Deutliche und kritische Worte an der Abgeordnetenversammlung des Gemeindeverbands Regionale Alterszentren: Zu diskutieren gab ein Leserbrief des Beriker Gemeinderats Felix Baur, der vor einer Woche im «Bremgarter Bezirksanzeiger» erschienen ist. Der Plan, das Altersheim Bärenmatt Bremgarten abzureissen und an gleicher Stelle ein neues Gebäude zu bauen, sei ein Blitzschlag aus heiterem Himmel, ein schräger Vorschlag, es sei nicht richtig informiert worden.

Die Liegenschaft sei in bestem Zustand, mit dem Abriss würden 25 Millionen Volksvermögen vernichtet, schrieb Baur – allerdings ist dies, wie die Beriker Vizeamtsfrau Rosmarin Groux klarstellte, nicht die Meinung des Gesamtgremiums, sondern von Baur persönlich.

Keineswegs hervorragend

Die happigen Vorwürfe kamen bei den Abgeordneten nicht gut an, und schon gar nicht beim Vorstand. «Das ist reine Polemik. Es wurde laufend informiert, und der Vorwurf, wir hätten bei der Planung ‹geschludert›, eine Frechheit», machte der Projektverantwortliche Roger Cébe klar. «Das Gebäude hat einen Buchwert von 3,73 Mio. Franken. Natürlich ist der Marktpreis etwas höher, aber ganz sicher nicht 25 Millionen.»

Ob der Behauptung, das Gebäude sei in einem ‹hervorragenden Zustand›, konnten sich einige nicht mal das Lachen verkneifen – Cébe widerlegte dies mit Fotos aus Bädern, Küche und Zimmern. «Wir können unsere Bewohner nicht im Bett aus dem Zimmer rollen, weil die Türen zu schmal sind. Und so grotesk und makaber es tönt, wir müssen sogar die Toten aufrecht in den Lift stellen, weil er zu klein ist.» Auch ein Bewohner mit einem normalen Elektrorollstuhl komme nur mithilfe zweier Angestellter in die Liftkabine. Die Küche ist klein, die Nasszellen sind veraltet, die kleinen Balkone nur über eine grosse Schwelle begehbar – kurz: die Infrastruktur genügt nicht mehr den heutigen Anforderungen.

Cébe zeigte sich überzeugt, dass für Bewohner und Angestellte der angestrebte Neubau die beste Lösung ist. «Irgendwann genügen Pinsel und Putzmaschine nicht mehr, dann braucht es Bagger.» Im Übrigen müssten die Gemeinden keinen Franken an den Neubau zahlen, das nötige Geld wird von den Häusern selbst erwirtschaftet.

Aus Berikon kamen noch mehr ungewohnte Töne. Unter dem letzten Traktandum «Anträge» brachte Groux den Vorschlag zur Abstimmung, das Alterszentrum Bärenmatt umzunutzen und für den Neubau einen anderen Platz zu suchen – möglicherweise in Widen, wo man neben dem bestehenden Alterszentrum Burkertsmatt ein Provisorium für die Zeit der Bauarbeiten aufstellen möchte. «Es würde für den Vorstand extrem schwierig, nach zweijähriger Planung jetzt plötzlich noch nach einem alternativen Standort zu suchen», sagte Vorstandsmitglied Peter Spring.

Und Christian Baumann, ebenfalls Vorstandsmitglied, berichtete aus seiner Erfahrung im Verwaltungsrat der Vivale AG, die Seniorenzentren realisiert: «Bei einem Standort wie Bremgarten leckt sich jeder die Finger – es ist sehr zentral gelegen, die Altstadt nah. Die Leute aus Bremgarten möchten sicher nicht alle auf den Mutschellen.» Und Karl Grossen, Gemeindeammann aus Oberlunkhofen, stellte klar: «Ich finde den Antrag zum jetzigen Zeitpunkt eine Frechheit. Darüber sollten wir nicht lange diskutieren, sondern gleich abstimmen.» Das deutliche Resultat gab ihm recht: Ausser der Antragsstellerin selbst stimmte niemand dafür.

20–25 Monate für Realisierung

Architekt Christoph Kaech zeigte auf, dass ein Neubau günstiger kommt als eine Renovation. «Wir haben drei Gesamtleistungsanbieter angefragt, um es für uns durchzurechnen. Wir liegen in einer Preisspanne zwischen 28,5 und 30 Mio. Franken. Wichtig ist aber nicht nur der Preis, sondern auch die Qualität und die Zeit, in der das Gebäude realisiert werden kann.»

Möglichst viele Elemente würden vorfabriziert, damit die Bauphase kurz gehalten und die Bewohner bald wieder einziehen können. 20 bis 25 Monate rechnet der Architekt für Abbruch und Neubau. Der Kreditantrag wird den Abgeordneten am 30. November vorgelegt.