Oberlunkhofen

Alpabzug auf den Philippinen: Auswanderin feiert Weihnachtsfest mit Schweizer Traditionen

In diesem Jahr hängen an Maria Brumanns Weihnachtsbaum Sterne aus Capiz-Muscheln.

In diesem Jahr hängen an Maria Brumanns Weihnachtsbaum Sterne aus Capiz-Muscheln.

Auch nach 51 Jahren auf den Philippinen läutet die Oberlunkhoferin Maria Brumann das Weihnachtsfest mit Schweizer Traditionen ein. Weihnachten in der Schweiz hat sie nur in den ersten paar Jahren vermisst

Wenn hierzulande noch Kürbisse vor den Häusern stehen und der Herbst in seinen bunten Farben glänzt, beginnt auf den Philippinen bereits die Weihnachtszeit. Mitten im September, genau 100 Tage vor dem 24. Dezember.

In den Shoppingmalls werden Weihnachtslieder gespielt und Dekorationen funkeln von den Wänden. Auch die ersten Weihnachtsfeste finden bereits Wochen vor den eigentlichen Festtagen statt. «Man trifft sich mit Freunden und tauscht Geschenke aus. Man lädt sich gegenseitig für Drinks oder zum Essen ein. Anschliessend wird getanzt oder Spiele gespielt», erzählt Maria Brumann. «Die Atmosphäre ist ganz anders hier, sehr fröhlich. In der Schweiz ist es eher ernst.»

Drei eigene Geschäfte im Pazifischen Ozean

Seit 51 Jahren lebt die Oberlunkhoferin zusammen mit ihrem Mann im Inselstaat im Pazifischen Ozean. «Mein Mann hatte damals eine Stelle als Goldschmied angenommen. Irgendwann haben wir dann unser eigenes Geschäft aufgemacht.» Insgesamt drei Läden haben sie geführt. «In den vergangenen Jahren haben wir jedoch alles etwas runtergefahren. Heute haben wir nur noch zwei Geschäfte», erzählt die 75-Jährige. Ihr Mann arbeite, trotz seinen 79 Jahren, noch täglich. «Ganz schliessen können wir nicht. Unsere Angestellten würden keine Stelle mehr finden.»

Längst hat sich Maria Brumann an die Traditionen der Filipinos gewöhnt – auch an die künstlichen Bäume zu Weihnachten. «In den ersten drei, vier Jahren habe ich Weihnachten in der Schweiz vermisst. Aber jetzt nicht mehr», sagt sie. An einigen Bräuchen aus ihrer Heimat, dem Freiämter Reusstal, hält sie nach wie vor fest. «Im letzten Jahr habe ich den ganzen Baum nur mit Strohsternen geschmückt, die ich von Anna Hoppler aus Rottenschwil habe. In manchen Jahren hänge ich auch Glassterne aus der Glasi Hergiswil auf.»

Strohsterne am Baum: An einigen Bräuchen aus ihrer Heimat hält Maria Brumann nach wie vor fest.

Strohsterne am Baum: An einigen Bräuchen aus ihrer Heimat hält Maria Brumann nach wie vor fest.

 

Aufgestellt wird der Christbaum in ihrem Haus, entgegen dem Philippinischen Brauch, erst am 1. November. «Und Anfang Dezember beginne ich dann mit den Guetzli. Zehn Sorten mache ich jeweils und auch Birnenweggen. Am 6. Dezember backen wir Grittibänze», erzählt sie. «Ich bin eben eine sehr Traditionelle», fügt sie mit einem Lachen an.

Theateraufführungen in Schweizer Atmosphäre

Und weil Maria Brumann Traditionen so gerne mag, pflegt sie diese Erinnerungen aus ihrer Heimat auch ausserhalb der Weihnachtszeit. «Ich habe sogar eine Freiämter Werchtigstracht hier», erzählt sie stolz. Ausserdem sei sie lange im Vorstand und sogar auch Präsidentin eines Schweizerklubs auf den Philippinen gewesen. Mit dieser Zeit verbindet sie bis heute viele schöne Erinnerungen.

«Der 1. August war für mich immer heilig. Einmal haben wir einen Alpabzug nachgestellt», erzählt sie lachend. «Mit den Kindern habe ich Stöcke mit Kuhköpfen und Blumen drauf gebastelt. Der Vorstand ist dann mit Treicheln mitgelaufen. Die habe ich aus der Schweiz mitgebracht.» Auch Theaterstücke hätten sie aufgeführt. «Einmal ‹Vo Luzern gäge Wäggis zue›, samt Kapellbrücke als Bühnenbild. Ein anderes Mal haben wir Wilhelm Tell aufgeführt.» Zu den Theateraufführungen seien auch immer viele Filipinos gekommen. «Im Bowlingklub, wo wir die Aufführungen hatten, war alles aus Holz und es entstand eine richtige Schweizer Atmosphäre. Und das Essen war auch immer sehr gut.»

Die Liebe zur Heimat lässt sie regelmässig in die Schweiz reisen. Normalerweise kommen Maria Brumann und ihr Mann einmal im Jahr in die alte Heimat und besuchen ihre Verwandten in Oberlunkhofen. Dann freut sie sich am meisten auf die Berge. «Und auf das Reusstal mit dem Wald und den saftigen Wiesen.»

Corona bringt Traditionen der Filipinos durcheinander

In diesem Jahr ist jedoch alles etwas anders. «Wir waren bis im Juni in Quarantäne. Das bringt alles durcheinander.» Ihre für Anfang April geplante Reise in die Schweiz mussten sie verschieben. Auch die Weihnachtszeit sei anders als sonst. «Normalerweise blinkt und leuchtet um diese Zeit alles. Doch in diesem Jahr gibt es irgendwie keine Atmosphäre», sagt Brumann bedrückt. Das Virus beeinflusse auch die Traditionen der Filipinos. Normalerweise würden zu Weihnachten alle Familienmitglieder nach Hause kehren, auch die, die im Ausland sind.

In diesem Jahr ist alles etwas anders. Doch der schöne Baumschmuck bleibt.

In diesem Jahr ist alles etwas anders. Doch der schöne Baumschmuck bleibt.

Zur Tradition gehöre, dass man an neun Tagen hintereinander in die Kirche geht. «Wer das durchzieht, so sagt man, dem wird ein Wunsch erfüllt.» Am 24. Dezember morgens um 3 Uhr gehen die Filipinos in den Gottesdienst, abends um 10 Uhr beginne das Essen. «Es gibt Spanferkel, heisse Schokolade und Reiskuchen mit salzigen Eiern drauf», erzählt sie. «Früher haben wir am 24. alleinstehende Menschen zum Essen eingeladen. Seit ein paar Jahren feiern wir aber gemeinsam mit einem Schweizer Ehepaar.»

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