Das Schwyzerörgeli ertönt alle paar Minuten – wenn Bruno Lindenmanns Natel läutet, bedeutet das meistens, dass irgendwo zwischen dem Wynental und dem Mutschellen ein Autofahrer die Hilfe des Pannendienstes braucht. Die Garage Lindenmann aus Sarmenstorf ist der einzige Pannenhelfer in diesem Gebiet. «Es braucht halt einiges für einen 24-Stunden-Betrieb, die nötige Infrastruktur und Leute, die das mitmachen», so der Geschäftsführer. Zudem seien bei den heutigen Fahrzeugen Fachleute zur Reparatur nötig. Zur Illustration tippt er auf sein Tablet und startet eine Software, die ihn bei der Arbeit unterstützt: Nachdem er Marke, Modell, Ausführung und Jahrgang gewählt hat, erscheint ein Bild des Autos, auf dem eingezeichnet ist, wo was zu finden ist. «Gerade bei Elektro- und Hybridautos muss man wissen, was man tut, manche Teile stehen unter Spannung, deshalb haben wir auch immer Gummihandschuhe dabei.»

Schnelligkeit macht sich bezahlt

Lindenmann nimmt den Auftrag der Versicherung hervor, wählt die Nummer und informiert den Kunden, dass er in fünf Minuten da ist. «Das spart Zeit», erklärt er. Er bekommt pro Fall eine Pauschale. Je nach dem, ob es sich um eine Panne, einen Unfall oder um Winterhilfe handelt, etwas mehr oder etwas weniger. Ob er fünf Minuten oder eine Stunde benötigt, spielt dabei keine Rolle. Deshalb muss er gut planen. Dank Navigationssystem ist der Mann schnell gefunden, dessen Mazda nicht mehr anspringt. Ein typischer Fall. Lindenmann misst die Spannung und stellt fest: Die Batterie ist leer. Hier genügt es, den Motor laufen zu lassen, damit die Batterie wieder laden kann. Bei einem späteren «Patienten», einem Range Rover, ist die Batterie hingegen kaputt und muss ersetzt werden. «Es hat immer mehr Elektronik in den Autos, die die Batterie beanspruchen. Heute halten Batterien noch etwa drei Jahre.»

Von der Lindenmann AG sind seit dem Kälteeinbruch am Wochenende drei Leute unterwegs. Bei diesem Wetter kommen die Pannenhelfer kaum zur Ruhe. «Meistens arbeite ich bis Mitternacht und muss manchmal mitten in der Nacht wieder ausrücken, wenn das Telefon klingelt», erzählt Lindenmann. Er hat Verträge mit allen Versicherungen und übernimmt zum Teil auch Fälle vom TCS, da kommt einiges zusammen. «An dieser Stelle sind heute schon drei Fahrzeuge von der Fahrbahn abgekommen. Ich musste heute bereits zu fünf Unfällen», sagt Lindenmann, als wir von Villmergen Richtung Hilfikon unterwegs sind, und deutet auf die Spuren im Schnee. Auf der Fahrt kommen bereits neue Aufträge herein, die auf dem Tablet angezeigt werden – die Zentrale informiert den Fahrer zusätzlich per Telefon. «Jeder Fall ist anders», sagt Lindenmann. «Das Problem am Auto ist vielleicht dasselbe, aber der Mensch ist anders.» Und so müsse er auch eine gewisse Menschenkenntnis haben, denn jeder reagiere verschieden, wenn sein Auto stehen bleibt oder er gar einen Unfall hat. «Ich muss auch aufpassen, was ich über die Fahrzeuge sage – ob jemand ein Auto für 5000 oder 50 000 Franken fährt, es ist immer das beste», sagt er und lacht.

Hobby und Beruf vereint

In Reinach wartet eine junge Frau neben ihrem Auto auf Lindenmann. Eine Warnmeldung habe aufgeleuchtet. Der Pannenhelfer mit mittlerweile 38 Jahren Berufserfahrung hat den Fehler innert einer Sekunde erkannt: Es fehlt der Keilriemen. «Das kann ich nicht flicken, das Auto muss in die Garage», so das Fazit. Lindenmann montiert das Abschleppseil und erklärt der Lenkerin, was sie zu tun hat.

Das Helfen stehe bei seiner Arbeit im Mittelpunkt, sagt Lindenmann. Nervt es nicht, wenn nachts um drei Uhr das Telefon klingelt und man raus in die Kälte muss? «Nein», sagt Lindenmann, ohne zu zögern. «Wenn es ein Muss ist, dann wird der Job schwierig.» Kaum gesagt, ertönt auch schon wieder das Schwyzerörgeli.