Bremgarten

Als die Schwestern den Laden übergaben

Sie berichteten von früheren Zeiten: Aldo Gaus, Bea Rey, Jürg Cescato (links von links), die Ingenbohler Schwestern Elia, Wiborada und Stephanie (rechts, von rechts) mit Stiftungsleiter Thomas Bopp.

Sie berichteten von früheren Zeiten: Aldo Gaus, Bea Rey, Jürg Cescato (links von links), die Ingenbohler Schwestern Elia, Wiborada und Stephanie (rechts, von rechts) mit Stiftungsleiter Thomas Bopp.

Vor 30 Jahren wechselte die Leitung der Bremgarter Stiftung St. Josef vom Kloster Ingenbohl in weltliche Hände. Was sich seither verändert hat.

«Wie war das damals, als die Ingenbohler Schwestern die Leitung des Bremgarter St. Josefsheims – heute Stiftung St. Josef – in weltliche Hände übergaben?» Die Frage stellte Stiftungsleiter Thomas Bopp der illustren Runde, die sich 30 Jahre danach im Saal Fortuna zu einem Gedankenaustausch getroffen haben.

«Eigentlich war es ganz neutral und vor allem professionell. Klar gab es Sachen, die wir als besser empfanden. Aber es gab auch solche, die wir nach dem Übergang vermissten», erinnerte sich Beatrice Rey, die seit 1979 in der Institution arbeitet. «Vorher», erklärte Rey, war die Atmosphäre familiärer und oft fast ein bisschen chaotisch. Danach lief vieles strukturierter und straffer. Beides hatte seine Vor- und Nachteile. Ich konnte mit dem Regime vorher gut leben und auch das von nachher hat mir gepasst.»

Auch Aldo Gaus und Jürg Cescato haben viele Jahre in leitenden Positionen in der Stiftung St. Josef gearbeitet und den Wechsel von der kirchlichen zur weltlichen Führung miterlebt. Heute sind beide pensioniert, Gaus als Stiftungsrat aber weiter eng mit der Institution verbunden.

Hochachtung für die Schwestern

Beide beurteilen den Wechsel ähnlich wie ihre ehemalige Arbeitskollegin. Auch für sie war der Übergang zur weltlichen Führung offensichtlich keine epochale Wende, sondern lediglich einer von vielen wichtigen Schritten in der Entwicklung der Stiftung, die weit über die Region hinaus einen guten Ruf geniesst.

Den hatte sie schon damals, wie aus den Ausführungen von Aldo Gaus und Jürg Cescato hervorging. Beide bekundeten Hochachtung für die Arbeit der Ingenbohler-Schwestern, die bis heute in Bremgarten tätig sind. Wenn auch nicht mehr mit 50 bis 60 Ordensfrauen, sondern lediglich noch als Quartett. «Ich habe nie den Eindruck gehabt, die Schwestern seien mit der Führung des Heims überfordert. Sie haben stets sehr viel und sehr gute Arbeit geleistet», lobte Aldo Gaus.

Er erinnerte sich aber auch daran, dass die zivilen Angestellten, die mehr und mehr rekrutiert wurden, um die steigenden Aufgaben bewältigen zu können, oftmals vorerst etwas Mühe mit der Schwestern-Gemeinschaft bekundeten, weil ihnen das religiöse Verständnis fehlte. Das habe sich allerdings jeweils schnell ergeben, weil die Ordensfrauen sich nie abgeschottet hätten und sehr unkompliziert auch im Umgang mit weniger religiös geprägten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gewesen seien.

«Man hat es einfach gemacht»

Schwester Deborada, die das Heim bis zur Anstellung von Manfred Breitschmid, dem ersten weltlichen Leiter, führte, hatte damals ein arbeitsintensives Doppelmandant. Sie war einerseits für die Institution St. Josef verantwortlich, anderseits als Oberin auch für die damals noch gegen 40 Ordensschwestern. «Man hat nicht gefragt, man hat es einfach gemacht», sagte sie dazu im Rückblick.

Und Schwester Elia, die ebenfalls lange als Heimleiterin tätig war, erklärte: «Ich habe in Ingenbohl auch einmal gesagt, so gehe es nicht mehr, bin aber auf kein Gehör gestossen. So haben wir halt weitergewurstelt und das gemacht, was wir machen konnten.»

Eines ist allen vier Schwestern, die am Gespräch teilgenommen haben gemeinsam: Die Institution in Bremgarten lag und liegt ihnen am Herzen. Es ist zu spüren, dass die Arbeit mit behinderten Menschen für sie nie eine Belastung, sondern eine Lebensaufgabe gewesen ist. Sie sind sehr zufrieden damit, wie es heute läuft. Der Übergang damals sei problemlos erfolgt: «Dasch ned so kompliziert gsii», lachte Schwester Wiborada. Und fügt an: «Mit em Breitschmid hämmer säb mol halt au en guete Entscheid troffe.»

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