zitiert dazu den Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry: «Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.»

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