Felix Etterlin war über 40 Jahre lang Gemeindeschreiber in Zufikon. «Du, ich wollte schon lange etwas fragen…», diesen Satz hörte er manchmal beim Einkaufen, auf der Strasse oder am Abend in der Beiz. «Frag mich morgen, ich bin nicht im Dienst», entgegnete er jeweils. «Ich musste Freizeit und Beruf klar trennen, dafür hatten die Leute aber auch Verständnis», erzählt er. «Ich habe auch nie Akten mit nach Hause genommen – wenn es noch etwas zu erledigen gab, dann bin ich halt nochmals ins Gemeindehaus.»

Bis Ende Monat ist Etterlin noch ab und zu an seiner Arbeitsstätte anzutreffen, auch wenn sein Büro bereits durch Nachfolger Uwe Krzesinski besetzt ist. Die Amtsübergabe ist Etterlin sehr wichtig. Er selbst hatte da weniger Glück: «Ich wurde ins kalte Wasser geworfen», erzählt er. Sein Vorgänger war in eine Finanzaffäre verwickelt, und so wurde der 19-jährige Verwaltungsangestellte nach nur einem Jahr zum stellvertretenden Gemeindeschreiber. Die RS musste er um ein Jahr verschieben. Eine Einführung bekam er nicht. «Damals war man erst mit 20 volljährig, ich durfte während ein paar Monaten noch nicht einmal selber unterschreiben», erinnert er sich an die turbulente Zeit zurück. Und weil die Gemeinde keinen neuen Gemeindeschreiber fand, übernahm er diesen Job am 1. Januar 1977 gleich selber. Etterlins einzige Bedingung: Er wollte nichts mit dem Verfahren rund um den alten Gemeindeschreiber zu tun haben – dafür hatte die Gemeinde dann einen Anwalt engagiert.

Spezialisten sind gefragt

Rund 1400 Zufikerinnen und Zufiker zählte das Dorf damals, ausser für Steuern und Finanzen war Etterlin so ziemlich für alles verantwortlich – was heute den Abteilungen Bau und Soziale Dienste zufällt, war alles Aufgabe der Kanzlei. Kam einmal der Gedanke auf, den Arbeitgeber zu wechseln? «Ja, etwa nach 20 Jahren hatte ich mir das überlegt. Viele wechseln ja zu grösseren Gemeinden – in eine ganz grosse Gemeinde wollte ich aber nicht.» Eine mittelgrosse Gemeinde, das hatte ihm immer entsprochen, und das war Zufikon schon bei seinem Amtsantritt. Etterlin brauchte die Stelle also gar nicht zu wechseln, seine Arbeit veränderte sich auch so: «Früher waren Gemeindeschreiber Generalisten, die alles abgedeckt haben, heute ist das nicht mehr vorstellbar. Es braucht Spezialisten.» Und wenn sich eine kleine Gemeinde einen solchen nicht leisten könne, arbeite man halt mit anderen Gemeinden zusammen, wie beispielsweise bei den Steuern.

Ist denn die Arbeit anspruchsvoller geworden? «Ja, zumindest schnelllebiger. Wenn man einen Brief beantwortet hat, dann hatte man ein paar Tage Ruhe, mit den E-Mails ist das nicht mehr so.» Die Technik habe aber auch Vorteile: «Wenn ich Pikettdienst hatte, musste ich in der Zeit zu Hause sein. Heute kann ich das Natel mitnehmen.»

Fünf Ammänner «überlebt»

Während der 44 Jahre hatte Zufikon fünf Gemeindeammänner. «Mit jedem war die Zusammenarbeit anders, aber immer angenehm», berichtet Etterlin. Ähnlich tönt es, wenn man seinen letzten Chef befragt, Gemeindeammann Christian Baumann: «Als ich Anfang 2010 als Gemeindeammann gewählt wurde, habe ich Felix Etterlin in der ersten Einarbeitungsphase gesagt, er solle mir gegenüber nie argumentieren: ‹das haben wir schon immer so gemacht›. In all diesen Jahren der Zusammenarbeit hat er zu keinem Zeitpunkt diese ‹Ausrede› angewandt und ist immer geistig flexibel geblieben.»

Etterlin kennt die Region und die Aufgaben der Verwaltung wohl wie kaum ein Zweiter. Wo sieht er die Herausforderungen für die Freiämter Gemeinden in Zukunft? «In der Infrastruktur und im Schulbereich», erklärt er, und nennt ein Beispiel: «Wenn eine grosse Überbauung entsteht, bedeutet das nebst der Planung und Begleitung der Bauprojekte durch die Bauabteilung für die Einwohnerkontrolle auf einen Schlag viel Arbeit, es hat aber auch auf die Steuern und alle möglichen Bereiche Auswirkungen.» Deshalb sei es schwer zu planen, und für die Verwaltung die richtige Grösse zu finden. «In Zufikon gab es in den letzten zwei Jahren 500 Neuzuzüger, aber auch fast so viele Wegzüge.»

Speditive Verwaltung

Also viel Arbeit für die Verwaltung – ärgert man sich da manchmal über das Vorurteil des faulen Verwaltungsangestellten? «Damit wurde ich eigentlich nie konfrontiert, ich glaube, in Zufikon haben wir ein recht gutes Ansehen.» Natürlich gäbe es immer einzelne Kritiker. «Wir bemühen uns, speditiv zu arbeiten, denn wenn Geschäfte liegen bleiben, gibt es automatisch mehr Rückfragen – also noch mehr Arbeit.»

Die Amtsübergabe ist Ende Monat abgeschlossen. Mehr Zeit zum Velofahren, für Nordic Walking, Wandern, Skifahren und zum Musizieren im Musikverein Lunkhofen. Diesem ist er treu geblieben – Etterlin wuchs in Oberlunkhofen auf – genau wie seiner Arbeitsstelle.

Und was wünscht sich der Pensionär für «sein Dorf» für die nächsten 44 Jahre? «Ein moderates Wachstum. Dass die Gemeinde noch etwas grösser wird, ist klar, aber ich hoffe, dass Zufikon seinen ländlichen Charakter behält. Und ich hoffe auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit in Verwaltung und Gemeinderat, damit die weiteren Herausforderungen gemeinsam zum Wohle der Bevölkerung gemeistert werden können.»

Uwe Krzesinski.

Uwe Krzesinski.