«Es war ein kalter, schneereicher Winter, und längst vorher schon hatten die Jungburschen, die sich am Holzschlitteln zu beteiligen gedachten, ihre einfachen Schlitten instandgesetzt», schrieb Walter Stäger im Freiämter Kalender aus dem Jahr 1979. Er gehörte zu den Bauernburschen, die 1891 auf dem Villmerger Berg Holz fällten. Sobald es schneite, wurden die Stämme auf den Schlitten festgebunden und abtransportiert. «Umso mehr Schnee, umso besser wurde der Schlittweg und der Rummel konnte beginnen.»

Die Villmerger Männer hievten die Stämme auf die Schlitten. Erreichen konnte eine Fuhre ein Gewicht von bis zu acht Zentner, was ungefähr 8000 Kilogramm entspricht. Dann wurde das Zugseil umgelegt, man rückte den Schlitten «hin und her, um ihn vom Fleck zu bringen.» Weil die Strasse am Anfang kaum gebahnt war, bestand keine Gefahr, dass sich der Schlitten zu schnell beschleunigte. Aber schon nach wenigen Tagen war die Fahrbahn glatt und vereist. «Jetzt machte so eine Fahrt ein anderes Gesicht», erinnerte sich Stäger. «Immer schneller und schneller mit den Beinen sperrend, schleifend und lenkend sauste man, hoch den Schnee aufwirbelnd.»

«Seltener gab es Tote»

Als 18-Jähriger sei er gerne bei etwas «so Burschikosem, Interessantem und Abenteuerlichem» dabei gewesen, so Stäger. Er wollte ein Holzschlittler sein, obwohl ihm beide Eltern davon abrieten. Zu recht, denn der «fragwürdige Sport», wie Stäger das Holzschlitteln selber bezeichnete, war gefährlich.

Vor allem dann, wenn ein unerwartetes Hindernis die Fahrbahn blockierte: «Der Fahrer landete mit dem Kopf voran am nächsten Bord im tiefen Schnee und musste sich zuerst des Zugseils entledigen, bevor er mit benommenem Kopf, eventuell auch blutend das Tageslicht wieder sah», schrieb Stäger. «Ohne Zugseil hätte er noch wegspringen können, so aber war er gefesselt und blieb im Stricke hängen.» Es passierten immer wieder Unfälle. Seltener gab es Tote.

An einen Fall erinnerte sich Stäger noch besonders gut: jenen des «Tädimichel». Stäger und der Arbeiter Johann hörten bei der Abfahrt Schreie vom oberen Teil des Berges. Sie stellten sich an beiden Seiten der Strasse bereit, mit der Vorahnung, dass etwas «Ungutes» geschehen würde.

Nur die Hose war glatter gebügelt

Ihr Gefühl hatte die beiden nicht getäuscht: Michel kam angefahren, ein Bein unter dem Schlitten, das andere weit von sich gestreckt. Stäger und Johann rissen den Schlitten herum, er kam quer auf der Strasse zum Stehen. Sie hoben den vorderen Teil des Schlittens an, Michel zog sein Bein hervor. «Es war ihm weiter nichts geschehen, nur die Hose war etwas glatter gebügelt», erinnerte sich Stäger. «Vermutlich haben wir dem Michel das Leben gerettet.»

Wäre er weitergefahren «wäre er unbedingt in die Felsen gerannt.» Trotz solchen Gefahren, der eisigen Kälte und der harten Arbeit war Walter Stäger Feuer und Flamme für das Holzschlitteln.