Merenschwand
Alle Kirchenbücher sind jetzt gerettet

Erfolgreicher Abschluss eines wichtigen Projektes: Die Kirchenbücher der katholischen Kirchgemeinde Merenschwand-Benzenschwil sind restauriert.

Eddy Schambron
Drucken
Teilen
Restauratorin Maja Stein (vorne) und Kirchenpflegemitglied Elisabeth Vollenweider freuen sich im Pfarreiarchiv der Kirchgemeinde Merenschwand überdie Restaurierung der Bücher. Für jedes einzelne Objekt besteht ein Protokoll über die ausgeführten Arbeiten. ES

Restauratorin Maja Stein (vorne) und Kirchenpflegemitglied Elisabeth Vollenweider freuen sich im Pfarreiarchiv der Kirchgemeinde Merenschwand überdie Restaurierung der Bücher. Für jedes einzelne Objekt besteht ein Protokoll über die ausgeführten Arbeiten. ES

Eddy Schambron

Erfolgreicher Abschluss eines wichtigen Projektes: Die Kirchenbücher der katholischen Kirchgemeinde Merenschwand-Benzenschwil sind restauriert. Rund 50 Bücher, die ältesten aus dem 16. Jahrhundert, sind von Fachleuten so aufbereitet worden, dass sie richtig gelagert die Zukunft ohne Schäden überdauern werden. Roger Klausner, Präsident der Kirchenpflege, dankte nicht nur der Restauratorin und dem Restaurator für ihre Arbeit, sondern auch den verschiedenen Geldgebern und nicht zuletzt den Kirchenpflegemitgliedern, welche mit viel Eigenleistung zum Gelingen des Werks beigetragen haben.

Die Restaurierung von alten Büchern ist eine aufwendige Sache. «Wir gehen Seite für Seite durch, reparieren Risse, flicken Lederrücken oder Pergamenteinbände, rekonstruieren Ecken», fasste Maja Stein aus Freienwil zusammen. «Ziel bei einer Restaurierung ist immer, möglichst viel zu erhalten und möglichst wenig einzugreifen.» Stein hat einen Teil der Bücher in ihrem Atelier in Freienwil restauriert, der andere wurde von Martin Strebel in Hunzenschwil bearbeitet. Geld sparte die Möglichkeit der Massenentsäuerung der Bücher. Moderne Papiere ab etwa 1850 bis 1980 bestehen einerseits aus reiner Zellulose, andererseits aus saurem Holzschliff. Letzterer lässt das Papier vorschnell altern und vergilben. Zusätzlich verwendete man bis etwa 1980 fast ausschliesslich eine saure Leimung der Papiere, welche ihre Lebensdauer stark verringert. Durch die Massenentsäuerung bei der Nitrochemie Wimmis AG kann die Lebenserwartung solcher Papiere bei gleichzeitig guter Lagerung um etwa 150 bis 200 Jahre verlängert werden, stellt Martin Strebel fest. Bei diesem Prozess werden die Bücher und Akten in einem geschlossenen Tank im Vakuum mit einem Lösungsmittel, das Kalk enthält, behandelt. Nach der Behandlung hat sich der Kalk unsichtbar im Papier abgelagert und wird in Zukunft die sich erneut bildende Säure neutralisieren. Für jedes restaurierte Objekt wird ein detailliertes Protokoll erstellt.

Guter Archivraum

Diese guten Bedingungen sind in Merenschwand vorhanden. Bei der Pfarrhausrenovation 2006 wurde ein Raum für Archivalien vorgesehen, der bezüglich Feuchtigkeit, Temperatur und Sicherheit für die Lagerung entsprechender Dokumente geeignet ist. Sämtliche bisherigen Archivalien wurden durch das Docu-Team Baden erfasst, geordnet und eingerichtet. Nachdem die Kirchgemeindeversammlung einen Kredit von 146 000 Franken gutgeheissen hatte, konnte die Restaurierung der Kirchenbücher an die Ateliers Martin Strebel in Hunzenschwil und Maja Stein in Freienwil in Auftrag gegeben werden. Beide Restauratoren arbeiteten sehr kostenbewusst, wie es im Schlussbericht der Kirchenpflege heisst. Die Offerte sah einen Betrag von rund 168 000 bis 198 000 Franken voraus, effektiv abgerechnet wurden 127 500 Franken. Da die Entsäuerung der Bücher, in der Offerte mit durchschnittlich 48 875 Franken eingeschlossen, einzeln berechnet war, als Massenentsäuerung jedoch mit 22 000 Franken viel kostengünstiger kam, konnten so 27 000 Franken eingespart werden.

An den Kosten haben sich neben verschiedenen Stiftungen auch der Swisslos-Fonds Kanton Aargau und die Ortsbürgergemeinde Merenschwand beteiligt. «Die Ortsbürger waren überzeugt, dass das Geld hier sinnvoll investiert ist», führte Vizeammann Claudia Dober aus. Verschiedene Bücher stehen für die Familienforschung auch in digitalisierter Form zur Verfügung.

Aktuelle Nachrichten