Alois Meier und Waltenschwil gehörten untrennbar zusammen. Jetzt ist er nicht mehr: Alois Meier-Döbeli ist am 24. Juli im Alter von 82 Jahren gestorben. Die Hiobsbotschaft ging wie ein Lauffeuer durch das Dorf. Waltenschwil trauert um eine Persönlichkeit, einen Mann mit unverkennbarem Stil, einen Pionier, einen Chrampfer.

Grund genug, diesem unvergesslichen Dorf-Original an einer seiner vielen Wirkungsstätten würdevoll zu gedenken. Im Rahmen des traditionellen «Buurezmorge» im Ortsmuseum Waltenschwil erfährt Alois Meier am 14. Oktober eine spezielle Ehrung. Kommissionspräsident José Meier hält die Laudatio, und in einer kleinen Sonderausstellung zeigt das Museum Fotos des Verstorbenen aus seinen vielen Aktivitäten sowie einige seiner Eisenplastiken und die Chugelibahn, die er für die kleinen Besucher des Museums konstruiert hat. An seine hingebungsvolle Pflege des Sagenwegs erinnert Mundarterzählerin Margrit Konrad, die Geschichten aus dem Freiamt erzählt.

Försters Wiesel

Alois Meier wurde am 9. Februar 1936 als zweiter Sohn von Klara und Josef Meier-Steinmann geboren. Er ist in einem stattlichen Bauernhaus mit vier Brüdern und einer Schwester an der Büelisackerstrasse aufgewachsen. Familie Meier kannte man als ’s Försters. Auf dem elterlichen Bauernhof erlebte er eine frohe Jugend und musste schon früh bei den Arbeiten anpacken. Viel und gerne erzählte er von seinen lustigen Erlebnissen, er kam dabei sofort tüchtig in Fahrt und berichtete, als sei es erst gestern gewesen. Mit seinem Humor brachte er viele zum Lachen.

Alois, besser bekannt als Försters Wiesel, besuchte acht Jahre die Schule in Waltenschwil. Danach folgte die Ausbildung zum Konstruktionsschlosser mit anschliessenden Berufs-Wanderjahren. Bis zu seiner Pensionierung war er über 30 Jahre Werkstattleiter und Lehrlingsausbildner bei der Armin Notter respektive Notterkran AG in Boswil.

1962 traf Alois Edith Döbeli aus Sarmenstorf. 1964 heirateten sie und zogen in das neu erstellte Eigenheim am Höhenweg 1. 1965 erblickte Irene das Licht der Welt, 1966 Esther und 1972 kam Markus dazu. Die Familie war glücklich. Als Grossvater konnte Alois dann so richtig aufblühen. Mit seinen acht Enkelkindern pflegte er ein inniges, sehr herzliches Verhältnis, sie waren sein ganzer Stolz. Er unternahm viel mit ihnen und den Kindern aus der ganzen Nachbarschaft. Seine Spaziergänge in den Wald waren legendär und zugleich lehrreich. Er konnte die Kinder begeistern für die Natur-, die Tierwelt sowie für den Naturschutz.

Der Problemlöser

Alois war in Waltenschwil bei Jung und Alt bekannt. Er stellte sich für verschiedene Funktionen der Gemeinde zur Verfügung. Seine spontane Hilfsbereitschaft war sehr ausgeprägt; wurde irgendein Anliegen formuliert, hatte er bereits die passende Lösung, und im Nu wurde die Sache erledigt.

Alois war ein sehr naturverbundener Mensch. 1969 gründete er mit gleichgesinnten Kollegen den Natur- und Vogelschutzverein. Er war der erste Präsident und blieb es 47 Jahre lang. Er war bekannt als «Vogelvater» und wurde immer wieder um Rat ersucht bei möglichen und auch unmöglichen Anliegen und Fragen zu Vögeln.

Der Höhepunkt im Jahr war jeweils die «Eiersuechete» am Ostermontag beim Tierpark Waltenschwil. Von nah und fern strömten Gross und Klein an dieses traditionelle Ereignis. Und von dort her kannten ihn auch die Neuzuzüger im Dorf, denn immer stand er beim Osterhasen und regelte den freudigen, bunten Anlass.

Rekordteilnehmer des Morgarten-Schiessen

Alois war aber auch ein leidenschaftlicher und guter Schütze. Die Feldschützengesellschaft Waltenschwil nahm in seinem Leben eine besondere Stellung ein. Er war Jungschützenleiter, Präsident und Ehrenpräsident. Zudem war er Obmann für das traditionelle Morgarten-Schiessen. Er nahm über 50 Mal daran teil und wurde als einmaliger Rekordteilnehmer schweizweit gefeiert.

Er war initiativ, kreativ und sprudelte nur so vor Ideen. Mit Kollegen engagierte er sich für das Ortsmuseum, wo er viele Stunden Fronarbeit leistete. Bis zu seinem Tod war er Mitglied der Ortsmuseumskommission. Er engagierte sich beim Sagenweg, wo er für den Unterhalt der Bänkli bis zuletzt zuständig war. Über viele Jahre war er aktiv im Turnverein sowie im Männerverein.

Sein Beruf wurde zu seinem Hobby – Eisenplastiker. Viele Stunden hat er für seine Kreationen aufgewendet und erfuhr dabei grosse Befriedigung. Alois, zweifellos ein Multitalent, war nicht nur Konstruktionsschlosser, sondern auch ein begnadeter Künstler. Was er alles aus Schrott und Eisen zusammenbastelte, war erstaunlich und löste Begeisterung aus. Alois war auch ein hochbegabter Kunstschmied. Viele seiner Eisengitter, -tore, -zäune und -geländer zieren etliche Häuser im Dorf.

Auf der ganzen Welt unterwegs

Als weltoffener Mann reiste Alois leidenschaftlich gerne. Seine Reisen brachten ihn in die ganze Welt. Seine Trips waren meist aufregend und abenteuerlich. So war er im Himalaja-Gebiet, im Busch in Australien, in Alaska, wo ihm ein Grizzlybär begegnete, in der Mongolei und an vielen anderen Orten. Als sehr guter Fotograf konnte er seine zahlreichen, säuberlich geordneten Dias immer wieder für spannende Reiseberichte einem interessierten Publikum präsentieren.

Nun hat Alois seine letzte grosse Reise angetreten – ohne Rückkehr. Ein äusserst lebensfroher, vielseitig engagierter und aktiver Mensch beziehungsweise Ur-Waltenschwiler mit grossem Sinn für das Gemeinwohl ist zu Hause, am Abend des 24. Juli, friedlich eingeschlafen, so wie er es sich gewünscht hat. Sein Lebensmotto lautete: «Läbe – wie wenn’s de letscht Tag wär! I bereue nüt – i ha vell erläbt und gseh!» (az)