Der Freiämter Dichter Robert Stäger feierte 34 Jahre nach seinem Tod ein Comeback: Im Stadtmuseum Bremgarten trug der Lokalhistoriker und Stadtführer Heinz Koch im Gewand eines buckligen mittelalterlichen Herolds Stägers Gedicht «De Häxeturm» vor. Das kleine Museum stellt im eidgenössischen Gedenkjahr 1415, – 600 Jahre nach der Eroberung des Kantons Aargau – in einer schön gestalteten, von Pe Spalinger grafisch umgesetzten Ausstellung die Bremgarter Türme und die Stadtbefestigung in den Vordergrund.

Platzturm-Einsturz mit Opfer

Wie viele bisher unbekannte Details die Konzeptgruppe herausfand, überrascht selbst die Kenner der Geschichte von Bremgarten. So dürften nur wenige gewusst haben, dass der 1802 eingestürzte Platzturm auf einem Altarbild mit der Kreuzigungsszene Jesu aus der abgebrochenen Kreuzkapelle abgebildet ist. Das in die Ausstellung eingebaute Altarbild blieb aber nicht im Eigentum der Stadt, sondern wanderte ins Landesmuseum Zürich ab – leider, muss man einmal mehr sagen. Der Einsturz des Platzturmes forderte ein Opfer: Die Frau des Turmwächters kam ums Leben. Der in Zürich bestellte Chirurgus, der Arzt, der das Leben der Frau allenfalls noch hätte retten können, war viel zu spät nach Bremgarten gekommen.

Von der einstigen Stadtbefestigung blieben nur einige Mauerreste, der Hexenturm, der Katzenturm und der Hermannsturm erhalten. Dazu gesellten sich früher zwei Stadtgräben. Nur: Die Befestigung hätte schon in der frühen Neuzeit den damals modernen Geschützen kaum standgehalten. Sie war zu schwach. Aber die Bremgarter liessen es gar nie auf eine Verteidigung der Stadt ankommen, sondern verstanden es stets, im rechten Moment zu kapitulieren, sagte der Historiker und Museumspräsident Fridolin Kurmann. Der Stand Luzern, an einer starken Stadt Bremgarten zwischen Zürich und Bremgarten interessiert, brachte zwar die Idee auf, wie die Befestigung hätte verstärkt werden sollen. Aber der Plan wurde nie ausgeführt, die Planunterlagen kann man im Museum besichtigen.

Romantik mit Beigeschmack

In mehreren Stadttürmen sperrten die Bremgarter Stadtgewaltigen in dunklen Verliessen die Strafgefangenen weg. Aus der Zeit zwischen 1574 und 1668 sind zudem mindestens zwölf Hexenverbrennungen dokumentiert. «Das waren die vermeintlich guten alten Zeiten», merkte Kurmann. Auch an diese eher düstere Epoche könne man heute denken, «wenn man die romantischen Türme bestaunt oder darin Party feiert». Damit meinte Kurmann den Hexenturm, der renoviert und mit einer Feststube ausgestattet wurde.

Die Stadt und die Städtchenbewohner weihen den zugänglich gewordenen Turm am Wochenende vom 29. bis 31. Mai anlässlich eines Hexenturmfestes ein, verbunden mit einem szenisch unterlegten Rundgang zu allen Stadttürmen am 29. Mai um 19.30 Uhr.